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Prio mit sichtbaren Bändern

Eine Prio-QDisc ist der Pfifo_fast-QDisc sehr ähnlich. Sie legt ebenfalls Bänder an, die sie abhängig von den Prioritäten leert. Im Gegensatz zu Pfifo_fast sind die Bänder aber als Klassen sichtbar: Band 0 bekommt die Klassen-ID »:1«, Band 1 die »:2« und so fort. Jeder dieser Klassen darf man eine beliebige QDisc zuordnen. Die Prio-QDisc kennt zwei Parameter:

tc ... prio bands n [priomap a b ... p]

Der »bands«-Parameter bestimmt, wie viele Bänder die QDisc anlegt. Wer mehr oder weniger als die voreingestellten drei braucht, muss noch eine »priomap« mit 16 Werten angeben. Sie legt fest, welche Bänder zu den verschiedenen DS-Bit-Kombinationen gehören. Folgendes Beispiel legt eine Prio-QDisc mit zwei Bändern an:

tc qdisc add dev eth0 root handle 1: 
  prio bands 2 
  priomap 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1

Unabhängig vom DS-Feld landen alle Pakete in Band 1. Ein solche Konfiguration kann sinnvoll sein, wenn zusätzlich Filter bestimmte Pakete in das höher priorisierte Band 0 klassifizieren. Beide Klassen können eine eigene QDisc erhalten:

tc qdisc add dev eth0 parent 1:1 
  handle 10: tbf rate 512kbit burst 4096
tc qdisc add dev eth0 parent 1:2 
  handle 20: sfq

Die beiden Algorithmen Prio und TBF besitzen eine vorher festgelegte Anzahl von Klassen und ein spezielles Verhalten, was ihr Einsatzgebiet etwas beschränkt. Bei hierarchisch organisierten Algorithmen bestimmt dagegen der Admin die Anzahl und strukturelle Anordnung der Klassen selbst.

Hierarchische Algorithmen

Um die Klassen für hierarchische QDisc-Algorithmen zu erstellen und zu organisieren, bedarf es zusätzlicher TC-Befehle. Die Kommandos ähneln jenen, die eine klassenbasierte QDisc steuern:

tc class [add|change|replace] dev Gerät 
  parent ID [classid ID] 
  QDisc Class-Optionen

Um eine neue Klasse »1:1« der QDisc »1:« hinzuzufügen, lautet der Aufruf »tc class add dev eth0 parent 1: classid 1:1 QDisc Class-Optionen«. Der QDisc-Parameter entspricht dem Typ der übergeordneten QDisc. Die Konfiguration von hierarchisch organisierten QDiscs findet üblicherweise auf der Ebene von Klassen statt. Daher begnügen sich diese Implementationen bereits mit sehr wenigen Parametern.

Hierarchische Algorithmen verfolgen zwei Ziele: Erstens sollen sie die verfügbare Bandbreite an die einzelnen Klassen verteilen und ihnen den Anteil bei Bedarf garantieren. Um das einzuhalten, dürfen die Klassen zusammen nicht mehr Bandbreite erhalten, als tatsächlich vorhanden ist. Zweitens muss der Algorithmus die ungenutzten Bandbreite verteilen. Bleiben einige Klassen hinter ihrem zugestandenen Anteil zurück, soll die ungenutzte Sendeleistung den andere Klassen zugute kommen.

Die Pakete landen immer in den Leaf-Klassen der Hierarchie, da nur diese Klassen der untersten Ebene tatsächlich Pakete in ihren zugeordneten QDiscs zwischenspeichern. Die übergeordneten Klassen klassifizieren die Pakete nur passend.

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