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Webentwicklung mit Java
Reiches Angebot
von Bernhard Bablok
Erschienen im Linux-Magazin
2008/08
Wer in die Webprogrammierung mit Java einsteigen will oder muss, braucht einen Überblick über die Fülle der Standards, Technologien und Anwendungsserver. Dieser Artikel stellt die wichtigsten vor und erläutert, für welche Aufgaben sie sich am besten eignen.
Im Ökosystem der Web-Programmiersprachen steht Java mächtig unter Druck, die jungen Wilden wie Ruby on Rails drängen es an den Rand. Ein Einstiegshemmnis ist die Unübersichtlichkeit des Java-Zoos: Anders als bei PHP, bei dem es zum Apache-Modul in Version 5 kaum Alternativen gibt, verwirrt Java die Neulinge mit Begriffen wie Java Server Pages, Java Server Face, Applikationsserver und Java Enterprise Edition. Dieser Artikel bietet daher einen Überblick über die für Webanwendungen wirklich wichtigen Java-Technologien.
Java war von Anfang an für den Einsatz im Web konzipiert. In der 1996 erschienenen ersten Ausgabe des O\'Reilly-Buchs "Java in a Nutshell" heißt es: "Richtig aufregend an Java ist, dass es für die Programmierung im Internet konzipiert ist." Zur damaligen Zeit war Java auf dem Stand 1.0 und Internetprogrammierung synonym mit Applet-Entwicklung. Trotz des modernen Designs mit kompaktem Bytecode, Unterstützung des asynchronen Nachladens von Ressourcen (heute unter dem Schlagwort Web 2.0 und Ajax bekannt), sicherer Sandbox und Plattformunabhängigkeit scheiterte das Konzept. Ursachen waren die zu geringe Bandbreite der privaten Internetanschlüsse, nicht weit genug verbreitete Unterstützung für Java im Browser und die unzureichende Rechenleistung der damaligen PCs, um die Java Virtual Machine performant zu betreiben.
Fulminanter Fehlstart
Die Java-Webtechnologie schien also am Ende, noch bevor sie richtig an Fahrt gewinnen konnte. Mitte der 90er Jahre setzte plötzlich ein regelrechter Hype um Java ein, denn damals (das Internet war stark im Kommen) stand Java mit seinem Funktionsumfang konkurrenzlos an der Spitze. Heute noch übertreffen Java-Applets die technischen Möglichkeiten von Ajax, auch wenn sie von der Verbreitung her ein Nischendasein fristen. Wer grafisch aufwändige Applikationen braucht, ist mit ihnen jedoch nach wie vor gut bedient. Das Kartenreservierungs-Applet der Bayerischen Staatsoper ([1], Abbildung 1) ist ein gutes Beispiel für einen nach wie vor zeitgemäßen Einsatz eines Java-Applets.

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Abbildung 1: Der Online-Kartenverkauf bei der Bayerischen Staatsoper macht sich die guten grafischen Fähigkeiten der Java-Applets zunutze.
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Servlets statt Applets
Bei Applets liefert der Server zwar Code und Daten, die Verarbeitung findet aber auf dem Client statt. Dieses Paradigma überforderte die Leistung der PCs in der Frühzeit von Java und wurde daher meist zugunsten der Server-seitigen Datenverarbeitung aufgegeben.
Prinzipiell ist das nichts Neues: Über die CGI-Schnittstelle lassen sich dynamische Seiten auch mit anderen Sprachen wie zum Beispiel Perl realisieren. Die Java-Architekten entwickelten jedoch eine eigene Architektur, die sich bis heute bewährt. Eine Laufzeitumgebung bietet per Java-Interface definierte Services (das Servlet-API), die jedes standardkonforme Java-Programm für die Erstellung der Webseiten nutzen kann. Eine Java-Webanwendung implementiert quasi Einstiegspunkte, die die Laufzeitumgebung auf Basis der vom User angeforderten URL anspricht. Anders ausgedrückt: Der Entwickler schreibt keine eigenständige Anwendung, sondern eine Bibliothek mit festgelegten Schnittstellen.
Wer in die Webentwicklung mit Java einsteigen will, kommt also um das Studium des Servlet-API nicht herum. Zum Glück ist dieses nicht besonders umfangreich, in den meisten Fällen kommt der Entwickler mit einigen wenigen Methoden aus, die um das Request-Response-Modell von HTTP herum gestrickt sind.
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