Der KDE-Groupware-Client Kontact
Kontaktaufnahme
von Daniel Molkentin
Erschienen im Linux-Magazin
2004/09
Mit Kontact 1.0 erscheint nach Evolution ein zweiter Outlook-Konkurrent für Linux, der sogar mit verschiedenen Groupware-Servern Kontakt aufnimmt und nebenbei Mails liest oder den Wetterbericht zeigt.
In den meisten Unternehmen ist Arbeit ohne eine Groupware-Lösung undenkbar. Klassischerweise kommt dabei Microsofts Exchange Server zusammen mit Outlook als Client zum Einsatz. Die Groupware ermöglicht den Austausch von Kontakten und Terminen und andere dynamische Prozesse wie die Regelung von Urlaubsvertretungen oder Einsichtsberechtigungen in andere Mailboxen. Damit modelliert sie den Workflow in der Unternehmenskommunikation.
Kolab, Kontact und KDE
Das KDE-Projekt bietet mit Kontact eine Groupware-Lösung an, die zunächst nur mit dem Kolab-Server zusammenarbeitete (siehe Kasten "Werdegang von Kontact und Kolab"), sehr bald aber ebenbürtige Anbindungen für andere Groupware-Server erhielt[1]. Die folgenden Aussagen beziehen sich auf Kontact 1.0, das zusammen mit KDE PIM 3.3 bei Erscheinen dieses Heftes als finale Version vorliegen sollte.
|
Open Source sollte sie sein und Outlook-Clients anbinden: Das waren die Anforderungen an eine freie Groupware-Lösung zum internen Einsatz, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor knapp drei Jahren ausschrieb. Abgesehen von rein Web-basierten Systemen gab es zu dieser Zeit kaum passende Software. Den Zuschlag erhielt das Firmenkonsortium aus Intevation (Qualitätssicherung und Projektmanagement), Erfrakon (zeichnet für den Server verantwortlich) und der auf QT und KDE spezialisierten Firma Klarälvdalens Datakonsult (KDAB, programmierte den Client).
Nutze die vorhandenen Tools
Kolab, den Groupware-Server, bauten die Entwickler getreu der Unix-Philosophie "Nutze existierende Tools" aus den Komponenten OpenLDAP, Cyrus IMAP, Postfix sowie einem Apache mit PHP für das Web-basierte Administrationsfrontend. Statt die Daten in einer SQL-Datenbank zu speichern, legten sie sie einfach in IMAP-Ordnern ab.
Die Client-Seite gestaltete sich schwieriger: KMail und KOrganizer, beides Programme mit großer Benutzerbasis, arbeiteten kaum zusammen. Zwar gab es im KDE-Projekt erste Bestrebungen, die Programme in einem Projekt namens Kaplan zusammenzuführen, aber das war noch nicht weit genug gediehen, um es für den BSI-Auftrag zu verwenden. So entschloss man sich, über die KParts-Technologie KOrganizer in KMail zu integrieren, und lieferte diese Lösung unter dem Namen Kolab Client aus. Für Outlook unter Windows wählten die Entwickler das proprietäre Connector-Plugin der Firma Bynari Insight, das Outlooks MAPI in LDAP übersetzte.
Durch das aufflammende Interesse an Groupware-Lösungen tat sich auch im KDE-Lager einiges. Die Autoren von KMail, KOrganizer, KAddressbook und anderen Programmen im KDE-PIM-Modul arbeiteten an Frameworks für die Interaktion ihrer Programme. Auch das zwischenzeitlich in Kontact umbenannte Kaplan machte große Fortschritte. Inspiriert vom Komponenten-basierten Aufbau von KDevelop 3 vereinigte es die bestehenden Applikationen in einer grafischen Oberfläche.
Einigkeit am Ende
Nach Abschluss des Kolab-Projekts war sich KDAB mit den PIM-Autoren schnell einig, den Kolab-Client auslaufen zu lassen und dafür die Arbeit in die aktuelle Entwicklerversion von Kontact zu stecken. Ende 2003 schrieb das BSI ein Nachfolgeprojekt für Kolab aus[12], das vor allem Komfort und Benutzerfreundlichkeit erhöhen soll. Kontact löste dabei den Kolab-Client ab. Ende des Jahres soll dieses Projekt abgeschlossen sein.
|
Wer will, kann Kontact zu Hause mit einem IMAP-Server verwenden und Kontakte und Kalender offline pflegen. Seine volle Stärke entfaltet Kontact jedoch in der Rolle des Clients im Zusammenspiel mit einem Groupware-System. Das sieht zunächst nicht anders aus als Outlook oder Evolution: Organizer, Mailclient und Adressbuch sind wie gewohnt über eine Seitenleiste zu erreichen. Doch beim Blick hinter die Fassade offenbart sich ein anderes Bild. Kontact ist nur ein Programmgerüst: Die Kontact-Shell bindet Plugins ein, Wrapper für die so genannten KParts.
Hinter den KParts stecken alte Bekannte wie KMail, KAddressbook und KOrganizer. Sie alle kommunizieren über KDEs Interprozesskommunikations-Protokoll DCOP[2]. Daher spielt es keine Rolle, ob die Programme als Parts in der Kontact-Shell laufen oder ob man sie separat betreibt. Der Funktionsumfang bleibt in jedem Fall erhalten und jeder kann nach seinem Bedienkonzept arbeiten.
Geteilt und doch vereint
Nach dem Start präsentiert Kontact auf einer Übersichtsseite neue Mails, die nächsten Termine und Geburtstage sowie das Wetter, Nachrichten und den Synchronisationsstatus des Palm. Aus einem breiten Angebot an RSS-Feeds lässt sich eine individuelle Nachrichtenübersicht zusammenstellen. Wetterstationen der US-amerikanischen Wetterbehörde, die auch Messstationen in Deutschland betreibt, dienen als Grundlage für den Wetterbericht (Abbildung 2).

|
Abbildung 2: Nach dem Start präsentiert Kontact eine Übersicht mit aktuellen Terminen, neuen Mails, Aufgaben, Notizen, Nachrichten und Wetterbericht. Über die Icons links erreicht der Benutzer die integrierten Applikationen wie Mail- oder News-Client und Kalender.
|
Die Iconleiste am linken Rand dient nicht nur zum Umschalten zwischen den Applikationen, sondern ist auch Ziel für Drag&Drop-Operationen. So kann der Benutzer eine Mail auf dem Aufgaben-Icon ablegen, um sich an die Bearbeitung einer Mail erinnern zu lassen. Um einen Adressdatensatz zu versenden, lässt er diesen auf das Mail-Symbol fallen. Beim Umschalten zwischen den Parts ändern sich Menü- und Symbolleisten, um die für die aktuelle Komponente relevanten Aktionen anzuzeigen. Die Statusleiste enthält Meldungen aller Komponenten, egal welche aktiv ist. Läuft eine angewählte Applikation bereits außerhalb von Kontakt, wird sie in den Vordergrund geholt.
Teil von Kontact ist der E-Mail-Client KMail. In der neuen Version 1.7 aus KDE PIM 3.3 finden sich lang vermisste Features wie die inkrementelle Suche über die Sender und Betreffzeilen im aktuellen Ordner. Hinzu kommen Wizards, die die bekanntesten Antispam- und Antivirus-Produkte als KMail-Filter einbinden (Abbildung 1). Zum Test komplexer Filteroperationen bietet der Mailer nun ein Logfenster an, in dem man die Abarbeitung verfolgen kann. Leider immer noch nicht enthalten ist ein grafischer Sieve-Script-Editor, jedoch existiert bereits Code zur Verwaltung von Sieve, der im Moment für die Out-of-Office-Meldungen genutzt wird.

|
Abbildung 1: KMails Antispam-Wizard spürt installierte Spamfilter-Tools auf und richtet für diese Filter ein.
|
KMail glänzt besonders durch sein mächtiges Kryptosystem, das sowohl mit OpenPGP als auch S/MIME umgehen kann. Während OpenPGP sich eher an Privatanwender richtet, ist S/MIME für Unternehmen und vor allem für Behörden interessant.
| Whitepaper |
|
The Role of Open Source in Data Integration
Obwohl in den letzten Jahren viele technische Fortschritte erzielt werden konnten, verfügen die meisten Datenintegrationsprozesse nach wie vor nur über eine sehr begrenzte Automatisierung. Das vorliegende White Paper von dem Industry Analyst Mark Madson wird zunächst ein grundlegendes Verständnis von Daten Integration vermitteln, die Vorzüge von Open Source Lösungen für Daten Integration erläutern und Ihnen professionelle Empfehlungen geben, damit Sie Ihre Integrationsjobs noch einfacher und produktiver gestalten können.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
|
Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele (Folge 2)
Der zweite Teil des Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele White Papers beleuchtet anhand weiterer ausgewählter Case Studies die Implementierung von Open Source Datenintegration in der Praxis und benennt die daraus resultierenden Vorteile.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links"
nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedrucken Fassung entsprechen.
|