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Software für Blinde

Blinde Benutzer ertasten die Ausgaben des Rechners über ein Gerät, das sie mittels beweglicher Stifte in Blindenschrift ausgibt [7], die so genannte Braillezeile (Abbildung 4). Daneben setzen sie Text-to-Speech-Systeme (TTS) ein, um sich Menüs und Dokumente vorlesen zu lassen. Die Übersetzung sichtbarer Inhalte in Braille oder Sprache übernimmt ein Spezialprogramm, der Screenreader. Das funktioniert nicht nur auf einer reinen Textkonsole, sondern auch bei grafischen Benutzeroberflächen. Für Gnome existiert bereits der freie Screenreader Gnopernicus [8]. Die Bibliothek GTK+ besitzt eine Accessibility-Schnittstelle, über die Gnome-Programme dem Screenreader die benötigten Informationen zur Verfügung stellen können - leider nutzen nicht alle Anwendungsentwickler diese Möglichkeit.


Abbildung 4: Blinde ertasten die Ausgaben des Computers auf einer Braillezeile. Dazu sind ein Braille-Treiber sowie ein Screenreader wie Gnopernicus erforderlich.

Screenreader-Installation

Für den Gnopernicus-Test kam die Distribution Ubuntu Dapper Drake zum Einsatz. Zur Installation von Version 1.0.4 des Screenreaders genügte »apt-get install gnopernicus«. Da die mitgelieferte freie Sprachausgabe Festival [9] über keine deutsche Stimme verfügt, tauschte das Team das Paket gegen die Linux-Version von IBMs kommerzieller Software Viavoice aus. Den Braillezeilen-Treiber von Gnopernicus ersetzten sie durch BRLTTY [10], das eine größere Anzahl von Geräten unterstützt.

Sebastian Andres und Henning Oschwald konnten problemlos per Tastatur und Braille-Ausgabe im Texteditor Gedit arbeiten und eine CD aus dem Filemanager Nautilus heraus brennen. Evolution und der grafische Paketmanager dagegen blieben nicht benutzbar. Außerdem beherrscht die Sprachausgabe keine deutschen Umlaute - statt ä oder ü gab die Computerstimme einen Wust anderer Sonderzeichen von sich. Teilweise blieb sie auch komplett sprachlos. Die blinden Benutzer wussten den Fehler nicht zu deuten und konnten sich nur mit einem Reboot behelfen. Sebastians Fazit: "Man merkt, dass die Entwicklung Fortschritte macht. Für den Alltag oder gar das Berufsleben würde ich das aber noch nicht verwenden."

Auf einen Test von Open Office mussten die Blinden ganz verzichten: Sie scheiterten bereits an der Installation der benötigten Java Access Bridge [11], die sie wegen unauflösbarer Abhängigkeiten nicht kompilieren konnten. Das gute Zusammenspiel von Microsoft Word mit kommerziellen Screenreadern dagegen ist einer der Gründe, warum Sebastian außer Linux auch Windows benutzt. Daneben lobt er aber das freie Betriebssystem: "Linux kann ein Blinder selbst installieren - Windows nicht."

Der Workshop hat es gezeigt: Auf dem Weg zu einem benutzbaren Linux-System für den sehbehinderten oder blinden Normalanwender gibt es noch viele Hindernisse zu überwinden. Die Linaccess-Tester sind untypische Benutzer: Sie studieren Informatik, bringen technisches Verständnis und Geduld mit. Außerdem beschäftigen sich schon seit Jahren mit den eingesetzten Programmen.

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