Kurz vorgestellt: Network Monitoring mit Big Sister
Große Schwester
von Thomas Aeby, Jörg Fritsch
Erschienen im Linux-Magazin
2003/12
Big Sister überwacht das Netzwerk und seine Hosts: Eigene Agenten testen laufend, ob die Dienste noch funktionieren. Bei Bedarf alarmiert die große Schwester ihren Administrator. Eine hübsche Weboberfläche zeigt den aktuellen Zustand.
Der Name deutet es schon an: Big Sister[1] ist mit Big Brother[2] verwandt, dem Netzwerk-Monitoring-Produkt von Quest. Die Schwester ist kompatibel zum großen Bruder, steht im Gegensatz zu Quests Software aber unter der GNU GPL. Beide Familienmitglieder überwachen ein Netzwerk, archivieren die gesammelten Daten und bereiten sie als HTML auf (siehe Abbildung 1). Bruder und Schwester unterscheiden sich vor allem in der Flexibilität, den Haken und Ösen des jeweiligen Produkts und im Kleingedruckten, also der Lizenz.
Agenten und Daemons
Ein überwachtes Netzwerk benötigt einen Big-Sister-Server und mindestens einen Agent-Host. Der Server speichert, verarbeitet und visualisiert die gesammelten Daten. Auf den Agent-Hosts läuft der Daemon »uxmon«. Er führt die eigentlichen Healthchecks durch und sendet seine Ergebnisse über eine TCP-Verbindung (Default: Port 1984) an den Big-Sister-Server. Dort nimmt »bbd« die Daten aller Agenten entgegen und leitet sie an »bsmon« weiter, der alle weiteren Aufgaben erledigt (Alarmierung, Webseiten erstellen ...). »bbd« und »bsmon« entsprechen »BBDISPLAY« in einer Big-Brother-Umgebung[4], »uxmon« ist mit »BBNET« vergleichbar.
Big Sister kennt drei Techniken, mit denen sie Systeme überwacht:
- Der Agent ist auf dem zu überwachenden Host installiert. Er sendet seine Statusmeldungen über einen TCP-Port zum Server.
- Jeder installierte Agent kann auch die Netzwerkdienste anderer Hosts (zum Beispiel SMTP, NTP, HTTP ...) überwachen und deren Status an den Big-Sister-Server melden.
- Big Sister unterstützt auch das Standardprotokoll SNMP (Simple Network Management Protocol).
Immer der passende Test
Je nach Zielsystem und Einsatzart (lokaler Agent, remote) versuchen die Module des Uxmon-Agenten, das optimale (zuverlässigste) Testverfahren zu wählen. Beispielsweise nutzt der »procs«-Test lokal auf einem Unix-Rechner das »ps«-Kommando, unter Windows die Win32-API (lokal wie remote) und in den restlichen Fällen SNMP.
Wenn Big Sister für den überwachten Host keine gerätespezifischen Eigenschaften kennt, versucht sie es mit jener Abfrage, die erfahrungsgemäß auf den meisten Geräte funktioniert. Dank dieser Mehrfachimplementierung hat der Admin die Wahl, ob er den Big-Sister- oder einen SNMP-Agent auf dem überwachten System installiert. Big Sister wählt automatisch den passenden Agenten, der Admin kann dies mit der Gerätebeschreibung steuern. Die Uxmon-Konfiguration sieht unabhängig davon immer gleich aus, die Anzeige auf dem Display-Server ebenfalls.
Die SNMP-Agenten der meisten Geräte unterstützen die Host-MIB (Management Information Base). Sie zeigt unter anderem die freie und die belegte Kapazität der Festplatten und des Speichers. Leider sind diese Werte oft schwer zu interpretieren: Manche Produkte liefern Ergebnisse, die etwas anderes bedeuten, als es sich der Monitoring-Produktentwickler wünscht. Big Sister kennt die gängigsten MIBs, sie sind in der Datei »mibs.txt« nachzulesen.
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