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© photocase.com

Bitparade: Screencast-Programme

Desktop-Recorder

von Oliver Frommel
Erschienen im Linux-Magazin 2006/07

Screenshots geben nur einen statischen Eindruck von laufenden Programmen. Vom Desktop aufgenommene Filmsequenzen zeigen die Software dagegen in Aktion. Die Bitparade stellt die wichtigsten Programme dafür vor und vergleicht ihre Features.

Mit Screenshots allein ist es nicht mehr getan: Auch Open-Source-Projekte betreiben heute Marketing, um Anwender und Mit-Programmierer anzulocken, da ist eine Screenshot-Galerie schon obligatorisch. Viele gehen einen Schritt weiter und bieten kurze Filme an, so genannte Screencasts. Solche Softwarefilme eignen sich auch, um in Webtutorials die Programmbedienung zu erklären.

Es gibt eine Reihe Programme, mit denen der Anwender leicht eigene Screencasts anfertigen kann. Speziell aus dem Gnome-Lager, das modischen Neuerungen immer aufgeschlossen gegenübersteht, stammen einige der aktuellen Kandidaten. Dieser Artikel nimmt die meistverbreitete Software unter die Lupe.

Istanbul

Eines der jüngeren Programme, von dem viele Gnome-Projekte Gebrauch machten, heißt Istanbul [1]. Der ungewöhnliche Name ist laut Entwickler Zaheer Abbas Merali eine Reverenz an den Gewinn der Champions League des FC Liverpool in Istanbul. Das Tool gibt den aufgenommenen Film im Ogg-Theora-Format aus, einem patentfreien Video-Codec.

Wer Gnome 2.12 benutzt, wird bei der Installation am wenigsten Probleme haben. Istanbul setzt nämlich Gstreamer in Version 0.8.10 voraus - Gnome 2.14 etwa bringt Gstreamer 0.10 mit, das nicht rückwärts kompatibel ist. Außerdem benötigt Istanbul Python-GTK 2.6, weil es in Python geschrieben ist. In Ubuntu 5.10 ließ sich Istanbul direkt aus dem Repository installieren. Doch musste im Skript »istanbul« die Zeile »pygtk.require(\'2.0\')« entfernt werden.

Unter Gnome und KDE taucht nach dem Starten ein runder roter Record-Knopf im Panel auf. In KDE war das Istanbul-Menü wegen eines Darstellungsfehlers allerdings nicht benutzbar - als Workaround hilft es, das KDE-Panel am oberen Bildrand anzubringen. Im Menü kann der Anwender die Bildgröße und die Framerate einstellen. Als besonderes Feature lässt sich dort festlegen, dass der aufgenommene Film direkt an einen Icecast-Server gestreamt wird. Wenn Istanbul zu langsam ist, beispielsweise auf älteren Rechnern, kann man über das Menü einstellen, dass es nur Einzelbilder aufnimmt und erst nach der Aufnahme ein Video encodet (Abbildung 1).


Abbildung 1: Istanbul erlaubt das Aufzeichnen von Einzelbildern, die es später in Videos umwandelt.

Byzanz

Der Name Byzanz [2] lässt eine Verwandtschaft vermuten: Es ist der frühere Name der Stadt Istanbul. Und tatsächlich basiert Byzanz zum Teil auf Istanbul-Code. Es erzeugt aber statt eines Theora-Videos ein animiertes Gif, das man sich ohne spezielle Codecs oder Plugins in jedem Webbrowser ansehen kann.

Byzanz lässt sich recht leicht kompilieren, setzt aber einen so genannten Compositing-Manager voraus, beispielsweise Xcompmgr oder einen der OpenGL-Compositing-Manager von XGL oder AIGLX. Hinweise dazu geben die entsprechenden Artikel im Linux-Magazin [3].

Im Test hat sich das Programm nicht bewährt. Es erzeugte zwar irgendwann ein animiertes Gif, auf dem der aufgenommene Bildschirm zu erkennen war, das Video war aber durchgehend rot eingefärbt. Da sich Byzanz wie auch XGL und AIGLX noch am Anfang der Entwicklung befinden, ist das Programm eher eine Option für die Zukunft.

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