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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Carsten Schnober
Erschienen im Linux-Magazin 2006/07

Der Democracy Player macht Filmemacher unabhängig von großen Studios und die Zuschauer stellen sich ihr Fernsehprogramm selbst zusammen. Gshare ermöglicht den Dateientausch in Linux-LANs so bequem wie unter Windows oder Mac und kooperiert mit diesen Systemen. Zum Nachtisch gibt's Zabaglione.

Das Massenmedium Fernsehen hat seinen enormen Verbreitungsgrad auch deshalb erreicht, weil es keine Ansprüche an seine Benutzer stellt. Einen Fernseher einschalten überfordert keinen Zuschauer, selbst wenn er mit Technik auf dem Kriegsfuß steht. Ein Fernsehprogramm selbst auszustrahlen liegt dagegen weit außerhalb der technischen, finanziellen und legalen Möglichkeiten von Privatpersonen, das Medium ist also absolut hierarchisch.

Anteilnahme

Angesichts des gewichtigen Beitrags zur Meinungsbildung ist die einseitige Kontrolle über das Fernsehprogramm kein Glanzlicht demokratischer Kultur. Doch das Internet bietet in Zeiten von Breitbandanschlüssen auch Privatpersonen und kleinen Organisationen die Möglichkeit, Inhalte zu verbreiten.

Zu diesem Zweck entwickelt die gemeinnützige Organisation Participatory Culture Foundation (Stiftung für teilnehmende Kultur, [1]) aus Worcester im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts eine Programmsammlung namens Democracy Internet TV Platform [2]. Sie ermöglicht auch Laien das Herunterladen, Abspielen und Verbreiten selbst gedrehter Videoclips. Unabhängige Kamerakünstler und Journalisten brauchen keinen TV-Sender mehr zu suchen, der ihre Beiträge ausstrahlt; stattdessen nutzen sie das Netz, um sie allen Interessierten zur Verfügung zu stellen.

Die Sammlung besteht aus vier Komponenten: Wer Sendungen anschauen möchte, verwendet den Democracy Player, der aus einem Abspielprogramm und einem Channel Guide besteht (Abbildung 1). Letzterer verschafft Überblick über die derzeit über 300 angebotenen Programme, die wie Podcasts funktionieren: Per RSS holt der Channel Guide eine Liste der Sendungen und wählt jene aus, die der User sehen möchte.


Abbildung 1: Der Democracy Player bringt die breite Masse ins Fernsehen. Wer etwas zu sagen hat, speist eigene Videos ein. Interessierte durchstöbern mit dem Channel Guide das Angebot von über 300 Kanälen.

Der Download der Videodatei startet daraufhin im Hintergrund. Er läuft nicht über einen zentralen Server, sondern verwendet das Bittorrent-Protokoll: Jeder Benutzer, der eine Datei herunterlädt, gibt die bereits empfangenen Teile an andere Interessierte weiter und stellt damit einen Teil seiner Upload-Kapazität zur Verfügung. Auch nach dem Download steht die Datei anderen Benutzern weiterhin zur Verfügung, die Bandbreite für Uploads lässt sich aber einschränken. Nachdem der Benutzer ein Video betrachtet hat, bewahrt der Democracy Player es ohne anders lautende Instruktionen fünf Tage lang auf und löscht es nach Ablauf dieser Frist.

Bomben legen

Darüber hinaus bietet der Player eine Schnittstelle zu einer weiteren Komponente der Democracy-TV-Plattform: Video Bomb [3]. Dabei handelt es sich um eine typische Anwendung der Kategorie Social Software. Wer ein Video für besonders gut befindet, klickt im Democracy Player auf das Bomben-Symbol, das die Empfehlung an den Webservice von Video Bomb überträgt.

Dort entsteht auf diese Weise eine Liste der beliebtesten Clips. Die Seite führt neben der Popularitätsskala auch ein Tagging-System. Die registrierten Benutzer haben das Recht, einzelne Videos mit einem oder mehreren Tags, also beschreibenden Schlagwörtern zu versehen. Das hilft allen Benutzern beim themenbezogenen Stöbern. Über mit mehreren Tags gekennzeichnete Filmbeiträge entstehen außerdem interessante Querverbindungen zu anderen Bereichen.

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