Suns Entwicklungsumgebung Studio unter Linux
Sonnenstudio
von Carsten Zerbst
Erschienen im Linux-Magazin
2007/09
Die Firma Sun bietet für ihr Unix-Derivat Solaris seit Langem eine eigene Entwicklungsumgebung mit C-, C++- und Fortan-Compiler an. Das Sun Studio genannte Paket steht nun auch für Linux kostenlos zur Verfügung. Die auf Netbeans basierende IDE unterstützt sogar die GNU-Werkzeuge.
Software-Entwicklung in den klassischen Unix-Sprachen C und C++ ist unter Linux ohne die GNU Compiler Collection fast undenkbar. Der Linux-Kernel und der GNU-Compiler sind praktisch verheiratet, das freie Betriebssystem wäre ohne den quelloffenen C-Compiler nicht möglich gewesen. Doch auch andere Mütter haben schöne Töchter, die Firma Sun entwickelt seit den 80er Jahren Werkzeuge für das hauseigenen Unix. Das Sun-Studio-Paket umfasst den kompletten Werkzeugkasten: Compiler, Debugger und Profiler für die Sprachen C, C++ und Fortran, dazu eine grafische Entwicklungsumgebung.
Members only
Im Rahmen seines Sun-Studio-Express-Programms bietet der Hersteller auch einen Ausblick auf künftige Versionen, hier findet sich zurzeit auch die Linux-Ausführung. Zugangsvoraussetzung ist die kostenlose Mitgliedschaft im Sun Developer Network. Für Mitglieder bietet Sun neben kostenloser Software auch Entwicklerforen, Hosting eigener Projekte und so fort.
Der folgende Test basiert auf den Versionen vom Dezember 2006 und Februar 2007. Die Anforderung für die Installation sind moderat: neben einem Linux-Kernel 2.6 nur die Libc in Version 2.3.3 oder neuer. Die IDE und der Installer basieren auf Java, daher ist ein JDK in Version 5 oder 6 notwendig. Für die gesamte Installation sind zirka 700 MByte Plattenplatz zu veranschlagen. Die komplette Software findet sich unter [1] als Tar-Archiv oder RPM-basierter Installer. Das Tar-Archiv enthält drei Verzeichnisse mit den Werkzeugen, Bibliotheken und der Dokumentation einer lauffähigen Installation.
Die Umgebungsvariablen für die Programme und Manual Pages sind von Hand entsprechend der Installation zu erweitern, sonst sind zum Aufruf absolute Pfade erforderlich. Neben den Manpages findet sich unter »/opt/sun/sunstudio0702/sunstudio12/docs« eine umfangreiche Dokumentation als HTML. Wer vor der Installation einen Blick darauf werfen möchte, findet sie ebenfalls auf der Compiler-Homepage.
Brautschau
Die Programme liegen nach der Installation im Verzeichnis »sunstudio12/bin«, über 60 verschiedene Werkzeuge bieten hier ihre Dienste an. Zuerst natürlich die Compiler für C (Standard 1989 und 1999), C++ (Standard 1998) und Fortran (Standard 1977, 1990 und 1995). Dazu kommen noch Debugger und Profiler zur Fehlersuche in diesen drei Sprachen. Zur Fehlervermeidung in Multithreading-Programmen sucht der Thread-Analyzer »tha« im Quelltext nach Race Conditions und Deadlocks. Der Code-Analyzer »lock_lint« ist hingegen noch nicht nach Linux portiert.
Als Build-Werkzeug dient Suns Distributed Make »dmake«, es kann den Übersetzungsvorgang automatisch parallelisieren. Zur besseren Unterscheidung von den GNU Tools tragen alle Werkzeuge die Vorsilbe »sun« im Namen. Der Sun-Compiler ist also mit »suncc« ansprechbar, der GCC wie gehabt mit »cc«.
Neben den Werkzeugen findet sich im Verzeichnis »lib« noch eine Reihe von Bibliotheken. Besonders erwähnenswert sind die OpenMP-Bibliothek [2] zur Programmierung nebenläufiger Programme und die Sun Performance Library. Sie enthält hochperformante Bibliotheksfunktionen für typische Numerikaufgaben, darunter die bekannten Lapack- (Vektorrechnung) und Blas-Routinen [3] (Lösung linearer Gleichungssysteme). Beide Bibliotheken lassen sich mit allen drei Sprachen nutzen.
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