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Gastkommentar: Die Ethik des Programmierens

Virtuelle Unschuld

von Rita Ortenburger
Erschienen im Linux-Magazin 2003/04

Programmieren an sich ist anspruchsvoll und ehrenwert - aber gilt das in jedem Fall? Ist es ethisch egal, ob man Lernprogramme oder Spam-Generatoren, Einwahlumlenker und Schnüffelprogramme schreibt?

Inhalt

98 | Coin, Teil 3Animierte, interaktive 3D-Welten mit Coin, Qt und C++ entwickeln.

104 | Coffee-ShopPersistente Daten in beliebigen SQL-Datenbanken: Torque erzeugt den nötigen Code aus einer XML-Beschreibung.

108 | Feder-LesenEin einfaches Spiel zeigt praktische Aspekte des Canvas-Widgets.

112 | Perl-SnapshotDigitale Bilder mit Perl archivieren, verwalten und durchsuchen.

Das Programmieren ist eine geistig anspruchsvolle, meist spannende, manchmal auch zähe und schwierige Arbeit, die dann am besten gelingt, wenn der Programmierer geeignete Konzepte kennt und auf ein möglichst umfassendes Repertoire an Anweisungen zurückgreifen kann. Auf den ersten Blick eine durchweg ehrenwerte und moralisch unbelastete Angelegenheit also.

Weniger Zustimmung finden Phänomene, die unter Schlagworten wie Cyber Crime, Totalüberwachung, Info War und Cyber War heftige Diskussionen auslösen. Destruktive und geldgierige Einzeltäter oder Banden auf der einen Seite und machtgierige Regierungen und ihre Dienste auf der anderen verwandeln das Netz der Netze in einen Tummelplatz für Gangster und Geheimdienste.

Spezialisiertes Know-how

Dass solche Aktivitäten auf geeigneter Software und teilweise hochspezialisiertem Know-how basieren ist nahe liegend. Wenn alle Programmierer ausschließlich mit seriösen Aufgaben betraut sind, wer schreibt dann die Mail-Adressen-Scanner, Spam-Generatoren, Einwahlumlenker, Mordspiele, Schnüffelprogramme, Wortfilter, Surf-Spione, Logdatei-Analysten, Wirtschaftsspionage- und Kriegs-Programme, Root-Kits, Viren und Site-Hacks? Beschränkt sich die Szene der IT-Criminals tatsächlich auf ein paar verrückte Wurm-Hacker, die mittlerweile weltweit von Spezialeinheiten gejagt werden?

Vielleicht hängt es allein von der Definitionsmacht einiger weniger Personen und Institutionen ab, welches Handeln als kriminell gilt. Juristisch betrachtet ist das wahrscheinlich der Fall, für die gängige Meinung offensichtlich auch, aber ethisch sieht es anders aus.

Entgegen der stillschweigenden Übereinkunft ist Programmieren eben nicht immer eine ehrenwerte Tätigkeit, es ist nicht unabhängig davon, was man programmiert - Software für ein Mathe-Lernprogramm oder für die Sensorik eines Bombers. Dennoch können, sollen und wollen sich Programmierer offenbar noch der unbefleckten geistigen Empfängnis widmen, die Atomphysikern aus guten Gründen längst versagt ist. Auch in der Welt der weichen Ware ist es Zeit für ein Umdenken. (fj)

Die Autorin

Rita Ortenburger arbeitet seit einigen Jahren als freiberufliche Programmiererin mit unterschiedlichen Sprachen (C, C++, Java ...) und auf wechselnden Plattformen (Unix-Derivate, Linux, NT).

Programmierer-Software

Versionsnummern der aktuellen stabilen Releases am 11.02.2003 und Änderungen gegenüber den beiden Vormonaten.

Skriptsprachen

Guile 1.6.3

NetRexx 2.02

Object Rexx 2.2

Perl 5.8.0

PHP 4.3.0

Python 2.2.2

Ruby 1.6.8

Tcl 8.4.1

Java

Blackdown 1.3.1-02b

IBM Java2 SDK 1.4.0

Jikes 1.18

Kaffee 1.0.7

Sun SDK 1.4.1_01

Compiler

Binutils 2.13.2.1

Clisp 2.30

Free Pascal 1.0.6

GCC 3.2.2

GForth 0.5.0

GNU Pascal 2.1

Intel C++ 7.0

Libraries

Coin 1.0.3

FLTK 1.1.2

glibc 2.3.1

glut 3.7

GTK+ 2.2.1

libpng 1.2.5

libsdl 1.2.5

libstdc++ 3.0.97

libxml 2.5.3

Mesa 5.0

OpenSSL 0.9.7

Qt 3.1.1

wxWindows 2.4.0

zlib 1.1.4

Debugger

Checker 0.9.9.1

Code Medic 1.1.3

DDD 3.3.1

GDB 5.3

Insight 5.3

Valgrind 1.0.4

Build-Tools

Autoconf 2.57

Automake 1.7.2

CVS 1.11.5

Libtool 1.4.3

GNU Make 3.80

SWIG 1.3.17

IDEs

Anjuta 1.0.1

Code Crusader 3.0.3

C-Forge 2.6-2.0

CodeWarrior 6.0

Eclipse 2.0.2

Emacs 21.2

KDevelop 2.1.5

Kylix 3

Motor 3.2.4

Source-Navigator 5.1.2

VIDE 1.24

VIM 6.1

XEmacs 21.4.12

XWPE 1.5.29a

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