KDE 3 - Praxisführer zur graphischen Benutzerumgebung
für Linux/Unix
Tux liest
von Ralph Steyer
Erschienen im Linux-Magazin
2003/01
KDE 3 hat sich bei fast allen Distributionen durchgesetzt. Nun decken die Buchverlage mit neuen Veröffentlichungen das Thema ab. SuSE Press schickt einen Praxisführer mit mehr als 660 Seiten ins Rennen. Trotz einiger Längen ist das Werk gelungen und daher zu empfehlen.
Obwohl der Umschlag als Zielgruppe explizit Einsteiger vorsieht, bietet das Buch gleichermaßen Ein- und Umsteigern (ob Windows, ob Mac) als auch den bereits versierten Linux-/Unix-Benutzern fundierte Informationen für den Umgang mit KDE. Zusätzlich behandelt der Autor zahlreiche assoziierte Randthemen, die weit über die reine Oberflächenarbeit auf der Ebene des KDE hinausgehen. Das gesamte Themenspektrum reicht von der Einführung in das Umfeld der freien Software bis zur Programmierung des KDE.
Rückblick
Die Einführung in die KDE-Welt beginnt mit einigen historischen Ausführungen, die - neben der Entstehung des KDE-Projekts - auch das GNU-Projekt sowie den Gnome-KDE-Konflikt behandeln und dem Linux-Neuling einen gelungenen Einblick in die oftmals doch sehr dogmatisch erscheinenden Streitigkeiten der verschiedenen GNU/Linux-Lager geben. Und obwohl es ein KDE-Buch ist, zeigt sein Autor viel Verständnis für die anderen Projekte.
Der zweite Abschnitt beginnt in Kapitel 4 mit der Installation und beschreibt in Kapitel 5 den ersten Start von KDE. Der dritte Abschnitt führt bis zum Kapitel 12 die Einrichtung von KDE substanziell voran. Dabei bezieht sich das Werk sowohl auf spezifische Distributions-Tools wie Yast als auch auf davon unabhängige Möglichkeiten. Natürlich kommen auch KDE-Tools zu ihrem Recht.
Zwar steht neben KDE selbst auch die SuSE-Distribution über das gesamte Buch hinweg im Vordergrund (immerhin ist es ein Buch von SuSE Press), das passiert aber nicht unkritisch, außerdem behandelt das Buch KDE auch im Rahmen anderer Distributionen.
Dem Autor gelingt zudem über weite Bereiche der Spagat, umfassende Informationen zu sammeln und zu erläutern und dennoch unterhaltsam zu schreiben. Nur an wenigen Stellen fordert die Ausführlichkeit der Erläuterungen ihren Tribut, zum Beispiel bei den Standardelementen von KDE und einigen, doch recht trivialen Vorgängen der Konfiguration. An diesen Stellen wird versierten Linuxern langweilig.
In dem folgenden Abschnitt behandelt der Autor die Grundlagen der Arbeit mit KDE. Hier geht er auf Besonderheiten von KDE-Programmen und -Dokumenten ein, beschreibt Details zum Konqueror und zur Dateiverwaltung und behandelt Drucken und Faxen, Schriftenverwaltung, Multimedia und die Befehlszeile. Dabei wird das Buch etwas indifferent: Welcher Zielgruppe soll dieser Abschnitt nutzen?
Details: Zu viel des Guten
Der Vollständigkeit bei jedem Detail wird weit mehr als Genüge getan. Einsteiger müssen schon einen ziemlich langen Atem und viel Interesse an Details haben, um sämtlichen Ausflügen zu Gear und CVS, allgemeinen Verhaltensweisen von X11-Programmen, diversen Editoren, MDI versus SDI oder allen Menü-Feinheiten und ähnlichen Spezialitäten zu folgen und dabei auch noch genügend Nutzen für die praktische Arbeit zu ziehen.
Es fällt einfach schwer, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Die etwas versierteren Leser müssen sich dagegen die für sie interessanten Fakten unter den vielen Ausführungen für Einsteiger erst einmal zusammensuchen.
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