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Red Hat, Fedora

Box oder nicht Box

von Ulrich Wolf
Erschienen im Linux-Magazin 2003/12

Im Sommer kündigte Red Hat an, keine Distributionen für Normalanwender mehr herzustellen. Nun soll doch eine erscheinen. Das Fedora-Projekt geht trotzdem weiter. Was steckt dahinter?

Keine Boxen mehr für Normalanwender, Auslagerung der Entwicklung in die Community - so hieß es jedenfalls. Oder kommt doch alles ganz anders? Die Kommunikation von Red Hat war in den letzten Monaten nicht sehr verständlich. Jetzt zeichnet sich eine Klärung ab.

Red Hat für Sparer

Wichtigster Punkt für Nutzer: Es gibt wieder - oder nach wie vor - eine Red-Hat-Box samt Handbuch für den sparsamen Firmen-Admin oder den ambitionierten Heimanwender. Die Distribution heißt "Red Hat Professional Workstation" (ohne irgendeine Versionsnummer) und wird knapp 100 Euro kosten. Im Gegensatz zu den bisherigen Professional-Versionen basiert die neue jedoch auf dem Code der teuren Enterprise-Versionen des Distributors, vormals auch als Advanced Server bekannt. Als Kernel kommt ein relativ aktueller 2.4.21 zum Einsatz, mit einigen Backports wie Kernel-IPsec, ACL-Unterstützung für das Dateisystem und einer Personal Firewall.

Samba ist mit der brandaktuellen Version 3.0 dabei, als Drucksystem kommt jetzt auch bei Red Hat Cups zum Zuge. Mit drei kommerziellen Runtime-Umgebungen, nämlich von Sun, IBM und Bea, ist größtmögliche Java-Flexibilität garantiert. Eine Extra-CD enthält zusätzlich die Development-Kits der drei Hersteller. 30 Tage Installationssupport und ein Ein-Jahres-Abo auf das Red Hat Network runden das Paket ab.

Basis Enterprise

Red Hat Professional Workstation fällt als Abkömmling der Enterprise-Produktlinie unter deren lange Releasezyklen von zwölf bis 18 Monaten. Für aktuellere Produkte ist jetzt das Fedora-Projekt verantwortlich.

Laut Brian Stevens, Vice President Engineering bei Red Hat, sind es nach wie vor Red-Hat-Manager, die über dessen Fortgang bestimmen: "Red Hat hat ein Komitee aufgestellt, eine ,Governing Group` für Fedora. Wir hatten die Erfahrung gemacht, das die meisten Anwender ein ,frei für alle` nicht wollen. Die Anwender wussten die Robustheit von Red Hat zu schätzen und wollten es nicht zu weit öffnen, um sie nicht aufs Spiel zu setzen. Außerdem gibt es noch eine Beratungsgruppe, in der nicht nur Mitarbeiter von Red Hat vertreten sind."

Red Hat will mit Fedora den Entwicklungsprozess offener gestalten, vor allem freie Projekt-Maintainer sollen die Infrastruktur nutzen, um aktuelle und sauber gebaute Pakete ihrer Software bereitzustellen: Stevens: "Wir bringen eine ganze Menge von Infrastruktur nach außen, das Build-System, Mailinglisten, IRC-Kanäle. Je mehr davon nach draußen verlagert ist, umso einfacher ist es, ein bestimmtes Paket direkt in Fedora einzubringen."

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