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© photocase.com

Suns Java-Entwicklungsumgebung Netbeans

Here comes the sun

von Bernhard Bablok
Erschienen im Linux-Magazin 2006/09

Während der Konkurrent Eclipse das Licht öffentlicher Aufmerksamkeit genießt, muss sich die Java-Entwicklungsumgebung Netbeans mit der Strahlkraft des Namens Sun begnügen. Was zählt, ist das Ergebnis.

In den Anfangszeiten von Java waren die Entwickler weitgehend auf sich gestellt. Zum Kompilieren und Debuggen gab es nur Kommandozeilen-Tools, den Editor musste sie selbst beisteuern. Eine Emacs-Erweiterung [1] nahm dem Programmierer zwar einige Arbeit ab, aber es ist nicht jedermanns Sache, Emacs zu konfigurieren.

Zunächst versuchten kommerzielle Anbieter die Lücke zu füllen, ob IBM mit dem Visual Age for Java, Borland mit JBuilder oder Oracle mit JDeveloper. Diese Closed-Source-IDEs, von denen es nicht mal freie Testversionen gab, setzten praktisch nur Firmen ein.

1999 erkannte Sun, dass sich der Mangel an Entwicklungswerkzeugen negativ auf die Benutzerzahlen von Java auswirkt. Deshalb kaufte die Firma die Produkte Forte und Netbeans Developer X2 ein. Doch der Versuch, die beiden Produkte zusammenzuführen und kommerziell zu vermarkten, scheiterte.

Daraufhin brachte Sun be-reits im Jahr 2000 die integrierte Entwicklungsumgebung Netbeans [2] auf den Markt, und zwar unter der Sun Public License (SPL). Bei ihr handelt es sich um eine als freie Lizenz anerkannte Variante der Mozilla-Lizenz. Die Netbeans-Website stellt sogar zwei Diff-Dokumente zur Verfügung, ein echtes Diff für Programmierer und eines für Rechtsanwälte.

Eclipse, die Netbeans-Alternative, war erst ein Jahr später so weit, erfreute sich aber einer größeren öffentlichen Aufmerksamkeit. Dass IBM die Quellcode-Basis ihres Websphere Application Developer in Eclipse einbrachte, brachte ordentlich Bewegung in den Markt. Eine aktive Community formierte sich, entwickelte die IDE weiter und erweiterte sie mit Plugins. Die Bedeutung von Eclipse macht sich zum Beispiel in den großen Entwicklerkonferenzen zu diesem Thema bemerkbar.

Download und Installation

Die Netbeans-Homepage bietet mehrere Netbeans-Pakete an, neben der stabilen Standardversion 5 und der Beta-Ausgabe von 5.5 ein Webentwickler-Paket, Entwicklerausgaben künftiger Versionen und Bundles mit dem Java Development Kit. Die kleinste Version erfordert 58 MByte Download und nimmt nach dem Entpacken mit 123 MByte ungefähr so viel Platz wie eine aktuelle Eclipse-Version in Anspruch.

Die Quickstart-Tour und der Users Guide helfen beim Einstieg. Außerdem erweitern derzeit 53 stabile Module analog zu den Eclipse-Plugins die Möglichkeiten des Programms. Sie reichen von den typischen Java-Entwicklungstools bis zu C++- und Fortran-Unterstützung. Die Java-Version von Installshield erledigt die Netbeans-Installation (siehe Abbildung 1). Dieses von Windows bekannte Installationsverfahren funktioniert zwar einfach, geht aber am Linux-Paketmanagement vorbei.


Abbildung 1: Die Java-Version von Installshield erledigt die Installation, allerdings am Paketmanagement der Distribution vorbei.

Architektur

Netbeans verwendet ausschließlich Java, ist also nicht wie Eclipse auf ein natives Toolkit angewiesen. Das verhindert Probleme mit Abhängigkeiten und bei der Installation, andererseits sieht die Netbeans-IDE dadurch aber etwas altmodisch aus (Abbildung 3). Ansonsten ähnelt die Bedienoberfläche der von Eclipse. Mehrere Fenster teilen sich die verfügbare Anwendungsfläche und lassen sich darin beliebig verschieben und übereinander stapeln.

Unter der Haube organisiert Netbeans seine Funktionalität in Modulen. Sie lassen sich im Module Center deaktivieren, um die Startzeit zu verkürzen und den Speicherbedarf zu reduzieren. Über das Update Center konfiguriert man Online-Updates und installiert manuell heruntergeladene Module (Abbildung 2).

Netbeans enthält einen eingebauten Tomcat-Server mit, der über die Runtime-Seite administrierbar ist. Wer J2EE-Anwendungen entwickeln will, die über Servlets und Webservices hinausgehen, installiert entweder den Applikationsserver von Sun oder eine Alternative wie JBoss und registriert sie bei Netbeans. Die Dokumentation dazu ist ausführlich und kontextsensitiv abrufbar.


Abbildung 2: Das Update Center aktualisiert das Programm automatisch und richtet manuell installierte Zusatzmodule ein.


Abbildung 3: Netbeans verwendet ausschließlich Java und deren GUI-Toolkits - was es im Vergleich zu Qt- oder GTK-basierten Programmen etwas altmodisch aussehen lässt.

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