Open Source im professionellen Einsatz

Newsletter abonnieren
Seite durchsuchen

HEFTARCHIV | NEWS | E-BIBLIOTHEK | VIDEO | BLOGS | WHITEPAPER | EVENTS | ACADEMY | ABO | SHOP

user friendly

  Home  »  Heft & Abo  »  Heftarchiv  »  2006  »  06  »  Projekteküche  

RSS-Feed der aktuellen News von Linux-Magazin Online Folgen Sie Linux-Magazin Online auf Twitter
Diesen Artikel druckenDiesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel kommentieren Newsletter abonnieren
Share/Bookmark

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Carsten Schnober, Andrea Müller
Erschienen im Linux-Magazin 2006/06

Die Sourceforge-Gemeinde hat gewählt: Hunderttausende eingetragene Benutzer kürten die beliebtesten Projekte aus 14 Kategorien. Außerdem wird Linux elektrifiziert und Freenet will für die totale Meinungsfreiheit im Netz sorgen. Zu essen gibt's Lammsteak mit Bratkartoffeln und Bohnen.

Die Community hat gewählt - zumindest die mehr als eine Million bei Sourceforge.net registrierten Programmierer. Die Verwalter des größten Hosters freier Softwareprojekte hatten zu dieser Abstimmung aufgerufen. Dabei ging es weder um Posten noch um Preise, sondern lediglich darum, die beliebtesten Sourceforge-Projekte aus insgesamt 14 Kategorien zu küren.

Die Organisatoren stellten der Sourceforge-Bevölkerung die 40 aktivsten Projekte zur Wahl. Beim Festlegen dieser Auswahl kamen die Anzahl der CVS-Uploads, Releases, Administrator-Logins und Webseiten-Besucher sowie das Aufkommen im Forum und auf den Mailinglisten zur Geltung.

Sourceforge-Awards

Bei den beiden Gewinnern Azureus [1] (siehe Abbildung 1) und Emule [2] handelt es sich um plattformunabhängige Filesharing-Clients. Auf dem dritten Platz findet sich mit 7-Zip [3] ein freies Archivierungstool nur für den Windows-Desktop. Die Sourceforge-Gemeinde, zumindest die 250000 Wahlteilnehmer, misst freier Software also auch für das am weitesten verbreitete Desktop-Betriebssystem große Bedeutung zu: Die meisten Sieger in den einzelnen Kategorien laufen auch oder sogar ausschließlich unter Windows.


Abbildung 1: And the winner is: Azureus! Den plattformunabhängigen Bittorrent-Client wählten die Sourceforge-Benutzer zum beliebtesten Programm.

Den umgekehrten Rückschluss auf die Popularität in der breiten Masse der Benutzer dieser Plattform lässt die Sourceforge-Abstimmung zwar nicht zu, sie weist aber darauf hin, dass zumindest die Open-Source-Entwickler zunehmend auch Windows und Mac OS X als Plattformen entdecken. Vor einigen Jahren schrieben die meisten freien Programmierer aus technischen und politischen Gründen ihre Software noch ausschließlich für freie Betriebssysteme.

Für das gute Abschneiden von Filesharing-Clients hätten Vertreter einiger Firmen und Industrieverbände wohl eine Erklärung parat: Es sei ein Indiz dafür, dass sich die Open-Source-Szene aus Raubkopierern zusammensetzt. Realistischer erklärt sich das Ergebnis wohl dadurch, dass immer mehr freie Projekte auf Bittorrent und andere Filesharing-Dienste setzen, um ihre Software zu verteilen, ohne die Bandbreite des eigenen Servers übermäßig zu belasten.

Weitere Gewinner sind die Zimbra Collaboration Suite, der Windows-FTP-Client und -Server Filezilla, Bittorrent Queue Manager, PHP-Paypal-API, Win SCP, PHP Myadmin (in den Kategorien Datenbanken sowie Systemadministration), Xbox Media Center (Spiele und Multimedia), Wine für Darwin und Mac OS X, Linux für die Microsoft Xbox, der Asterisk GUI-Client und der Instant Messenger Gaim. Alle Abstimmungsergebnisse sind unter [4] zu finden.

Elektra

Ein Linux-System und seine Anwendungen zu konfigurieren ist für reine Desktop-Benutzer und Einsteiger oft schwer. Zwar bemühen sich die grafischen Programme und Desktop-Umgebungen um Beistand, aber doppelte und sich manchmal widersprechende Menüs führen zu Verwirrung und Fehlbedienungen.

Erfahrene Anwender und Admins wissen zwar, wo sie in ihrer Distribution die Einstellungen zu ändern haben. Beim Umstieg auf eine andere Distribution raubt es aber selbst ihnen Zeit und Nerven, sich in die - nicht immer einleuchtenden - Unterschiede einarbeiten zu müssen. Die Lösung liegt in einer einheitlichen Konfiguration, von Sysinit über die »xorg.conf« und die Desktop-Umgebungen bis zu den einzelnen Desktop-Programmen - wenigstens nach dem Willen des Elektra-Projekts [5].

Als Vorbilder dienen die Windows-Registry und das Gnome-Projekt Gconf. Sie verwalten an zentraler Stelle die Konfigurationsoptionen ihres Betriebssystems beziehungsweise Desktops und erlauben somit den Zugriff zumindest über eine einheitliche Benutzeroberfläche.

Elektra verwendet eine XML-Datei, die in Form von Schlüsseln und zugeordneten Werten Konfigurationselemente beliebiger Art enthält. Sie lässt sich über das Kommandozeilenwerkzeug KDB, das grafische Frontend KDB Edit (Abbildung 2), per Texteditor oder dank des Elektra-API direkt über weitere entsprechend ausgerüstete Anwendungen einsehen und verändern.


Abbildung 2: Elektra soll die Konfiguration von Linux-Systemen vereinheitlichen. Die zentrale XML-Datei ist mit dem Texteditor, dem Kommandozeilenwerkzeug KDB oder dem grafischen Frontend KDB Edit zu bearbeiten.

Eine "Elektrifizierung" von Linux und seiner Anwendungen entbände Distributoren von der Aufgabe, grafische Werkzeuge zur Systemkonfiguration zu entwickeln, und die Admins davon, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Elektra-Patches für X.org und Sysvinit liegen bereits vor, ebenso wie RPM-Pakete für Mandriva, Red Hat Enterprise Linux, Centos und Fedora. In Zukunft wollen die Entwickler außerdem wichtige Applikationen wie Samba oder Gnome und KDE über Gconf beziehungsweise Kconfig XT nachrüsten.

Programmierer aller Anwendungen rufen sie dazu auf, mit Hilfe der Elektra-Schnittstelle ebenfalls zur Vereinheitlichung des Konfigurationsdschungels beizutragen. Ähnliche Konzepte scheiterten in der Vergangenheit daran, dass sie mangels ausreichend großer Verbreitung das Chaos eher noch verstärkten.

Diesen Artikel druckenDiesen Artikel weiterempfehlen Diesen Artikel kommentieren Newsletter abonnieren
Share/Bookmark
Ähnliche Artikel
Web-Stuhl HTML-Editoren im Test
Umzug ins Freie Erfolgreiche Migration auf Linux beim Bund
Tooltipps Werkzeuge im Kurztest
Quasselstrippen Sechs Linux-VoIP-Clients im Vergleich
Die Arbeit machen andere Nach Kundenwunsch vorkonfigurierte Firewall-Appliance
Überall Linux Architekturen eingebetteter Linux-Systeme - eine Einführung
Whitepaper
Daten Migration - Eine Publikation von Bloor Research

Datenmigrationsprojekte überschreiten häufig das Budget, neigen zu Verzögerung und werden unter Umständen komplett abgebrochen. Bloor Research ist eines der weltweit führenden IT-Forschungs-, Analyse- und Beratungsunternehmen und wird in dem vorliegenden White Paper die wichtigsten Aspekte dieser Problematik näher beleuchten. Ferner werden praktische Empfehlungen für erfolgreiche Migrationsprojekte gegeben, die Sie auf Ihr nächstes Projekt übertragen können.

Download PDF (Registrierung erforderlich)
Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele

Über die letzten Jahre hinweg haben sich Open Source Lösungen als fester Bestandteil des gesamten Datenintegrationsmarktes etabliert. Viele Unternehmen haben bereits das Open Source Modell für Ihre Datenintegrationsprojekte aufgegriffen. Das vorliegende White Paper illustriert anhand ausgewählter Fallstudien und Anwendungsbeispiele die Implementierung von Open Source Datenintegration in der Praxis und benennt die daraus resultierenden Vorteile.

Download PDF (Registrierung erforderlich)
Kommentare (0)