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Open-Source-Software und Usability - ein Gegensatz?

Mensch/Maschine

von Jan Mühlig
Erschienen im Linux-Magazin 2005/02

Freie Software ist nichts für den wenig erfahrenen Endanwender? Der Beitrag untersucht die Ursachen schlechter Ergonomie und zeigt die Chancen für Open-Source-Software.

Im Schlepptau von Open Office, Firefox & Co. gerät Open-Source-Software (OSS) immer mehr auf die Computer ganz normaler Anwender. Einfache Benutzbarkeit gilt jedoch nicht gerade als Stärke freier Software. Den Ausbruch aus der Nische wird der OSS-Desktop nur schaffen, wenn es ihm gelingt, die Sympathie der in mehrfacher Hinsicht verständnislosen Anwender zu gewinnen.

Entwickeln im Elfenbeinturm

Benutzfreundlichkeit von Software lässt sich wissenschaftlich schwer beschreiben. Dennoch bestreitet kaum jemand, dass freie Software in diesem Bereich Defizite aufweist. Eine verbreitete Argumentation schiebt die Schuld dafür auf ihren Entwicklungsprozess. Der Usability-Experte Jakob Nielsen[1] etwa sieht den Grund in der Einstellung der Open-Source-Entwickler: Sie schrieben Software entweder, weil sie sie selbst benötigen, oder um die Anerkennung anderer Programmierer zu gewinnen[2].

Dieses Argument lässt sich schwer entkräften, auch wenn es alle OSS-Projekte über einen Kamm schert. Tatsächlich entstehen viele Projekte, weil Programmierer eine bestimmte Anwendung vermissen und deshalb selbst Hand anlegen. Dabei dominiert häufig die Einstellung, dass unzufriedene Anwender gewünschte Features selbst programmieren sollten. Doch normale Computernutzer verfügen selten über die dazu nötigen Fachkenntnisse.

Entscheidungen

Hier zeigt sich eine wichtige Konfliktlinie: Programmiert man für sich selbst oder für die Endanwender? Diese Entscheidung wirkt sich auf die Funktionen aus. Open-Source-Software bietet diesbezüglich sehr viel, im Idealfall deckt sie alle Bedürfnisse von Entwicklern ab. Was ihnen fehlt, steuern sie selbst bei. Den Nur-Anwender überfordert aber oft gerade die Vielfalt. Beispielsweise gibt es im Mailprogramm KMail die Möglichkeit, einen Ordner einer Mailingliste zuzuordnen. Eine praktische Funktion, jedoch nur für Power User interessant. Trotzdem steht sie im Einstellungsdialog auf einer Ebene mit der Namensvergabe und der restlichen Basiskonfiguration des Ordners.

Laien verwirrt die Feature-Flut, weil sie nicht erkennen, welche Funktionen sie wirklich benötigen und welche nur sehr speziellen Vorgängen gelten. Andererseits möchten versierte Nutzer, darunter meist die Entwickler selbst, auf die Spezialfunktionen nicht verzichten. Erstrebenswert ist wie so oft ein Kompromiss. Wie der aussehen soll, ist die Frage.

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