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© fotolia.de

Windows Server 2008 mit Linux-Features

Nachzügler aus Redmond

von Markus Feilner, Norbert Graf
Erschienen im Linux-Magazin 2008/04

Glaubt man den Meldungen der letzten Monate, dann hat Microsoft mit seinem Server 2008 das Rad neu erfunden. Ein genauer Blick lässt aber vermuten, dass die Redmonder eher Linux hinterherhecheln.

Der neueste Renner im Redmonder Stall [1] wartet mit einigen interessanten Neuerungen auf. Einige davon werden erfahrenen Linux-Administratoren allerdings sehr vertraut erscheinen. Besonders auffällig sind Komponenten, die auf Open-Source-Systemen schon lange zum Alltag gehören und die Linux-Administratoren deshalb gar nicht mehr mit großer Aufmerksamkeit bedenken:

  • Eine minimale Installation namens Server Core, bei der alle
    Dienste abgeschaltet sind und nur eine abgespeckte lokale grafische
    Oberfläche läuft (Abbildung 1).
  • Die Powershell [2] ist jetzt fester Bestandteil und bringt
    Bash-Feeling plus Objektorientierung.
  • Dank eines komplett überarbeiteten TCP/IP-Stack bietet
    Windows Server erstmals auch vollständige
    IPv6-Kompatibilität.
  • Ein grafischer Installer ermöglicht es dem Benutzer,
    Einstellungen wie die Versionsauswahl oder die
    Festplatten-Partitionen per Mausklick einzugeben (Abbildung
    2).
  • Die Terminal Server glänzen jetzt mit neuen Features wie
    dem Export einzelner Anwendungen.

Microsoft hat in letzer Zeit also mindestens zwei Paradigmenwechsel vollzogen: Nach der lange gewünschten Powershell kommt jetzt auch noch eine Minimal-Installation, die auf den ersten Blick fast schon einem Linux-System gleicht.


Abbildung 1: Der Minimal-Modus von Windows Server 2008 erinnert nur auf den ersten Blick an spartanische Linux-Server.


Abbildung 2: Erstmals dabei: Ein grafischer Installer, außerdem die Powershell, eine Minimalinstallation und IPv6-Kompatibilität.

Minimal-Installation

Für Redmonder Verhältnisse erweist sich das Betriebssystem dabei sogar als genügsam. Wählt der Benutzer während der Installation einen der Core-Modi, zum Beispiel »Windows Server 2008 Standard (Server Core-Installation)«, so landen weniger als 1 GByte Software auf der Platte, als RAM reichen 500 MByte. Die Standard-Installation braucht dank des umfangreichen GUI mindestens das Drei- bis Vierfache. Bei Server Core hat der Admin ein einfaches, sicheres Mini-System vor sich, das außer einer Befehlszeile nicht viel vorweisen kann. Mit Kommandos wie »ocsetup« und »oclist« installiert und konfiguriert er darauf aufbauend Serverdienste und Software.

Allerdings unterliegt das Unterfangen strengen Einschränkungen. Es ist beispielsweise später nicht möglich, das GUI zu installieren und so aus dem Minimal- ein Standard-System zu machen, auch der umgekehrte Weg ist gesperrt. Ein SSH-Server für einen sicheren Remote-Zugriff fehlt schmerzlich. Das kann jedes Linux-System besser.

Windows Core vs. Linux

Aber der Server Core teilt einige Vorteile mit den Minimal-Versionen der gängigen Linux-Distributionen. Zuerst sind alle unnötigen Dienste ausgeschaltet, überflüssige Software und Bibliotheken nicht installiert und das System ist von außen nicht erreichbar. Die Administration erfolgt ausschließlich an der Kommandozeile, an der aber mangels Powershell und Admin-Werkzeugen nicht viel Funktionalität übrig bleibt.

Software- oder Treiber-Installation und diverse Serverfunktionen beherrscht der Core nur eingeschränkt. Er eignet sich daher eher als File- oder Infrastruktur-Server mit sehr beschränktem Funktionsumfang. So gesehen klingt 1 GByte Software nach relativ viel und verleitet zum Suchen nach möglichen versteckten Multimedia-Inhalten, denn die Konkurrenz aus dem Linux-Lager schafft mit knapp einem Viertel des Platzbedarfs mehr Inhalt und Funktionen.

Im Standardmodus der vollständigen Installation stehen dem Benutzer auf 4 GByte mehrere GUI-Tools zur Verfügung, die zum Beispiel die geführte Einrichtung eines Dienstes vornehmen. Da kann dann im Linux-Lager nur noch Suses Yast oder, mit Einschränkungen, Xandros mithalten.

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