Terminalservices mit Edubuntu und LTSP 5
Einer für alle
von Christian Kroll
Erschienen im Linux-Magazin
2007/10
Das Linux Terminal Server Project tritt an, um die Installation und Wartung von Terminalservern zu vereinfachen. Der Artikel stellt auf der Basis von Ubuntu 7.04 Funktionsumfang und Konfiguration von LTSP 5 vor, das auch lokale Soundkarten, Drucker und USB-Sticks einbindet.
Auf Unix-Systemen finden Administratoren ideale Voraussetzungen für den Betrieb von Terminalservern. Die zahlreichen netzwerkfähigen Dienste, zum Beispiel die Grafikschnittstelle X11, die Remote-Shell SSH und das Netzwerk-Dateisystem NFS, bieten seit vielen Jahren ausgereifte und erprobte Standards. Gutes Server-based Computing zeichnet sich aber dadurch aus, dass die Benutzer den Eindruck gewinnen, als würden sie bei ihrer Arbeit direkt vor der laufenden Anwendung sitzen.
Um diese Illusion möglichst perfekt zu machen, genügt es nicht, die Anwendungen auf dem Client lediglich anzuzeigen. Die Programme sollen ihre Soundausgaben auf den Geräten abspielen, auf denen die Darstellung läuft, und nicht auf dem Server, der sie tatsächlich ausführt. Umgekehrt sind im Client eingestöpselte USB-Sticks erst dann nützlich, wenn der Terminalserver sie einbindet. Client-seitige Drucker vom Server aus zu benutzen, erweist sich meist ebenfalls als wünschenswerte Funktion.
Ein Chroot für LTSP
Das Linux Terminal Server Project (LTSP, [1]) kombiniert X-Window, SSH und NFS mit der Einbindung lokaler Drucker, Laufwerke und Soundkarten in einem übers Netzwerk gebooteten Betriebssystem. Dabei verbindet es diese Dienste geschickt zu einer vollwertigen Terminalserver-Lösung auf der Basis von GNU/Linux, die ganz nebenbei auch noch leicht einzurichten und wartungsfreundlich ist. Deshalb setzen es gerade Schulen und Bildungseinrichtungen verschiedenster Art oder Projekte aus der Entwicklungshilfe gerne ein (siehe Kasten "LTSP und Linux4Afrika").
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Das Linux Terminal Server Projekt ist eines der beliebtesten Projekte für Server-based Computing. Die Liste der Erfolgsstorys auf der Webseite [1] füllt mehrere Bildschirme, darunter befinden sich vor allem Schulen und Bildungseinrichtungen weltweit.
Ein Projekt, das auf LTSP setzt, ist das im Rahmen der Entwicklungshilfe entstandene Linux4afrika, das 2006 der Freiburger Open-Source-Software-Verein Freioss.net e.V. ins Leben rief. Getragen von derzeit 304 Mitgliedern aus 27 Ländern, will die Initiative dabei zunächst in Tansania (Abbildung 1) und Mosambik Schulen mit Computerausstattung unterstützen. Jede Schule erhält einen Terminalserver und gebrauchte, getestete Computer ohne Festplatten als Thin Clients, Freioss sammelt dafür Computer, Bildschirme und Zubehör.

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Abbildung 1: Bis November 2007 erhalten sieben tansanianische Computerexperten, alle Mitglieder von Freioss.net e.V., ein Linux-Training. Von links nach rechts: Sebastian P. Koyi, Walter V. W. Nyoni, Baraka A. Onjare, Ted F. Silkiluwasha, Linux-Magazin-Redakteur Markus Feilner, Hamisi R. Kisinzah, Jovin M. Shumbusho, Freioss.net-Vorstand Hans-Peter Merkel und Andegenie A. Mwaipopo. (©Foto: Agnes König
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Begonnen hatte alles mit Debian Sarge und LTSP 4, nach kurzer Zeit stellten die Entwickler aber auf Edubuntu um, da die vorinstallierte Programmauswahl besser in den Ausbildungsbereich passt. Ein weiterer wichtiger Aspekt waren der Local Device Support von LTSP 5 und die Tatsache, dass diese Version out of the Box einfach funktioniert.
Weil die gesammelten gebrauchten Computer und deren Netzwerkkarten aufgrund ihres Alters meist nicht PXE-tauglich sind, brennt das Team die notwendige Bootsoftware in einmal beschreibbare Eproms gebrauchter NICs.
Als Terminalserver kommen AMD64-Dualcore-CPUs mit 2 GByte RAM zum Einsatz, die das Projekt aus Spendengeldern finanziert. Eine Musterfestplatte bleibt im Besitz von Freioss, jede Schule erhält mehrere mit »dd« erstellte Kopien, um sicherzustellen, dass ein Festplattenausfall schnell zu beheben ist. Neue Edubuntu-Releases werden in Deutschland getestet und bei Migrationen nach Tansania oderMosambik zum Austausch geschickt.
In vielen Einsatzorten ist keine dauerhafte Internetanbindung vorhanden, deshalb haben die Entwickler die Offline-Wikipedia Kiwix, Moodle und Typo3 vorinstalliert. Zwei afrikanische Praktikanten verfassen zurzeit Dokumente, die den Unterricht an den Schulen unterstützen. Um die dortigen Schüler trotz fehlender Internetverbindung auf zukünftige Onlinetechnologien vorzubereiten, läuft auf dem Terminalserver auch ein lokaler Mailserver. Mit diesem lernen die Schüler, innerhalb des Klassenzimmers E-Mail-Techniken anzuwenden.
Im Oktober 2007 werden die ersten Schulen die PCs in Betrieb nehmen - die zweite Sammelaktion kann starten. Den nächsten Container verschickt das Projekt wohl Ende November, im Frühjahr 2008 reisen einige Mitglieder von Freioss nach Tansania, um sich vor Ort über den Projektstand zu informieren und Workshops für Lehrer und Schüler durchzuführen. Das Linux4Afrika-Projekt berichtet auf der Webseite [http://www.linux4afrika.de] regelmäßig über den aktuellen Projektstand.
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Den Kern einer LTSP-Installation bilden dabei Chroot-Umgebungen, in denen die zu bootenden Systeme enthalten sind. So startet mit möglichst wenigen Ressourcen ein X-Server auf dem Thin Client, der sich automatisch mit dem Terminalserver verbindet.
Bis zur Version 4 von LTSP stellt sich diese Chroot-Umgebung als eine eigenständige Distribution dar, die über eine spezielle Toolchain zur Administration verfügt. Größtenteils besteht sie aus einer speziellen Zusammenstellung von Projekten wie Glibc oder X.org, was sich allerdings mit der Zeit als problematisch herausgestellt hat. Denn all diese Projekte entwickeln sich weiter und geben regelmäßig Sicherheitsupdates heraus, die in LTSP eingepflegt werden wollen.
LTSP 5 (Muekow): Ubuntu als Basis
Das ursprünglich unter dem Codenamen Muekow initiierte LTSP 5 hat sich deshalb für einen anderen Weg entschieden. Anstatt wie bisher eine Kompilation unterschiedlichster Projekte herauszugeben, legten die Programmierer den Schwerpunkt auf die zentralen Bestandteile von LTSP. Neben den Startskripten und der angepassten Konfiguration machen jetzt kleinere Hilfsdienste dem Terminalserver auch die Peripheriegeräte der Thin Clients zugänglich.
Die restlichen Programmpakete und große Teile der Toolchain stellt in LTSP 5 dagegen die Host-Distribution des Servers. Sie bildet die Chroot-Umgebung im Kleinen nach und ermöglicht das Aktualisieren und Ergänzen um weitere Programme über den Paketmanager Apt-get. Ubuntu trägt neben Debian derzeit am meisten zur Entwicklung von LTSP 5 bei. Deshalb finden sich bei diesen Distributionen und deren Ablegern Edubuntu und Skolelinux die fortgeschrittensten LTSP-5-Implementierungen. Vor allem Edubuntu legt dabei viel Wert auf eine möglichst einfache Einrichtung und eine für die Weiterbildung ausgerichtete Paketauswahl.
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