Dimensionierung der Thin Clients
Etwas einfacher sieht die Dimensionierung der Clients aus. Als Minimum genügen hier ein 233-MHz-Prozessor, 64 MByte RAM, 100-MBit-Ethernet und eine Grafikkarte mit 2 MByte Video-RAM. Die empfohlene Ausstattung liegt mit einem 400-MHz-Prozessor und 128 MByte RAM etwas höher. Gehören das Abspielen von Videos und 3D-Anwendungen zum angepeilten Funktionsumfang, ist eine Grafikkarte mit Xvideo- oder GLX-Unterstützung erforderlich. Eine lokale Festplatte ist dagegen nicht notwendig.
Wenn die Clients vom Netz booten, empfiehlt sich eine Ethernet-Karte mit PXE-fähigem Boot-ROM. Wer keine mit solchen Boot-ROMs bestückten Exemplare besitzt, bekommt vom Etherboot/Gpxe-Projekt [2] maßgeschneiderte ROM-Images für viele gängige Karten [3]. Dieser Weg setzt natürlich den Zugriff auf einen EEPROM-Brenner voraus. Ohne den bleibt nur der Download der vom Etherboot-Projekt bereitgestellten Images für Disketten oder CDRs.
Generell ist das Booten vom Netz gegenüber dem Booten von konventionellen Laufwerken vorzuziehen, da Störungen durch mechanische Verschleißerscheinungen praktisch ausgeschlossen sind. Zusätzlich entfällt die organisatorische Aufgabe, immer die passenden Bootmedien bereithalten zu müssen.
Installation von LTSP 5
Besonders einfach ist die LTSP-Einrichtung, wenn der Administrator die Serverinstallation von Edubuntu verwendet, die [4] ausführlich beschreibt. Die vorgeschlagene Netztopologie vorausgesetzt, erhält er nach Abschluss der Installation ein schlüsselfertig eingerichtetes LTSP 5, von dem die Thin Clients ohne weitere Arbeit booten können.
Um LTSP nachträglich in ein Ubuntu-System zu integrieren, ist etwas mehr Handarbeit erforderlich. Zunächst muss der Admin sicherstellen, dass die Ethernet-Karten des künftigen Terminalservers richtig konfiguriert sind. Die Einstellungen dafür finden sich in der Datei »/etc/network/interfaces«.
In Listing 1 steht eine beispielhafte Konfiguration, die sich an der von Edubuntu vorgeschlagenen Topologie orientiert. Die Karte »eth0« hängt dabei am regulären Subnetz und bezieht ihre Konfiguration automatisch über das Netz, während »eth1« das Thin-Client-Subnetz versorgt und statisch auf die IP-Adresse »192.168.0.254« eingestellt ist. Über einen Aufruf von »man 5 interfaces« sind weitere Einzelheiten über den Aufbau dieser Datei zu erfahren.
01 # Die loopback-Schnittstelle
02 auto lo
03 iface lo inet loopback
04
05 # Die Karte am regulären Subnetz
06 auto eth0
07 iface eth0 inet dhcp
08
09 # Die Karte am Thin-Client-Subnetz
10 auto eth1
11 iface eth1 inet static
12 address 192.168.0.254
13 netmask 255.255.255.0
14 network 192.168.0.0
15 broadcast 192.168.0.255
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Wer verhindern will, dass automatische Helfer wie Avahi oder der Network Manager die Ethernet-Schnittstellen wieder verkonfigurieren, deinstalliert am besten die Pakete »avahi-autoipd« und »network-manager«. Das folgende Kommando gibt die neue Konfiguration frei:
sudo invoke-rc.d networking restart
Der nächste Schritt ist die Installation des Pakets »ltsp-server-standalone«. Es enthält das Skript »ltsp-build-client«, das die Chroot-Umgebung für das Clientsystem zusammenbaut. Die Software hat einige Abhängigkeiten zu wichtigen Diensten, die zum Betrieb eines Terminalservers notwendig sind, aber das Paketmanagement löst in der Regel alle derartigen Dependencies selbstständig auf. Darüber hinaus sollte der SSH-Server installiert sein, da LTSP ihn für seinen standardmäßigen Login-Mechanismus benötigt.
Nach seinem Aufruf bezieht das Skript »ltsp-build-client« automatisch die benötigten Pakete für das Chroot aus den Repositories und installiert mit Hilfe von »debootstrap« ein abgespecktes Ubuntu-System in »/opt/ltsp/i386«. Der Hauptunterschied zum Hostsystem ist neben der spartanischen Ausstattung das installierte Paket »ltsp-client«, das die Startskripte zum laufwerkslosen Betrieb eines Thin Clients mitliefert.
Dieses System kann der Admin weitgehend wie eine völlig normale Ubuntu-Installation administrieren. Ein Online-Update bewerkstelligt er beispielsweise wie folgt:
sudo chroot /opt/ltsp/i386
apt-get update
apt-get upgrade
exit
Bevor die Clients vom Netz booten, sollte Root sicherstellen, dass die dafür benötigten Dienste korrekt konfiguriert und erreichbar sind.
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