Einstieg in Python
Tux liest
von Fred Andresen
Erschienen im Linux-Magazin
2002/12
Zope ist ein freies Framework für die Entwicklung von Web-Applikationen und fast vollständig in Python geschrieben, einer modernen, objektorientierten Skriptsprache. Jetzt ist bei Galileo Computing ein Buch von Thomas Theis erschienen, das beide zusammen behandelt.
Der Buchumschlag verspricht eine Einführung in Python und Zope. Es ist mehr - es ist ein Rundumschlag, in dem nicht nur die Programmiersprache vermittelt und das freie Content-Management vorgestellt wird, es geht zugleich um die Grundlagen von HTML/DTML und SQL-Datenbanken.
Python ist eine objektorientierte interpretierte Programmiersprache, die der Niederländer Guido van Rossum erdacht hat. Zope ist ein Werkzeug, mehr ein System für den Aufbau von Web-Applikationen. Zope integriert einen Webserver sowie eine relationale Datenbank und unterstützt Skriptsprachen wie Python und Perl. Es ist selbst fast ausschließlich in Python geschrieben.
Python knapp und prägnant
Den Anfang des Buchs macht ein Python-Programmierkurs, der nur strukturierte Programmierung vermittelt und die objektorientierte außen vor lässt. Das widerspricht dem Trend und anderen Lehrbüchern, hat aber den Vorteil, dass der Stoff flott dargestellt wird und für Anfänger verständlich bleibt.
Die Unterkapitel des Programmierkurses schließen jeweils mit Übungsaufgaben. Die Aufteilung des Lehrstoffs in kleine Einheiten schafft zusätzlich einen hohen Lerneffekt. Den kann der Leser noch verstärken, indem er experimentiert und Übungen abwandelt, wozu ihn die knappen Aufgaben geradezu verleiten. Die vielen Beispielprogramme, die zunehmend umfangreicher, aber nie zu kompliziert werden, profitieren von der dargestellten Programmiersprache: Python rückt Verzweigungen, Schleifen oder Exceptions schon im Quellcode ein.
Zwei weitere Kapitel behandeln numerische und sequenzielle Objekte. Das hat allerdings noch nichts mit objektorientierter Programmierung zu tun, sondern bezeichnet verschiedene komplexe Datentypen. Die braucht man gleich für die erweiterten Programmiermöglichkeiten Pythons im nächsten Kapitel - natürlich mit vielen Beispielen.
Viel zu kurze 16 Seiten führen in die objektorientierte Programmierung ein; die Ansätze von Klassen und Instanzen, Eigenschaften und Methoden, Vererbung & Co. werden dennoch klar. Es scheint auch, als ob ausschweifendere Erklärungen dem Verständnis der OOP nicht zwangsläufig dienlich sind. Der Python-Teil schließt mit der Programmierung von Benutzeroberflächen. Hier erfährt der angehende Python-Guru wie er anklickbare Buttons in Fenster zaubert.
Application- und Content-Management mit Zope
Im letzten Drittel des Buchs geht es um Zope. Das Content- und Application-Management-System gemeinsam mit Python darzustellen ist nur logisch, baut doch Zope wesentlich auf der Programmiersprache auf. Hier steht, wie man dynamische Websites erstellen und deren Inhalte mit relationalen Datenbanken in Bezug setzen kann.
Als Beispieldatenbank dient das populäre MySQL, das auch auf der dem Buch beiliegenden CD enthalten ist. Dort findet man neben Python, Zope und den Beispielen aus dem Buch auch noch den Apache-Webserver und PHP. Unklar bleibt, warum der Autor zwischen zwei Kapiteln, die sich mit dem Datenbankzugriff befassen, eine Darstellung von HTML einzwängt. Außerdem ist schade, dass der objektorientierten Programmierung nicht mehr Raum zuteil wird, könnte man doch mit etwas mehr OOP-Kenntnissen dem Zope, das den zweiten Schwerpunkt im Buch bildet, noch viel mehr Leistung entlocken.
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