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X für ein W

Bei der Portierung von XFree86 auf Windows handelt es sich zweifelsohne um einen der größten Erfolge des Cygwin-Projekts. Cygwin/XFree86 macht es theoretisch möglich, von kleinen Programmen wie »xclock« über Window-Manager à la »fvwm« bis hin zu ganzen Desktopumgebungen wie KDE alle mögliche Unix/Linux-Software mit der Cygwin-DLL zu betreiben. Das kommt nicht nur allen entgegen, die ihren Windows-Arbeitsplatzrechnern das Aussehen des heimischen Linux-Desktops verpassen wollen, sondern auch jenen, die schnell mal ein X-Client-Programm auf einem entfernten Unix-Rechner starten und auf dem Windows-Desktop anzeigen lassen wollen: »ssh« mit X11-Forwarding macht dies, eine entsprechend schnelle Internetverbindung vorausgesetzt, möglich (Abbildung 2).

Die Installation von Cygwin/XFree86 entpuppt sich dabei als genauso einfach wie die von Cygwin selbst: Sollten Sie das Gespann bei der Erstinstallation nicht ausgewählt haben, starten Sie »setup.exe« erneut, geben die gleichen Daten ein wie zuvor und selektieren bei der Paketauswahl den Eintrag »XFree | XFree86-base«. Unter demselben Menüpunkt finden sich auch andere vorkompilierte Programme für Cygwin/XFree86, zum Beispiel »fvwm« und Window Maker. Das Cygwin-unterstützte X11 läuft sehr stabil und könnte somit eine echte, frei verfügbare Alternative für alle Anwender sein, die auf der Suche nach X-Servern für Windows bislang auf teure kommerzielle Implementationen von X11 zurückgreifen.

Doch so schön die Cygwin-Welt auf den ersten Blick auch aussieht, die Sache hat einen Haken: Um Windows-Unzulänglichkeiten zu umgehen, gelangte Programmcode in die Cygwin-Bibliothek, der Modifikationen am Sourcecode der Linux-Programme notwendig macht. Größtenteils betrifft das die Limits für Datei- und Speichergrößen.

Damit eine etwas komplexere Unix-Software unter Cygwin läuft, verlangt dies folglich aktive Entwicklungsleistung, die nicht jedes Open-Source-Projekt aufbringen kann oder will. Während die erforderlichen Anpassungen sich bei kleineren Projekten noch im Rahmen halten, überlassen große wie KDE und Gnome diese Aufgabe (besonders mit Blick auf sich häufig ändernde Programmierschnittstellen) anderen Entwicklern oder gar Teams [4], [5].


Abbildung 2: KDE 3 per X11-Forwarding unter Cygwin/XFree86.

Zukunftsmusik

Doch auch bei Cygwin selbst gibt es noch einiges zu tun: Auf der To-do-Liste des Projekts stehen IPv6-Unterstützung und 64-Bit-Fähigkeit, aber auch bessere Performance und noch mehr Stabilität. Abgesehen davon steht und fällt vieles mit der Erschließung neuer Programme für Cygwin - ein Ziel, das sich allerdings nur in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Software-Autoren realisieren lässt. (pju)

Infos

[1] VMWare: [http://www.vmware.com/]

[2] Wine-Projekt: [http://www.winehq.com/]

[3] Cygwin-Download: [http://cygwin.com/]

[4] KDE für Cygwin: [http://kde-cygwin.sourceforge.net/]

[5] Gnome für Cygwin: [http://homepage.ntlworld.com/steven.obrien2/]

[6] Cygwin/XFree86: [http://cygwin.com/xfree/]

[7] Hans-Georg Eßer: "Unix-Tools unter Windows", LinuxUser 06/00, S. 12 ff.: [http://www.linux-user.de/ausgabe/ 2000/06/012-migration-windows/012-migration-windows.html]

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