Bericht von der Linuxconf Europe und dem Kernel-Summit in
Gipfeltreffen
von Nils Magnus
Erschienen im Linux-Magazin
2007/11
Am 2. September dieses Jahres avancierte Cambridge für fünf Tage zum Olymp der Linux-Szene. Alle Götter des Kernels, Zeus Torvalds inklusive, trafen sich zur europäischen Linuxconf und zum Kernel Developers Summit. Das Linux-Magazin war vor Ort, um nun hier von dem sagenhaften Ereignis zu berichten.

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Abbildung 1: Very british: Die ehrwürdigen Mauern des University Arms Hotel in Cambridge boten den Teilnehmern von Linuxconf und Kernel Developers Summit 2007 einen angemessenen Rahmen.
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Den scheuen Linus Torvalds irgendwo vor die Flinte zu kriegen, kommt einem Fünfer im Lotto gleich. Auf die Linuxconf Europe [1], die in der englischen Universitätsstadt Cambridge zusammen mit dem Kernel Developers Summit Anfang September stattfand, war er jedoch gekommen. Im Gespräch mit dem Linux-Magazin relativierte er sogleich die Bedeutung von Konferenzen: "Das ist mehr eine soziale Angelegenheit", sagte der gebürtige Finne, der nun in Portland, Oregon, mit Frau und Kindern lebt. Die wirkliche Arbeit am Linux-Kernel erledige er lieber per E-Mail.
Der gewöhnlich pressescheue Torvalds (Abbildung 2) war als Überraschungsgast auf die Konferenz gekommen. Nur die Veranstalter, die federführende UKUUG aus Großbritannien sowie ihre Schwesterorganisation GUUG aus Deutschland und wenige Eingeweihte wussten vorab Bescheid. So erlebten denn gut 220 Teilnehmer ein technisch hochwertiges Programm.

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Abbildung 2: Seltener Gast auf Konferenzen: Nur wenige wussten vom Überraschungsbesuch des Kernel-Chefarchitekten Linus Torvalds.
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Etwa 80 von ihnen blieben zum anschließenden Kernel Developers Summit, einer Art abgeschotteter Kernel-Kungelrunde, bei der die Usenix in Gestalt von Ted T\'so die Gastgeberrolle spielte. Das heißeste dort diskutierte Thema war die Plattformcode-Vereinigung von I-386 mit x86_64. Ingo Molnar und Thomas Gleixner sind sehr dafür, Andi Kleen strickt dagegen. Es sieht so aus, als fiele die Entscheidung per Linus-Dekret - auch der Meister will die Zweige vereinen.
Zur Lage des Kernels
Jonathan Corbet nennen viele auch den Hofberichterstatter des Kernelteams. Er gab eingangs eine vorzügliche Übersicht des Status quo im Projekt. Der Ablauf, dass mehrere stabile Kernelreleases im Abstand von wenigen Monaten aufeinanderfolgen, habe sich bewährt. Der Meinung stimmte auch Torvalds explizit zu und machte wenig Hoffnung auf eine baldige Version 3.0. Wichtiger als Versionsnummern seien die technischen Eigenschaften des Kernels (Abbildung 3).

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Abbildung 3: Linus Torvalds im Gespräch mit Linux-Magazine-Autor Paul Adams über die Bedeutung von Konferenzen im Kernel-Entwicklungsprozess.
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Geplanter Schnappschuss
Diese technischen Eigenschaften auszubauen war dann auch Inhalt von mehreren Beiträgen, die sich mit zukünftigen Erweiterungen befassten. Beispiel: Mittels Snapshots den Zustand eines Blockdevice konsistent einzufrieren, um davon beispielsweise ein Backup zu ziehen, ist schon seit Längerem Aufgabe des Devicemappers.
Jan Blunck von Suse (Abbildung 4) stellte auch die Probleme klar, die damit verbunden sind: Gerade sehr große Installationen lassen einige Datenstrukturen im Kern ineffizient anschwellen. Wer viele Snapshots einsetzt, erkauft das mit Einbußen bei der Leistung von Dateisystemen, die auf diesen Geräten laufen. Blunck schlug eine Reihe von Veränderungen vor und diskutierte sie gleich vor Ort mit dem zuständigen Maintainer Alasdair Kergon, der in Personalunion auch verantwortlich für die Konferenzorganisation zeichnete.

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Abbildung 4: Jan Blunck hat es sich vorgenommen, Snapshots im Device-Mapper besser zu skalieren. In einigen Fällen entstehen heute große Datenstrukturen, die zu mäßiger Performance führen können.
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