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Entwicklerkonferenz Fosdem in Brüssel

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von Ulrich Wolf
Erschienen im Linux-Magazin 2002/04

Mono, Mozilla und die Diskussion um Softwarepatente waren die zentralen Themen der Entwicklerkonferenz Fosdem in Brüssel am 16. und 17. Februar. Guido van Rossum erhielt für Python den FSF-Award.

Es kann so einfach sein: Der Veranstaltungsname bekommt den Buchstaben F vorangestellt, und schon kommt Richard Stallman (FSF) als Keynote Speaker und kann einen Preis verleihen. In diesem Jahr wurde aus dem Entwicklertreffen Osdem in Brüssel die Fosdem (Free and Open Source Software Development Meeting). Das ist zwar ein Titel nach dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", doch letztlich - what's in a name? Entscheidend sind die Qualität der Vortragenden, die Themen und die angenehme, an Konzepten und Technik orientierte Atmosphäre.

Genau wie im letzten Jahr glänzte die Konferenz mit großen Namen aus der internationalen Entwickler-Community. Miguel (I like Microsoft) Icaza referierte über Mono, Michael Meeks hielt einen - im physischen Sinne äußerst bewegten - Vortrag über Gnome 2 und der Security-Experte Experte David Wheeler sprach über Konzepte des sicheren Programmierens. Selbst ein paar KDEler waren in Brüssel vertreten, vor allem jedoch Gnome- und Mozilla-Entwickler. Die Veranstalter gehen davon aus, dass insgesamt mehr als 1500 Leute die Fosdem besuchten, von denen eine erhebliche Anzahl an freien Projekten beteiligt ist.


Abbildung 1: Hochkarätige Vorträge und ein gelungener Themenmix garantierten auf der Fosdem gut gefüllte Hörsäle.

Kein Patentrezept gegen Patente

Ganz ohne Politik ging es dann doch nicht ab, vor allem der Vorschlag der EU-Kommission zu Softwarepatenten warf seine Schatten voraus. Mit Phillippe Aigrin war zwar ein kompetentes Mitglied aus dem Beraterstab der Kommission anwesend. Er hielt sich jedoch wegen der bevorstehenden Entscheidung der Kommission mit konkreten Aussagen erkennbar zurück. So wurde die Diskussion von den FSF-Vertretern schnell auf die ethische und prinzipielle Ebene geholt. Die Gefahren, die Patente auf Software und Ideen mit sich bringen, wurden zwar wortreich beschworen, wie aber nun der Stier bei den Hörnern zu packen sei, auf dem Europa in Richtung amerikanisches Patentrecht reitet, darüber war wenig zu hören.

Am Ende des ersten Tages bekam Guido van Rossum für Python den jährlichen Award der Free Software Foundation verliehen. Die Zeremonie verlief ausgesprochen unfeierlich, was wohl der etwas chaotischen Organisation geschuldet war. Guido van Rossum nahm die Trophäe mit den Worten entgegen, er freue sich, dass auch Open-Source-Software einen FSF-Award erhalten könne. Bekanntlich ist Guido van Rossum in der "Open Source Initiative" aktiv.

Der am besten besuchte Fachvortrag kam - erwartungsgemäß - von Miguel Icaza, der erstmals die technischen Details von Mono vor einem großen Publikum erklärte. "Ich bin kein Genie, aber sehr gut darin, gute Ideen anderer umzusetzen." Dieses Zitat am Ende seines Vortrags gibt Aufschluss darüber, worum es bei Mono wirklich geht: Weiterverwendung bereits geschriebener Komponenten zusammen mit neuen - und das unabhängig von der Sprache.


Abbildung 2: Guido van Rossum erhielt für die Skriptsprache Python den Free Software Award 2002.

Mono ist nicht gleich .NET

Die plattformübergreifende Bytecode-Kompatibilität zwischen der Windows- und Unix-Welt wird zwar gern in Kauf genommen, war aber für die Entscheidung nicht ausschlaggebend. Miguel tauchte in seinem Vortrag in die Tiefen des Just-in-time-Compilers ein, streifte dessen Sprache C# aber nur am Rande. Größten Wert legt er darauf, dass .NET in erster Linie ein Marketing-Begriff von Microsoft ist, das .NET-Framework jedoch, das mit Mono neu implementiert wird, sei nutzbare und schöne Technologie, die viele Probleme der Entwickler lösen kann. Hailstorm, Passport und andere Teile von Microsofts .NET-Strategie werden von Mono nicht berührt.

Das gegenwärtig omnipräsente Thema Peer-to-Peer-Computing wurde unter anderem durch Andy Oram vom Verlag O'Reilly vertreten, der das Pech hatte, zeitgleich zu Miguel Icaza vortragen zu müssen. So verirrten sich nur ungefähr 30 Zuhörer in den Saal. Überhaupt war das Veranstaltungsprogramm mehr als dicht gepackt. Zeitweise vier offizielle Vorträge parallel und dazu zahlreiche Präsentationen innerhalb der freien Projekte - nichts für Leute, die sich schwer entscheiden können.

Die Vorträge deckten ein sehr breites Spektrum ab, die Veranstalter scheuten sich nicht, exotische Themen wie Quantencomputing mit aufzunehmen, andererseits gab es auch genug klassische Entwicklervorträge wie den von Philip Hazel über die Version 4.0 seines nahezu im Alleingang entwickelten MTA Exim. Auffallend war die hohe Besucherzahl auch bei dieser Art von Vorträgen.


Abbildung 3: Miguel Icazas Vortrag über Mono gehörte zu den am besten besuchten auf der Fosdem.


Abbildung 5: Bruno Marchal entführte die Zuhörer in die Welt der Quantencomputer.


Abbildung 4: Philip Hazel von der Universität Cambridge stellt die Version 4 seines Mailservers Exim vor.

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