Suche im MIB-Wald
Nach dem Start mit der überarbeiteten Konfigurationsdatei (»snmpd -c /etc/snmpd.conf«) wartet der Agent auf Anfragen. Am einfachsten geht das mit »snmpwalk«, das Tool ruft einen Ast des MIB-Baums ab. Es beginnt am angegebenen Punkt, fragt den Agenten mit »GetRequest« nach dem Wert und hangelt sich anschließend per »GetNextRequest«-Abfragen durch den Baum, bis es keine weiteren Werte in diesem Teil gibt. Interessant ist zum Beispiel die System-MIB; die Ausgabe des Aufrufs »snmpwalk -v1 -c public localhost .system« ist in Listing 2 zu sehen.
01 SNMPv2-MIB::sysDescr.0 = STRING: Linux notebook 2.6.5-7.111.5-default #1 Wed Nov 17 11:08:17
02 SNMPv2-MIB::sysObjectID.0 = OID: NET-SNMP-MIB::netSnmpAgentOIDs.10
03 DISMAN-EVENT-MIB::sysUpTimeInstance = Timeticks: (1137) 0:00:11.37
04 SNMPv2-MIB::sysContact.0 = STRING: Me <me@somewhere.org>
05 SNMPv2-MIB::sysName.0 = STRING: notebook
06 SNMPv2-MIB::sysLocation.0 = STRING: Right here, right now.
07 SNMPv2-MIB::sysORLastChange.0 = Timeticks: (2) 0:00:00.02
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Die Informationen zum Kernel in »sysDescr« besorgt der Agent selbst; den Standort und den Systemverantwortlichen »sysContact« (am besten mit Telefon) muss der Administrator im Konfigurationsfile »snmpd.conf« hinterlegen. Der Aufruf zeigt auch, dass die Tools die angegebene OID in jeder MIB suchen, wenn der OID-Pfad nicht vollständig angegeben ist.
Die »IF«-MIB bietet alle Informationen zu den Interfaces des Systems, unter anderem die komplette Routingtabelle. Die Zählerstände dieser MIB dienen zum Beispiel als Datenbasis für MRTG (Multi Router Traffic Grapher, [11]). Abbildung 3 zeigt den Datendurchsatz am DE-CIX [12], dem zentralen deutschen Internetknoten (Commercial Internet Exchange). Dasselbe Verfahren taugt auch bestens für den eigenen Internetanschluss. Lesenden SNMP-Zugang zum Router gewähren die meisten Provider auf Anfrage.

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Abbildung 2: Jedes SNMPv1-Paket beginnt mit einer Versionsnummer und dem Community-String, leider als Klartext. Die SNMP-PDU selbst besteht aus einer Typangabe und dem Inhalt der Nachricht.
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Abbildung 3: Datendurchsatz am DE-CIX (zentraler Internetknoten). MRTG fragt die Werte mittels SNMP ab, speichert ihren Verlauf und gibt sie als Grafik aus.
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Wer sich für die Ressourcen seines Systems interessiert und seinen Agenten mit der »HOST-RESOURCES«-MIB kompiliert hat (»./configure --with-mib-modules =host«), kann einen Blick in die ».host«-Tabelle werfen. Sie informiert über Hardware (System, Speicher, Devices und so weiter) und die Software (was ist installiert, was läuft zur Zeit, was verbraucht wie viel Ressourcen).
Tiefe Einblicke
Das Net-SNMP-Paket enthält auch eine so genannte private MIB, die das Projekt selbst entwickelte. Sie ist bei der IANA als »enterprises.2021« registriert. Das Wandern entlang dieser MIB mit »snmpwalk -v1 -c public localhost .enterprises.2021« informiert zum Beispiel über den freien Speicher »memTotalFree«, die Belegung der Partitionen »dskPercent« und die durchschnittliche Prozessorlast »laLoad« (Load Average).
Wer einen einzelnen Wert aus der MIB braucht, greift besser zum Befehl »snmpget«. Damit ist es auch möglich, Monitoring-Programme wie Nagios [7] so zu konfigurieren, dass sie einzelne Werte überwachen und beim Überschreiten eines Grenzwerts Alarm schlagen. Idealerweise sieht Nagios in einem gut gepflegten Netz so aus, wie Abbildung 4 zeigt.

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Abbildung 4: Nagios informiert über den Zustand der Rechner und Router in einem Netzwerk. Es kann dazu sein eigenes Managementprotokoll verwenden, bedient sich auf Wunsch aber auch bei SNMP. Damit sammelt es Informationen von Netzwerkgeräten wie Routern und Switches.
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