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Bitparade: X-Terminals im Vergleich

Terminal-Check

von Marcel Hilzinger
Erschienen im Linux-Magazin 2006/06

Das Terminal-Fenster ist vermutlich das am meisten benutzte Linux-Programm überhaupt. Grund genug, die einzelnen X-Terminals genauer zu betrachten und das beste zu suchen.

Die Bitparade stellt jeden Monat eine Gruppe ähnlicher Anwendungen vor und kürt das beste Programm zum Sieger. In diesem Monat vergleicht das Linux-Magazin die Terminal-Programme »aterm«, »gome-terminal«, »konsole«, »mlterm«, »urxvt«, »wterm« und »xterm« in puncto Performance und Feature-Auswahl.

Traditionell

Das Xterm gehört zu den meistbenutzten und ältesten Terminal-Programmen, war es doch lange Zeit Bestandteil der grafischen Oberfläche X11. Das Alter erkennt man auch am Aussehen des Programms: Eine minimalistische Oberfläche und ein Scrollbalken, der sich nur über Klicks mit der linken oder rechten Maustaste bedienen lässt.

Dennoch bietet »xterm« einige Funktionen, die ein erster Blick nicht vermuten lässt. So zeigt [Strg], mit einer der drei Maustasten kombiniert, detaillierte Menüs an, um zum Beispiel Fontgröße, Cursor und Scrollbalken einzurichten oder bestimmte Signale an das Terminal zu senden. Die beiden Zeilen

.xterm.vt100.faceName: Nimbus Sans Mono
.xtern.vt100.faceSize: 10

in der Datei »Ëœ/.Xresources« bewegen das Terminal nach erneutem Einloggen dazu, Text mit Kantenglättung anzuzeigen. Die Ausgabe verlangsamt sich jedoch dadurch sehr stark. So benötigt das Xterm für die Ausgabe der 280 KByte großen Testdatei mittels »cat«-Befehl bei Antialiasing 14 Sekunden. Xterm unterstützt zwar farbige Schriften und Hintergründe, aber keine Transparenz oder Hintergrundbilder.

Ähnlich puritanisch gibt sich der Unicode-Nachfolger von »rxvt«, das Rxvt-Unicode. Das Programm befindet sich noch in aktiver Entwicklung und vertritt deshalb in diesem Vergleich das traditionelle Rxvt. Als Besonderheit unterstützt »urxvt« mit der Option »-pe tabbed« auch Reiter. Möglich macht dies eine Perl-Erweiterung. Allerdings fällt Rxvt-Unicode mit einem Binary von über 3 MByte nicht mehr in die Kategorie der Leichtgewicht-Terminals (das Original-Rxvt-Binary ist lediglich 128 KByte groß).

In den Ausgabe-Tests gehört Rxvt-Unicode zu den schnellsten Terminals, aber nur solange es kein Antialiasing benutzt. Mit Kantenglättung über den Befehl

urxvt -fn "xft:Nimbus Sans:pixelsize=15"

benötigt es für die Ausgabe der Testdatei am Bildschirm sechs Sekunden. In der Grundeinstellung liefert »urxvt« auch keine farbige Ausgabe. Ein entsprechender Eintrag in der Datei »/etc/DIR_COLORS« behebt aber dieses Problem.

Good looking

Zwei schlanke Terminals bringen die Fenstermanager Afterstep und Windowmaker mit: Das »wterm«-Binary ist mit 84 KByte mit Abstand die kleinste Konsole im Testfeld, auch das Afterstep-Terminal »aterm« liegt mit 106 KByte deutlich unter dem Durchschnitt. Im Gegensatz zum KDE- oder Gnome-Terminal starten Aterm und Wterm innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Die beiden Terminals sind bei Systemadministratoren und Usern in erster Linie wegen ihres pseudotransparenten Aussehens beliebt. Außer diesem nicht zu vernachlässigenden Feature sieht es mit dem Können der beiden aber nicht allzu gut aus: Weder unterstützen sie Antialiasing noch den UTF-8-Zeichensatz.

Die Konfiguration von Wterm ist unter Windowmaker mit dem Startparameter »-wm« möglich, sonst ausschließlich per Kommandozeile. Das Aterm wertet die Konfigurationsdateien »Ëœ/.Xresources« und »Ëœ/.Xdefaults« aus. Laut Manpage verfügt es auch über eine zentrale Konfigurationsdatei.

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