© Dani Marin, Fotolia
3D-Desktop-Umgebungen
Die Tiefe des Raumes
von Jan Rähm, Peter Kreußel
Erschienen im Linux-Magazin
2007/07
Der 3D-Desktop, waberndes Spielzeug oder spürbare Arbeitserleichterung? Metisse, der jüngste Beitrag zu diesem publikumswirksamen Thema, plädiert mit Entschiedenheit für Letzteres.
Windows Vista buhlt mit grafischen Effekten um die Gunst der Käufer. Doch Linux-Anwender genießen einen ähnlichen Augenschmaus mit Compiz und Beryl schon seit Anfang 2006. Dass OpenGL-Fenstereffekte im Trend sind, demonstriert auch der französische Distributor Mandriva, der Anfang dieses Jahres mit Metisse seine eigene Version eines OpenGL-Desktops beisteuerte.
Während bei Compiz [1] und dessen Fork Beryl [2], der sich Anfang März wieder für einen Zusammenschluss mit dem Mutterprojekt entschieden hat, räumliche Effekte wie der Desktop-Würfel im Vordergrund stehen, behauptet der französische Desktop Metisse [3], gerade kein 3D-Desktop zu sein. In bewusster Absetzung zu den überwiegend dekorativen, aber wenig Nutzen bringenden Grafikeffekten der Mitbewerber schreibt Metisse die Usability groß. Zeit zu fragen, was der Anwender im Alltag eigentlich von einem 3D-Desktop hat.
Technische Hintergründe
Vor AIGLX und XGL hatten Fenstermanager nichts mit 3D-beschleunigter Hardware zu schaffen. Dies war ausschließlich Sache von Programmen wie 3D-Software oder Spielen und fand nur innerhalb des Anwendungsfensters statt. Bei 3D-Desktops setzt die Hardware-beschleunigte 3D-Grafik eine Ebene tiefer an, sodass OpenGL-Effekte wie die Projektion des Desktops auf einen Würfel (Abbildung 5) oder federnde Fenster (Abbildung 8) möglich sind.
Das technische Prinzip ist an sich einfach: Zwischen das Rendering der Fenster und deren Darstellung auf dem Schirm schiebt sich ein Zwischenschritt. Zunächst entsteht für jedes Fenster ein unsichtbares Offscreen-Abbild im Speicher der Grafikkarte. Ein Composite-Manager fügt die einzelnen Fenster dann zum sichtbaren Desktop zusammen. Dieses Compositing nutzt OpenGL, sodass Effekte wie Transparenz oder Deformation Hardware-beschleunigt über die Bühne gehen. Die Anwendungen merken nichts davon, wenn der Composite-Manager ihre Fenster diesen optischen Effekten unterzieht.
Wettbewerb der Großen
Was einfach klingt, ist in der technischen Umsetzung nicht trivial: Es geht letztlich darum, das umfangreiche X-Protokoll in OpenGL-Befehle umzusetzen. Die bereits Ende 2004 von Novell angekündigte, jedoch erst Anfang 2006 als Quellcode vorgestellte Lösung XGL schreibt hierfür den X-Server neu [4]. Der X.org-Xserver läuft zwar auch bei XGL noch im Hintergrund, er bedient allerdings nur noch XGL als einzigen Client. Die Anwendungsprogramme nehmen mit dem XGL-Server Verbindung auf.
Die vom Fedora-Projekt angestoßene alternative Lösung AIGLX setzt anders als XGL, das die Architektur modifiziert, darauf, den bereits bestehenden X-Server Schritt für Schritt mit 3D-beschleunigten Funktionen auszurüsten [5]. AIGLX ist seit der Version 7.1. Bestandteil des Xserver von X.org.
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