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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2004/07

Auch im vergangenen Monat gab es so manche Neuigkeit in der Welt freier Software. Wir haben die Leckerbissen herausgepickt: OpenBSD 3.5, ein grafisches Frontend für Subversion sowie Probleme beim Debian-Projekt. Der Bohnentopf aus Mexiko sorgt schließlich für scharfe Erlebnisse.


Abbildung 1: Die Programmiersprache Basic genießt mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad. Entsprechend groß ist der Eintrag in der Wiki-Enzyklopädie Wikipedia.

Die Programmiersprache Basic ist im Mai 40 Jahre alt geworden. Zwar steht sie nicht direkt in Verbindung mit Linux, demonstriert aber sehr deutlich, wie ein anfänglich wenig beliebtes Softwareprodukt im Laufe der Zeit große Erfolge feiern kann. Anfänglich galt Basic nämlich als stark beschränkt. Tatsächlich aber wurde die Sprache schnell bekannt und diente sogar als Grundlage bei der Gründung von Microsoft.

OpenBSD 3.5

Das als besonders sicher geltende Betriebssystem OpenBSD[1] ist seit kurzem in der neuen Version 3.5 verfügbar. Im Gegensatz zur Vorgängerversion gibt es bei OpenBSD 3.5 nicht viel Spektakuläres für Benutzer von x86-Rechnern. Damals sorgte vor allem die Einführung von W^X als Schutz vor Buffer Overflows für Aufsehen (siehe[2]).

Wirklich interessant ist in der neuen Version 3.5 vor allem der AMD-64-Port, mit dem OpenBSD nun auch auf AMDs Athlon-64- und Opteron-Prozessoren läuft. Da die Opterons allerdings ausschließlich im Mehrprozessor-Betrieb arbeiten (SMP), macht OpenBSD auf diesen Systemen wenig Sinn, denn es unterstützt kein SMP. Doch an der Implementierung dieses Features arbeiten die Entwickler bereits seit längerer Zeit.

Mit der neuen Version unterstützt OpenBSD auch die Cats-Architektur. Dieser Port auf die ARM-basierten Chips soll als Grundlage für die weitere Unterstützung von ARM-Prozessoren dienen. Der Code für den Port stammt aus NetBSD. Aus diesem Grund wird es vermutlich in Zukunft möglich sein, den eigenen PDA mit OpenBSD auszustatten, so wie es Linux schon mit den I-Paqs von HP vorgemacht hat.

Die Entwickler haben auch an den Gerätetreibern gearbeitet. Der Wi-Treiber für WLAN-Karten mit Prism-Chipsatz ist deutlich stabiler und der Host-AP-Modus versteckt nun optional den so genannten Service Set Identifier (SSID), was zum Schutz vor Angreifern recht nützlich ist. Ansonsten gibt es Verbesserungen bei der Unterstützung der Intel- PRO/1000-Gigabit-Ethernet-Karte, bei SCSI-Treibern, ATA/SATA und beim Powermanagement per APM.

Aus GNU wird BSD

Doch auch für Endanwender hat sich etwas getan. Einige Programme, die ursprünglich aus dem GNU-Projekt stammen, haben die Entwickler gegen gleichwertige Pendants unter der BSD-Lizenz ersetzt. Die PTY-Devices (die Pseudo-Terminal-Schnittstellen) erstellt OpenBSD nun dynamisch und es gibt die neue Schnittstelle »/dev/ptm«. Mit ihr ist es möglich, ein PTY ohne Root-Rechte zu öffnen. Bisher mussten Applikationen wie Xterm als SUID-Root laufen, um ein PTY zu öffnen.

Neue Programme in Version 3.5 sind unter anderem der BGP-4-Daemon Bgpd, Sensorsd (zum Auslesen von Hardware-Informationen) und PXEBoot (um über ein Netzwerk zu booten). Natürlich enthält OpenBSD 3.5 auch sicherheitsrelevante Fixes sowie eine aktuelle Version von OpenSSH. Die mitgelieferte Software ist sehr aktuell: XFree86 4.4 (in einer abgeänderten Version wegen des kürzlichen Lizenzwechsels[3]), Perl 5.8.2, GCC 2.95.3 und 3.3.2, Apache 1.3.29 und Bind 9.2.3.

Obwohl die neue Version keine bahnbrechenden neuen Features enthält, winkt sie doch mit einigen Leckerbissen. Wer sich die neue Release installieren will, findet sie im FTP-Archiv[4]. Die Upgrade-Mini-FAQ[5] hilft beim Aktualisieren bestehender Installationen.

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