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© photocase.com

Linux Standard Base 3.0

Software nach Standardmaß

von Tim Schürmann
Erschienen im Linux-Magazin 2006/01

Die viel gerühmte Vielfalt bei freier Software bringt nicht nur Vorteile, sondern auch Probleme. Allein die Website Distrowatch zählt über 350 Distributionen - und die kochen in vielen Fragen ihr eigenes Süppchen. Die Linux Standard Base sorgt dafür, dass konforme Anwendungen überall laufen.

Je mehr Distributionen auf den Markt kommen, desto schwieriger wird es für einen Entwickler, die Kompatibilität seiner Software sicherzustellen. Für Anwender bedeutet dies in der Regel selbst Hand anlegen und das Programm aus den Quellen erstellen - oder ganz darauf zu verzichten. Gerade Einsteiger in die Linux-Welt tun sich beim Basteln jedoch meist schwer, sind sie es doch von Windows gewohnt, die Dateien auf die Platte kopieren zu lassen und einfach zu starten. Zudem bleibt bei dieser Methode die erstellte Anwendung an die entsprechende Distribution gekettet.

Offene Standards

Diese Probleme hat auch die Free Standards Group (kurz FSG, [1]) erkannt, der neben den großen Distributionsherstellern wie Red Hat, Novell (Suse) oder Mandriva auch viele weitere bekannte Unternehmen aus der Linux-Welt angehören, darunter IBM, Intel, HP, AMD, Dell und Sun. Die FSG hat es sich als unabhängige und gemeinnützige Organisation zur Aufgabe gemacht, die Nutzung freier Software voranzutreiben und dafür Standards entwickeln. Daher verwundert es nicht, dass sich ihre Arbeitsweise stark an der von Open-Source-Projekten orientiert. So ist der Standardisierungsprozess für jedermann offen und alle wichtigen Dokumente unterliegen der GNU Free Documentation License.

Großes Gremium

Mit der Linux Standard Base Workgroup [2] übernahm schließlich eine Untergruppe der FSG die schwere Aufgabe, die gröbsten Inkompatibilitäten zwischen den Distributionen mit einem neuen Standard aus der Welt zu schaffen. Er sollte einerseits die problemlose Installation kompilierter Software gewährleisten, andererseits den Distributoren und Anwendungsentwicklern möglichst wenig Vorschriften machen.

Um diesen Spagat zu bewältigen, griff die Gruppe auf bereits bestehende Standards zurück. Primär waren dies Posix (Portable Operating System Interface) und die Single Unix Specification (SUS, [3]) ergänzt um den Filesystem Hierarchy Standard (FHS) und OpenI18N (Open Internationalization). Die letzten beiden Standards werden ebenfalls von der FSG betreut.

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