Screencast-Software im Test
Ordentlich in Bewegung
von Peter Kreußel
Erschienen im Linux-Magazin
2008/11
Screencasts, das sind kommentierte Video-Aufzeichnungen des Bildschirms, demonstrieren die Bedienung von Anwendungen viel konkreter und verständlicher, als das gewöhnliche Screenshots je könnten. Die Königsklasse der Recordingprogramme bezieht sogar den Zuschauer interaktiv ein.
Für Screencasts stehen unter Linux etliche gute Anwendungen zur Verfügung - dass dies nicht immer so war, zeigte eine Bitparade vor zwei Jahren [1]. Grund genug für einen neuen Test: Das Spektrum heute reicht von reiner Aufzeichnungssoftware bis hin zu Tutorial-Programmen, die Mitschnitte mit Textkommentaren versehen (Tabelle 1).
Xvidcap
Xvidcap [2], den Klassiker unter den Screencapture-Programmen (Abbildung 1), gibt es bereits seit 2003, eine Vorgängerversion noch gar nicht mitgerechnet. Reife zeigt die Anwendung im ausführlichen und verständlichen Handbuch. Der gute Eindruck schwindet mit der Ubuntu-Version 1.1.6 jedoch leider schnell: Oft friert die Anwendung beim Verschieben des gefilmten Anwendungsfensters oder schon beim Ausklappen eines Menüs ein. Der Bugtracker offenbart, dass dafür ein Fehler in den C-Bindings zu den X-Bibliotheken verantwortlich ist [3]. Abhilfe schafft, auf der Konsole, die Xvidcap startet, die Umgebungsvariable »LIBXCB_ALLOW_SLOPPY_LOCK« auf »1« zu setzen.

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Abbildung 1: Klassiker mit Macken: Xvidcap blieb im Test öfter hängen. Seine Performance stößt bei großen Aufzeichnungsbereichen schnell an Grenzen.
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Doping!
Problematisch bleibt beim Ubuntu-Paket weiterhin die Performance: Selbst die voreingestellten 10 Frames pro Sekunde kann Xvidcap auf dem Testsystem mit einem 3-GHz-Pentium-4-Prozessor und einer Nvidia-Geforce-7600-Grafikkarte bei einem Capture-Bereich von 1024 mal 768 nicht einhalten. Bei der Tonspur fehlen Teile des gesprochenen Textes.
Die neuere Version 1.1.7, die auf der Sourceforge-Seite als Quelltext und als Debian-Paket erhältlich ist, steigert allerdings die Capture-Rate merklich. Lediglich für Fullscreen-Captures mit einer Auflösung von 1280 mal 1024 oder mehr ist auch diese Version nicht zu gebrauchen. Der Capture-Bereich lässt sich einfach festlegen: Mit dem Pipette-Werkzeug klickt der Anwender ein Programmfenster an. Im damit ausgewählten Bereich fehlt allerdings die Fensterdekoration. Der Ausschnitt lässt sich jedoch mit der Maus anpassen.
Auf Wunsch verkleinert die Software das aufgenommene Video stufenlos. Wer 3D-beschleunigte Anwendungen filmen möchte, muss die Benutzung von X-Damage ausschalten, eines Mechanismus, über den der X-Server meldet, welche Bildschirmbereiche sich verändert haben. In der Voreinstellung speichert Xvidcap den Screencast als AVI-Datei mit Divx-Komprimierung. Die Komprimierungsqualität lässt sich einstellen. Außer AVI erzeugt die Software Mpeg-, ASF-, Flash-, und Quicktime-Dateien sowie Mpeg2-Dateien für Video-CDs und DVDs.
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