Lire
Unter Unix ist es Tradition, dass Vorgänge im System und Dienste wie Webserver, Mailserver oder Datenbanken eigene Logfiles führen, in denen sie ihre Aktivitäten protokollieren. Damit können Administratoren diese Vorgänge auf dem System nachvollziehen. Solche Logfiles können aber schnell große Ausmaße annehmen - was ihre Handhabung erschwert. Auch wenn sie meist in Ascii-Form vorliegen, sind Dateien von mehreren MByte Größe nicht mehr leicht zu überblicken.
Hinzu kommt, dass im Normalfall aus Daten erst Informationen werden, wenn eine bestimmte Fragestellung auf sie angewandt wird. Für die Beantwortung wird in der Praxis der größte Teil der Daten meist ganz irrelevant sein, aber er begräbt die gewünschten Informationen unter sich. Spezielle Programme sollen dieses Problem lösen und bei der Analyse von Logfiles helfen (siehe Abbildungen 3 und 4).
So trafen sich am 6. April 2000 Informatiker aus mehreren holländischen Unternehmen, um die ermüdende Tätigkeit der Logfile-Analyse zu diskutieren. Dabei wurde klar, dass jeder glaubte, das Rad aufs Neue erfinden müssen. Um dem ein Ende zu bereiten, begann das Logreport-Team damit, ein Programm als freie Software unter der GNU General Public License (GPL) zu schreiben, das diese Aufgaben im professionellen Umfeld erledigt. Fast zwei Jahre später wurde Lire 1.0 [11] veröffentlich. So wie bei Douglas Adams die "elektrischen Mönche" die langweilige Pflicht des Glaubens erledigen, will Lire den Administratoren die langweilige Aufgabe des Logfile-Lesens abnehmen. Daher auch der Name, denn das französische lire heißt auf Deutsch lesen.

|
Abbildung 3: Lire hilft Logdateien automatisch und standardisiert zu bearbeiten.
|
Das Programm ist in Perl und Bash geschrieben und setzt massiv auf XML. Es arbeitet in vier Schritten: Zunächst werden die Logfiles in einem Distilled Log Format (DLF) normalisiert, um anschließend im zweiten Schritt mit generischen Tools für verschiedene Dienste analysiert zu werden. Das Ausgabeformat ist XML, das sich in einem vierten Schritt in das jeweils gewünschte Logfile-Format überführen lässt. Zurzeit gibt es Eingabefilter für 29 verschiedene Dienste, aber es werden stetig mehr. Ein neuer Dienst lässt sich einfach hinzufügen, indem man einen entsprechenden Konverter für das DLF-Format schreibt.
Zu den besonderen Stärken zählt der modulare Aufbau von Lire, der es beispielsweise erlaubt, verschiedene Implementationen desselben Dienstes, also zum Beispiel die MTAs Exim und Postfix, miteinander zu vergleichen. Lire hat sich bereits im praktischen Unternehmenseinsatz mit Logfiles von mehreren GByte bei Performance-Messungen, Systemüberwachung, Problemlösung und Marketing bewährt, kann also bereits als stabil gelten.
Als Schwäche des Projekts sieht Josh Koenig, der die Fragen der Brave GNU World beantwortet hat, das API, mit dessen Verständlichkeit und Dokumentation er noch nicht zufrieden ist. Neben einem benutzerfreundlichen GUI ist dies das Hauptaugenmerk der weiteren Entwicklung. Hilfe dazu und bei der Erweiterung um neue Formate ist herzlich willkommen. Außerdem soll Lire gerade in mittleren bis großen Unternehmen populär gemacht werden.
Das ständige Logreport-Development-Team besteht aus Joost van Baal, Francis Lacoste, Egon Willighagen, Josh Koenig und Wessel Dankers, es haben sich aber viele Entwickler aus der ganzen Welt an Lire beteiligt. Die Logreport Foundation, eine in Holland angesiedelte gemeinnützige Organisation, betreut das Projekt. Nebenbei zeigt es einen wesentlichen volks- und betriebswirtschaftlichen Vorteil freier Software: die Vermeidung von Mehrfacharbeit.

|
Abbildung 4: Lire wandelt Logfile-Inhalte in einem mehrstufigen Prozess ins gewünschte Ausgabeformat um.
|
Ksrc2html
Ksrc2html [14] von Martin Gebert ist eine grafische Benutzeroberfläche für GNU Source Highlight, die ebenfalls unter der GNU General Public License (GPL) als freie Software verfügbar ist. Wie der Name bereits verheißt, basiert Ksrc2html auf C++, Qt und KDE 2, ein Update auf KDE 3 ist geplant. Ksrc2html erlaubt eine Vorschau auf die Formatierung, um eingestellte Parameter besser kontrollieren zu können, sowie auf Farben und Schrifttypen, um sie per Dialog einzustellen und für die spätere Verwendung abzuspeichern.
Dank der Hilfe von Xavier Outhier, der die französische Übersetzung übernommen hat, ist Ksrc2html in Deutsch und Französisch lokalisierbar. Martin stuft das Projekt als stabil ein und plant, den Dialog für Farben und Schriftstile um eine automatische Sprachanpassung zu erweitern. Hilfe bei der Portierung nach KDE 3 ist ihm sehr willkommen.

|
Abbildung 5: Ksrc2html: Syntax-Highlight nach Wahl.
|
| Whitepaper |
|
Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele (Folge 2)
Der zweite Teil des Open Source Datenintegration in der Praxis: Fallstudien und Anwendungsbeispiele White Papers beleuchtet anhand weiterer ausgewählter Case Studies die Implementierung von Open Source Datenintegration in der Praxis und benennt die daraus resultierenden Vorteile.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
|
Usage Landscape Enterprise Open Source Data Integration
Die Nachfrage nach Datenintegrationslösungen für Unternehmen ist zunehmend gestiegen und vor allem das Interesse an Open Source Technologien wird immer größer. Doch wie und von wem werden Open Source Datenintegrationslösungen genutzt und welches Nutzungsverhalten lässt sich daraus ableiten? Das vorliegende White Paper präsentiert die Erfahrungswerte von über 1000 Open Source Nutzern und liefert fundierte Antworten auf diese Fragen.
Download PDF (Registrierung erforderlich)
|
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links"
nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedrucken Fassung entsprechen.
|