Zahlreiche Tricks erleichtern das Perl-Programmieren in
Vim
Tipps für Tippfaule
von Michael Schilli
Erschienen im Linux-Magazin
2005/07
Der Editor Vim kennt vielfältige Abkürzungen, mit denen das Programmieren leichter von der Hand geht. Dieser Perl-Snapshot zeigt eine Auswahl der effektivsten Sparmaßnahmen für Perl-Hacker.
Keine Wahl, die ein Programmierer im Leben trifft, ist so entscheidend und so unwiderruflich wie die Wahl eines Editors. Wer sich einmal für Vi oder Emacs entschieden hat, bleibt normalerweise dabei und setzt alles daran, auch noch den letzten Trick aus dem ständig genutzten Werkzeug herauszufieseln. Wer effektiver mit dem Editor arbeitet, reduziert nicht nur die Gefahr, am Carpal-Tunnel-Syndrom zu erkranken, sondern programmiert erheblich schneller und mit weniger Tippfehlern.
Der Editor Vim (Vi Improved) ist seinem altersschwachen Kollegen Vi um einiges voraus. Vim wurde über lange Entwicklungsjahre für Vieltipper hochgezüchtet, lässt sich bis ins Detail konfigurieren, mit Plugins erweitern und so ganz nach Geschmack an den persönlichen Arbeitsstil anpassen. In der Konfigurationsdatei ».vimrc« kann der Benutzer in seinem Homeverzeichnis alle hier vorgestellten Tricks permanent ablegen.
Da Linux-Distributionen nicht immer den neuesten Vim enthalten, prüfe man am besten mit »vim --version« nach, welche Version installiert ist. Es sollte mindestens 6.1 sein, ansonsten empfiehlt sich ein Upgrade.
Leuchtende Schlüssel
Farblich unterlegte Schlüsselwörter erleichtern das Verstehen von komplexeren Codegebilden erheblich. Vim beherrscht das Syntax-Highlighting von vielen Programmiersprachen ganz hervorragend und produziert selbst für das schwer zu parsende Perl erstaunlich präzise Ergebnisse. Abbildung 1 zeigt, wie viel einfacher farblich herausgestellte Codekonstrukte erkennbar sind.

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Abbildung 1a: Ein Stück Perl-Code im Vim, in dieser Version noch ohne Hervorhebungen.
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Abbildung 1b: Hier zum Vergleich mit eingeschaltetem Syntax-Highlighting.
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Voraussetzung ist lediglich, dass das benutzte Xterm Farben unterstützt. Alternativ bietet sich Gvim an. Falls es nicht schon von vornherein aktiviert ist, schaltet das Kommando »:syntax on« das Highlighting ein. Wenn Vim an der Datei-Endung (».pl« oder ».pm«) oder auch am »#!/usr/bin/perl« der Shebang-Zeile erkennt, dass es sich um Perl handelt, färbt er den Quelltext ein. Öffnet der Editor eine neue Datei, die er nicht als Perl-File erkennen kann, lässt sich der Dateityp nachträglich mit »:set filetype=perl« einstellen.
Abkürzungen
Wer oft in derselben Sprache programmiert, wiederholt ständig die gleichen Tippmuster. Als Log::Log4perl-Advokat kann ich zum Beispiel schon nicht mehr zählen, wie oft ich »use Log::Log4perl qw(:easy);« getippt habe. Zum Glück hat das jetzt ein Ende, denn das Kommando »:abbreviate ul4p use Log::Log4perl qw(:easy);<RETURN>« richtet die Abkürzung »ul4p« ein.
Sobald der Programmierer im Eingabemodus die Zeichenfolge »ul4p« tippt und mit einem Wortbegrenzer wie der Leertaste oder [Enter] abschließt, expandiert Vim die Folge automatisch zum definierten Ausdruck. Ein ausgeschriebenes »<RETURN>« am Ende der Definition simuliert das Drücken der [Enter]-Taste. Wer nach der Expansion in den Kommandomodus wechseln möchte, hängt einfach ein »<ESC>« hinten an.
Um mit Hilfe einer Abkürzung ein längeres Textstück einzufügen, kann das Makro auch eine Datei laden: »:abb ul4p <BACKSPACE><ESC>:r ~/.tmpl_l4p<RETURN>«. Tippt der Benutzer nun »ul4p« gefolgt von einem Wortbegrenzer, ersetzt Vim die Abkürzung durch den Inhalt der Datei.
Wiederkehrende Editierschritte, die Änderungen in mehreren, unzusammenhängenden Bereichen erfordern, lassen sich elegant mit Makros wiederholen. Abbildung 2 zeigt drei Funktionsköpfe, die es jeweils in Kommentarzeilen einzuranken gilt.
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