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Oscon 2006 in Portland, Oregon

Preise, Patente, Perl

von Michael Schilli
Erschienen im Linux-Magazin 2006/10

Die Konferenz Oscon ging mit einem Besucherrekord in ihr achtes Jahr. Neben Skriptsprachen, Datenbanken und Web-Themen prägten rechtliche und politische Aspekte freier Software das Programm.


Open Source im Oregon Convention Center: FSF-Vorstandsmitglied und Rechtsprofessor Eben Moglen prangerte Patente als Hindernis für den Fortschritt an (Mitte). Perl-Erfinder Larry Wall (rechts) machte in seinem Vortrag zum Zeitplan für Perl 6 nur vage Andeutungen.

Die jährlich stattfindende Open-Source-Tagung Oscon in Portland im US-Bundesstaat Oregon verbuchte auch 2006 steigende Besucherzahlen: Rund 2700 Interessierte besuchten zwischen dem 24. und 28. Juli die vom O\'Reilly-Verlag organisierten Tutorials und Konferenz-Sessions samt begleitender Ausstellung.

Obsolete Lizenzen

Die Sitzungen beschäftigten sich mit Skriptsprachen wie Perl und Python, Datenbanken wie MySQL und PostgreSQL sowie Ajax/Javascript. Daneben ging es um die rechtliche Seite freier Software: Verleger und Veranstalter Tim O\'Reilly sorgte mit seiner Keynote für Aufregung, als er behauptete, alle derzeitigen Open-Source-Lizenzen seien obsolet. Sie genügten den modernen Anforderungen nicht mehr.

Das traditionelle Distributionsmodell von Open-Source-Code würde in der Web-2.0-Welt durch ein Kontributionsmodell abgelöst: Diese Datenanreicherung bei verschiedenen Service-Anbietern wie Bookmarklisten oder Fotosammlungen sei ungemein wertvoll - Regelungen, die sicherstellen, dass diese Daten der Community gehören, fehlten jedoch gänzlich.

Perl-Gerüchteküche

Die Gerüchteküche um Perl 6 begann nach einigen ereignislosen Jahren wieder zu brodeln. Perl-Erfinder Larry Wall ließ in seinem Vortrag nebulös anklingen, dass Ende 2006 etwas Verwendbares zu erwarten sei.

Die neue Virtual Machine Parrot mache gute Fortschritte und auch der Perl-6-Compiler werde mit unterschiedlichen Implementierungen vorangetrieben. Die Aussicht, zehntausende von Perl-5-Modulen aus dem CPAN mittels Parrot für andere Skriptsprachen wie Ruby, Python oder Tcl verwendbar zu machen, scheint die Entwicklergemeinde gut zu motivieren.

Daneben nutzten die Veranstalter die Konferenz, um die "Google-O\'Reilly Open Source Awards" zu verleihen. Die Auszeichnungen gingen nicht nur an herausragende Software-Entwickler wie Peter Lundblad von Subversion und Julian Seward, den Autor des CPU-Simulators Valgrind. Auch der Firefox-Aktivist Gervase Markham und Cliff Schmid, der bei der Apache Software Foundation für Rechtsfragen zuständig ist, erhielten Preise.

Die Perl-Community vergab mit den "White Camel Awards" eigene Auszeichnungen. Sie gingen an den Perl-Podcaster Josh McAdams, Jay Hannah von den Perl Mongers und die Perl-Ikone Randal Schwartz.

Das Schlusswort hatte Rechtsprofessor Eben Moglen, enger Mitarbeiter von Richard Stallman und Mitglied im FSF-Vorstand. Für seine abschließende Keynote über die entwicklungshemmenden Wirkungen einer verfehlten Patentgesetzgebung erntete er stehende Ovationen.

Laut Moglen beruht das US-Patentrecht auf der Vorstellung, dass zwei Entwickler nicht unabhängig voneinander die gleiche Idee haben könnten - seiner Meinung nach ist dies absurd. Das Verfahren, den Erfolg einer Idee 20 Jahre lang zu schützen, lähme zudem den technischen Fortschritt und müsse schleunigst korrigiert werden, erklärte der Jurist.

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