Aktueller Überblick über freie Software und ihre
Macher
Projekteküche
von Carsten Schnober
Erschienen im Linux-Magazin
2007/08
Sowohl Flash als auch Java sind so weit verbreitet, dass niemand auf Dauer ganz um sie herumkommt. Ärgerlich ist allerdings, dass beide Technologien proprietären Lizenzen unterliegen - doch die Community ist schon dabei, Abhilfe zu schaffen.
Das Flash-Plugin gilt als populärste Browser-Erweiterung unter Nutzern aller Betriebssysteme. Über 98 Prozent der Webbrowser haben es zumindest nach Angaben des Flash-Entwicklers Adobe installiert [1]. Einige der beliebtesten Webseiten machen von Flash regen Gebrauch, um Videos, Musik und interaktive Animationen darzustellen - beispielsweise Youtube und Myspace, um nur zwei Shootingstars zu nennen.
GNU + Flash = Gnash
Die blitzartige Verbreitung von Flash zwingt Verfechter freier Software, entweder auf die Angebote zahlreicher Webseiten zu verzichten oder in Sachen Freiheit Kompromisse einzugehen. Das Flash-Plugin ist zwar kostenlos, das Recht zur Verbreitung und den Quellcode behält Adobe aber für sich. Dieser Zustand ist für das GNU-Projekt nicht hinnehmbar, deshalb arbeitet es seit fast zwei Jahren daran, GNU und Flash zusammenzubringen. Das Ergebnis hört auf den Namen Gnash [2].
Es handelt sich bei Gnash allerdings nicht um eine reine Neuentwicklung. Der zugrunde liegende Code stammt von Game SWF [3] von Thatcher Ulrich. Der Entwickler aus Botswana verfolgt mit Game SWF allerdings ein anderes Ziel als Gnash: Er möchte das SWF-Format verwenden, um Spiele ohne viel Aufwand mit einer ansprechenden Oberfläche auszustatten. Game-SWF-Mitentwickler Rob Savoye [4] kam schließlich auf die Idee, auch ein freies Browser-Plugin zu entwickeln. Die in SWF bereits geleistete Arbeit als Basis für Gnash zu nutzen, bot sich an. Beide Projekte befinden sich noch in einem frühen Alphastadium; allerdings ist Gnash nun in einer dritten Ausgabe erschienen, die mit deutlichen Fortschritten aufwartet.
SWF 7 beinahe vollständig
Die Gnash-Version 0.8.0 unterstützt einen Großteil der Funktionen von Version 7 des SWF-Formats und ist bereits in der Lage, die mit Flash dargestellten Videos von Youtube (siehe Abbildung 1) und Lulu.tv darzustellen. Auf diese beiden Seiten hatten die Programmierer bei der Entwicklung der neuen Gnash-Version den Schwerpunkt gelegt.

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Abbildung 1: Der freie Flash-Player Gnash zeigt in der neuen Version Youtube-Videos an. Kleinere Darstellungsfehler in der Kontrollleiste sind noch zu beheben.
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Gnash 0.8.0 funktioniert für eine Alphaversion bemerkenswert gut. Im Kurztest zeigten sich, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, nur kleinere Darstellungsfehler in der Kontrollleiste. Das Vor- und Zurückspulen des Videostreams ist anders als beim Adobe-Flash-Plugin noch nicht möglich. Auch Webcam- oder Mikrofonunterstützung oder Accessibility-Features bietet Gnash nicht.
Für die meisten Benutzer wiegt ein anderes Problem wohl schwerer: Inzwischen hat Adobe das SWF-Format schon bis Version 9 weiterentwickelt. Zwar verwenden viele populäre Webseiten nach wie vor Flash 7, doch werden wohl immer mehr Seiten umsteigen. Wenn Gnash die SWF-Version 9 nicht in absehbarer beherrscht, kann es dem Nischendasein kaum entkommen.
In anderer Hinsicht hat Gnash gegenüber Adobe die Nase vorn. Gnash gibt es nicht nur als Browser-Plugin, zum Projekt gehört auch ein Standalone-Flash-Player (Abbildung 2). Heruntergeladene oder selbst produzierte SWF-Filme und -Animationen lassen sich damit abspielen, ohne sie erst in eine Seite einbetten zu müssen.

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Abbildung 2: Nicht nur als Browser-Plugin, sondern auch als eigenständige Anwendung spielt Gnash Flash-Animationen ab.
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