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© photocase.com

Open Suse Buildservice

Software für Millionen

von Klaas Freitag
Erschienen im Linux-Magazin 2008/01

Open Suses freier, übers Web zugänglicher Buildservice nimmt jedem interessierten Entwickler Arbeit und Ärger ab. Er kann sich aufs Programmieren konzentrieren statt für diverse Plattformen Compiler-Sessions abzuhalten, Abhängigkeiten nachzuhecheln und Pakete für Dutzende Distributionen zu schnüren.

Vor gut zwei Jahren hat die Firma Novell, Mutter des deutschen Linux-Distributors Suse, die Entwicklung der Distribution komplett geöffnet, um Suse Linux zu einem echten Community-Projekt werden zu lassen, dessen Entwicklung nicht mehr abgeschlossenen in den eigenen Labors stattfindet.

Das Ergebnis der Entwicklerarbeit ist der Sourcecode, der zwar ein wesentlicher Teil, aber nicht die einzige Voraussetzung für ein erfolgreiches Open-Source-Projekt ist. Der Buildservice soll eine weltweite und effiziente Zusammenarbeit aller Entwickler ermöglichen. Die Suse-Distributionsentwickler arbeiten als aktiver Teil der Community an Open Suse, da es die Basis für die Suse Enterprise Platform darstellt.

Das Projekt bietet neben Kommunikationsplattformen wie einem mehrsprachigen Wiki unter [1] und einer leistungsfähigen Infrastruktur zum Software-Download zusätzlich einen freien Service, der Software übersetzt und in Pakete verpackt, den Open Suse Buildservice (Abbildung 1). Dieser Onlineservice überführt die Quellpakete der Software in ein Binärformat.


Abbildung 1: Das Webinterface des Open Suse Buildservice im Browser.


Abbildung 2: Eine Übersicht über die einzelnen Teile des Open Suse Buildservice. Frontend und Backend kommunizieren über eine sichere Netzverbindung.

Programmieren und Packen

Nach dem Schreiben des Code folgt der mühsame und ungeliebte, deshalb auch oft vernachlässigte Arbeitsschritt, die Quellen zu übersetzen und für die Distribution zu paketieren, auf der die Software laufen soll. Das ermöglicht es Benutzern, das Programm über das Softwaremanagement der Linux-Distribution zu installieren. Es kann eventuell vorhandene Abhängigkeiten auflösen und so sicherstellen, dass die Software ordnungsgemäß funktioniert.

Da in der Welt der freien und Open-Source-Software (FOSS) die Vielfalt regiert, ist es für den Autor eines Projekts praktisch unmöglich, für die Vielzahl der gängigen Distributionen und deren aktuelle Releases Binärpakete zu erstellen. Die Systeme unterscheiden sich und es gibt keine einheitliche Packaging-Methode. Oft lässt sich nur sinnvoll auf den Systemen selbst bauen, was bedeutet, dass der Autor diese zur Verfügung haben muss. Ähnliches gilt für verschiedene Hardwareplattformen.

Nicht nur RPM, sondern auch Debian

Mit Hilfe des Open Suse Buildservice lassen sich Pakete für die Hardwareplattformen I-586, x86_64 und in Zukunft wahrscheinlich auch PowerPC bauen. Entwickler können Pakete auf Basis aller gängigen Suse-Distributionen wie Open Suse, aber auch für die Businessvarianten SLES und SLED verschnüren. Darüber hinaus bietet der Buildservice nicht nur die Möglichkeit, für andere RPM-basierte Distributionen wie Red Hat, Fedora und Mandriva zu bauen, sondern auch für Dpkg-basierte Systeme wie Debian und damit (K)Ubuntu. Das geschieht alles aus einer Quelle, die mit den entsprechenden Bauvorschriften zu kombinieren ist.

Ändern sich Pakete, die als Grundlage zum Bau der eigenen Software dienen, baut der Buildservice die abhängigen Pakete automatisch neu. Damit ist auf einem System, das sich noch in Entwicklung befindet, immer gewährleistet, dass die Binärpakete zusammenpassen und aktuell sind. Für den Autor eines Projekts wird die Welt damit einfach: Er stellt sein Paket mit den entsprechenden Bauvorschriften in den Buildservice ein und erhält automatisch die Binärpakete für alle gewünschten Systeme.

Doch es geht nicht nur um Pakete, also die atomaren Einheiten für die Paketmanagement-Systeme heutiger Linux-Distributionen. Im Buildservice lassen sich Pakete zu Projekten zusammenfassen, die er dann zusammen verwaltet und baut. Das eröffnet eine ganze Reihe Möglichkeiten, vor allem, da Projekte aufeinander aufbauen können.

Natürlich ist das alles nur von Wert, wenn die Benutzer die Software auch herunterladen und installieren können. Dafür ist der Open Suse Buildservice mit einer leistungsfähigen Softwaresuche und einer Redirector-Infrastruktur ausgestattet, um die Benutzer automatisch auf leistungsfähige Mirrors umzuleiten. Yast und andere Softwaremanagement-Systeme können die Projektverzeichnisse als Installationsquellen sowie seit Open Suse 10.3 auch einfach zur One-Click-Installation verwenden.

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