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ABC Plus

ABC [5], das etwa zeitgleich mit Mup Anfang der 90er Jahre entstand, verdankt seine große Fangemeinde sicherlich der besonders schnell erlernbaren Eingabesprache. Allerdings deckt sie nicht alle Features ab, die etwa Mup oder Lilypond für sich verbuchen können. Das ursprüngliche Format konnte außerdem nur eine Stimme pro Notensystem darstellen, was polyphone Musik ausschloss.

Das erweiterte Format ABC Plus [6] hebt diese Beschränkung auf. Nun kann ABC auch jede Art mehrstimmige Instrumentalmusik setzen. Allerdings ist hin und wieder ein wenig Überlegung nötig, um die Musik so auf verschiedene Stimmen zu verteilen, dass sich das gewünschte Notenbild ergibt. Der Renderer hat selbstverständlich keine Vorstellung von musikalischen Zusammenhängen und kann unter gleichwertigen Darstellungsmöglichkeiten nur anhand von Regeln wählen, die aber nicht in jedem Fall zum optimalen Ergebnis führen.

ABC hat sich besonders in der Folkmusik-Szene als Quasi-Standard etabliert. Es kursieren zahlreiche Tunes in diesem Format im Internet und es gibt Konverter für die proprietären Formate kommerzieller Musiksoftware (zum Beispiel Band in a Box) nach ABC.


Abbildung 2: Einfache Lieder - auch mit synchronisiertem Text, Akkordbezeichnungen und Griffdiagrammen für die Gitarre - erledigen die meisten Kandidaten mit links.


Abbildung 3: Selbst vielstimmige Partituren mit verschieden gruppierten Notensystemen - hier ein Ausschnitt aus Bachs Reformationskantate Nr. 80 "Ein feste Burg", gesetzt mit Abcm2ps - sind kein großes Problem.

Tabelle 1:
Musiker-Englisch

 

Deutsch

Englisch

1-Linien-System

rhythmic staff

Akzent, Betonungszeichen

accent

Artikulationszeichen

expressive marks

Auflösungszeichen

natural sign

Auftakt

pickup measure, upbeat

Automatische Verbalkung

automatic beaming

Bass-Schlüssel

bass clef

Fermate

fermata

Fingersatz

fingering (instructions)

Noten-Hälse/-Fähnchen/-Balken

stems/flags/beams

Haltebogen

tie

Liedtexte

lyrics

Nicht notierte Pausen

skips

Noten

notes

Notenschlüssel

clef

Notensystem

staff (pl. staves)

Partitur

score

Pedal-Zeichen

piano pedal marks

Phrasierungsbogen

slur

Schlagzeug-Schlüssel

drum clef

Tabulatur

tablature

Takt

measure, bar

Taktart

time signature

Taktwiederholungen (Faulenzer)

measure repeats

Tonart/Vorzeichnung

key (signature)

Tremolos

tremolo repeats

Triller

trill (mordent, prall ...)

Triolen

triplets

Endungen

alternative endings (volta)

Verzierungen

ornaments

Violinschlüssel

treble clef

Vorschlag

grace note

Vorzeichen

accidental

Wiederholungen

repeats

Lilypond

Lilypond ist sicherlich das Format mit den meisten Gestaltungsmöglichkeiten, der größten Flexibilität und längsten Featureliste, aber auch mit der komplexesten Eingabesprache. Ursprünglich als eine Art Präprozessor für das Satzsystem Tex entwickelt - in dessen Umfeld übrigens weitere Programme für das Musiksetzen entstanden, etwa Musix-Tex [16] -, kann es heute direkt Postscript- oder PDF-Dateien erzeugen.

Verschiedene mehr oder weniger ausgefallene Möglichkeiten, beispielsweise die Generalbassnotation für Barockmusik, sind nur bei Lilypond zu finden. Auch für Lilypond-Dateien existieren Internetarchive, zum Beispiel das Mutopia-Projekt [15]. Für Lilypond gibt es mit Denemo [9] eine Art Wysiwyg-Editor. Außerdem produziert auch Noteedit auf Wunsch Lilypond-Files.

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