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Neues bei Debian

Debianopolis

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2008/04

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Einige Debian-Komponenten sind seit Jahren praktisch unverändert, zum Beispiel der Bootprozess der Distribution und hier speziell die Init-Skripte. Ein Skript, das in der aktuellen Version Etch funktioniert, ließe sich ohne merklichen Unterschied in den Vorgängerversionen verwenden. Die Debian-Entwickler jedoch sind alles andere als glücklich mit ihrem in die Jahre gekommenen Init-System.


Abbildung 1: Dieser Kollege Bug bleibt genauso im bildlichen Bereich wie die Debian-Entwickler, die ab März 2008 auf „Bug Squashing Parties“ der neuen Distribution die Fehler austreiben wollen – auch wenn die oft nicht aus Pappe sind.

Alles neu macht Lenny

Schon im Etch-Releasezyklus gab es Ansätze, um das alte Init-System zu renovieren, was an Zeitmangel in der Endphase jedoch scheiterte. Die Lenny-Release soll dies ändern. Wie Petter Reinholdtsen auf der Debian-Devel-Announce-Mailingliste ankündigte [1], arbeitet er seit ein paar Jahren schon an einer umfassenden Reform der Init-Skripte. In Lenny soll sie endlich ihren Abschluss finden.

Nach Reinholdtsens Meinung müsse das alte System weg, weil es zu wenig Freiheit im Hinblick auf den Startzeitpunkt eines Programms lässt. Die Reihenfolge, in der Debian die Skripte in den Ordnern »/etc/rc.S[0-6].d/« derzeit aufruft, hängt allein von der Zahl ab, die hinter dem »S« am Anfang eines Linknamens steht. Wenn zwei Programme die Zahl 20 haben, ist es unmöglich, ein drittes Programm mit der gleichen Priorität zu starten und sicher zu sein, dass es zeitlich zwischen den beiden schon vorhandenen Skripten läuft.

The LSB way to do it

Um des Problems Herr zu werden, hat der Init-Renovierer an einer Implementierung des LSB-Init-Systems (Linux Standard Base, LSB) für Debian gearbeitet. Ob und wann ein Skript startet, lässt sich dort mittels Abhängigkeiten steuern, die der Admin zwischen einzelnen Init-Skripten definiert. Zum Beispiel kann er ein Init-Skript B vor einem Skript A starten lassen. Auch ist möglich, Ausschlusskriterien für den Start von Init-Skripten zu setzen, zum Beispiel: Starte Skript B nicht, wenn Skript A schon gestartet wurde.

Reinholdtsen beschreibt in seiner Mail, welche Schritte für die Umstellung noch zu erledigen sind. Auf seine Anregung hin haben in den vergangenen Monaten viele Debian-Pakete ein Update erfahren, das die Init-Skripte um die passenden LSB-Abschnitte erweitert. Trotzdem ist noch viel zu tun, ganz oben auf der To-do-Liste steht zurzeit die Dokumentation. Reinholdtsen bittet um Mithilfe und fordert Entwickler auf, sich dieser Angelegenheit anzunehmen.

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