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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Martin Loschwitz
Erschienen im Linux-Magazin 2004/01

Ähnlich wie Köche arbeiten auch Software-Autoren an immer neuen Kreationen für die Benutzer. Wir picken die Leckerbissen heraus. Diesmal: Das Rennspiel Racer, Linux als Wireless Access Point, OpenBSD 3.4, Teamwork und Verfassungsänderung bei Debian. Für die Festtage gibt's leckere Plätzchen.


Abbildung 1: Der Ferrari Enzo ist eins von vielen Autos im Rennspiel Racer, der ersten frei verfügbaren Rennsimulation für Linux. Das Spiel ist um Autos und Rennstrecken erweiterbar. Eine große Auswahl gibt es beispielsweise bei der Racer-Xtreme-Gruppe unter [4].

What\'s cooking? Wir servieren diesmal ein Spiel für Autofreaks sowie Informationen zur Änderung der Debian-Verfassung. Außerdem schauen wir über den Tellerrand hinüber zur neuen Version von OpenBSD. Für die Gourmets gibt es weihnachtliche Mokkaplätzchen.

Racer

Die Rennsimulation Racer[1] ist in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: Sie läuft sowohl unter Windows als auch unter Linux und ist außerdem die erste frei verfügbare Simulation dieser Art für Linux überhaupt. Leider vertreibt der Autor die Applikation nicht unter einer freien Lizenz. Der Sourcecode steht zwar auf der Website zum Download bereit, der Autor weist aber explizit darauf hin, dass Racer kein Open-Source-Projekt ist. Die Lizenz ist sehr schwammig verfasst, wer Modifikationen am Sourcecode vornehmen will, sollte vorsichtshalber den Autor kontaktieren.

Auf der Homepage befinden sich einige Binärpakete zum Download, allerdings nur für Suse Linux 7.3 und NVidia-Karten. Daher ist es in den meisten Fällen notwendig, das Spiel aus den Sourcen zu kompilieren. Das ist nicht unproblematisch, weshalb es eine inoffizielle FAQ auf[2] sowie eine Troubleshooting-Seite gibt[3]. Eine Grafikkarte mit unterstützter Hardwarebeschleunigung ist Voraussetzung für Racer.

Nach dem Start des Programms wählt der Spieler zwischen dem einfachen Zeitfahren (im Einzelspieler-Modus) und dem Teamspiel übers Netzwerk. Beim Team-Modus gibt es die Möglichkeit, einem vorhandenen beizutreten oder ein eigenes zu eröffnen.

Ein besonderes Feature von Racer ist seine Erweiterbarkeit durch Themes: Auf der Website der Racer-Xtreme-Gruppe[4] finden sich viele neue Autos und Rennstrecken. Der Spieler wählt sie nach dem Download über die Menüpunkte »Select Track« und »Select Car« aus. Einige der Highlights sind zum Beispiel der Ferrari Enzo und der Opel Speedster. Außerdem sind unter den Rennstrecken die Formel-1-Kurse von Monaco und Silverstone zu finden.

Das Spiel wird - etwas ungewohnt - mit der Maus gesteuert. Das ist anfangs zwar umständlich, erlaubt nach einer gewissen Eingewöhnungszeit aber eine sehr präzise Steuerung des Autos. Wer seine Fahrkünste noch einmal auf Video bewundern will, wird sich über die Aufzeichnungsfunktion von Racer freuen. Die Videos werden standardmäßig nur temporär gespeichert. Ein Menüpunkt erlaubt es daher, sie auf Festplatte zu bannen. Dazu drückt der Fahrer während des Spiels die [F2]-Taste.

Racer hat leider noch einige Schwächen. Die Steuerung wirkt manchmal sehr hektisch, vor allem wenn man mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs ist. Die Unfallszenen sind außerdem sehr dürftig: Fährt der Spieler gegen eine Wand, überschlägt sich das Auto, verschwindet von der Bildfläche - und das Spiel friert ein. Nur ein Neustart erweckt es wieder zum Leben.

Alles in allem ist Racer aber eine sehr gelungene Rennsimulation, mit der sich viele langweilige Nachmittage verkürzen lassen. Die kleinen Mängel fallen nur selten auf, viele Stunden unbeschwertes Spielen sind garantiert.

Host-AP

Wireless LAN ist eine komfortable Möglichkeit, zwei Computer miteinander zu verbinden. Erforderlich sind lediglich zwei WLAN-Karten, die dann im Ad-hoc-Modus direkt miteinander kommunizieren. Um jedoch mehr als zwei Rechner in einem WLAN zusammenzuschließen, empfiehlt sich die Anbindung über einen Access Point (AP).

Diese Geräte gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Sie haben aber meist fest montierte Antennen, die sich bei Defekten nicht austauschen lassen, und sind auch oft mit instabiler Firmware ausgestattet (eine Ausnahme ist die Firma Linksys, auf deren APs Linux läuft). Der Host-AP-Treiber für Linux[5] schafft hier Abhilfe. Mit ihm ist es möglich, einen PC als Access Point zu betreiben. Einzige Voraussetzung ist eine WLAN-Karte mit Prism-2-, Prism-2.5- oder Prism-3-Chipsatz.

Host-AP besteht aus mehreren Teilen: Die Gerätetreiber für PCMCIA- und PCI-Karten (»hostap_cs« und »hostap_pci«) übernehmen grundsätzlich dieselben Aufgaben wie die Treiber aus dem PCMCIA-CS-[6] oder Linux-WLAN-NG-Paket[7], sind aber für Host-AP optimiert. Der zweite Teil ist der »hostap«-Treiber. Das optionale Modul »hostap _wep« erweitert das System um WEP-Verschlüsselung. Nach dem Laden der Module stellt der Benutzer nur noch den Übertragungsmodus »hostap« ein.

Der Host-AP-Treiber arbeitet sowohl mit der PCMCIA-CS-Suite als auch mit der Kernel-internen PCMCIA-Struktur zusammen. Letztere Methode hat den Vorteil, dass Host-AP dann in den Kernel gepatcht werden kann, die entsprechenden Patches für die aktuelle Kernelversion befinden sich mit den Treibern im CVS-Zweig des Projekts.


Abbildung 2: Der Startbildschirm von Racer. Der Spieler hat die Wahl zwischen verschiedenen Spielmodi wie Zeitfahren und Netzwerkspiel. Außerdem gibt's eine große Auswahl an Autos und Strecken.

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