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Wizards of OS 4

Lessig lizenziert

von Kristian Kißling
Erschienen im Linux-Magazin 2006/11

Wie man mit und trotz freier Software Geld verdient und wen Lawrence Lessigs Creative-Commons-Lizenz befreit - solche Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Wizards of OS 4.


Abbildung 1: Das Logo der diesjährigen Wizards of OS: Die Konferenz in Berlin beschäftigte sich mit den Auswirkungen freier Software auf die Gesellschaft.


Abbildung 2: Vier Experten sprechen über die Zukunft freier Software. Dabei ging es auch um den Einsatz freier Software in Ländern wie Indien.

Wie viele Entwickler für freie Software gibt es in Indien? Sieben, beantwortete Atul Chitnis seine eigene rhetorische Frage und streckte sieben Finger hoch. Die meisten indischen Entwickler rühren nach der Arbeit keinen Rechner mehr an. Warum das so ist, diskutierten auf dem Podium im Columbia-Club vier Experten (Abbildung 2).

Themen wie dieses waren eher selten auf dem vierten Kongress für freie Software, der vom 14. bis 17. September in Berlin stattfand. Er setzte sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen freier und quelloffener Software auseinander (Abbildung 1). Die meisten Vorträge widmeten sich der Frage, wie man mit oder trotz freier Software Geld verdient.

So berichteten in der zweiten Etage der Halle Vertreter von OS-Alliance über ihre Erfahrungen mit der Genossenschaft als Geschäftsform. Dabei kaufen sich Mitglieder über Anteile in ein Kollektiv ein und teilen sich dann in einem Netzwerk die Arbeit. Je größer die Aufträge, desto mehr Genossenschaftler arbeiten mit.

Hans-Jürgen Schaffland vom Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV) erläuterte die Nachteile und Vorzüge dieses Rechtsmodells, das vor kurzem überarbeitet wurde. Er verwies auch auf die wenigen Pleiten und die Vorteile gegenüber GmbHs.

Freie Kultur

In einer anderen Veranstaltung berichtete ein Betreiber der Musikplattform Magnatune über kommerzielle Erfolge beim Vertrieb freier Musik. Dank der Creative-Commons-Lizenz müssen Privatnutzer die Musikstücke nicht bezahlen: Geld fließt erst bei kommerzieller Nutzung.

Der Erfinder der Creative-Commons-Lizenz Lawrence Lessig gehörte zu den Stars der WOS und lieferte als Keynote eine gut choreografierte Video-Performance mit witzigen Kurzfilmen aus dem Internet. Sie dienten ihm als Anschauungsmaterial für die kreative Nutzung immaterieller Kulturgüter und ihre Kriminalisierung. Im schwarzen Anzug und mit einem Headset predigte Lessig seine Theorie freier Kultur und rief zum Kampf gegen DRM und restriktives Copyright auf. Sein Gestus erinnerte an Michael Moore, was das Vergnügen des Publikums aber nicht schmälerte.

Wikipedia-Fork

Aufmerksamkeit erregte die Ankündigung des Wikipedia-Mitbegründers Larry Sanger, einen Ableger namens "Citizendium" (von Citizens Compendium) zu gründen. Der kleine Mann mit Hornbrille genoss sichtlich das Medieninteresse, als er wenig später vor den Kameras auf dem Hof Interviews gab. Er warf Wikipedia "Amateurhaftigkeit" vor und will die Beiträge in seinem Fork streng wissenschaftlich redigieren, die Anonymität beschneiden und notfalls Zugänge sperren.

Der Linguistik-Professor und Wikipedia-Vertreter Martin Haase kritisierte dieses Konzept. Er verwies auf laufende Bemühungen zur Steigerung der Qualität in Wikipedia und verwies zugleich auf den hohen Bildungsgrad vieler Wikipedia-Autoren.

Trotz illustrer Gäste und eines guten Veranstaltungsorts blieb der große Ansturm auf den WOS aus. Es fiel auf, dass die technischen Vorträge meist enttäuschten, während die Beiträge zu Copyright, Vermarktung und freier Kultur beim anwesenden Publikum gut ankamen.

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