Kernel-Interna für Netzwerkprofis
Tux liest
von Wilhelm Dolle
Erschienen im Linux-Magazin
2002/03
Funktionierende Netzwerke mit Linux aufbauen ist nicht besonders schwer. Wer zudem noch wissen will, was dabei unter der Motorhaube des Linux-Kernels passiert, bekommt im Bereich der Netzwerkprotokolle jetzt eine passende Informationsquelle.
Einer der vielen Gründe für den wachsenden Erfolg von Linux ist, dass das Netzwerk-Subsystem im Kernel viele verschiedene Protokolle unterstützt. Das macht Linux leicht in heterogene Umgebungen integrierbar. Für versierte Anwender, Administratoren, Studenten und Entwickler, die sich genauer für die im Kernel eingesetzten Netzwerkkonzepte und -techniken interessieren, bietet Linux als quelloffene Software eine ideale Test- und Produktivplattform.
Zwar gibt es einige gute Bücher, die sich mit der Architektur des Kernels selbst beschäftigen, aber in denen wird die Netzwerkimplementierung meist recht stiefmütterlich behandelt. Diese Lücke möchten die Autoren, alle sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Telematik der Universität Karlsruhe, durch das gut 700 Seiten starke Buch "Linux Netzwerkarchitektur" schließen.
Rasanter Start
Um es vorweg zu sagen - kein Buch für Neulinge. Die Leserschaft sollte zumindest Grundkenntnisse über Netzwerktechniken, Programmierung und den Linux-Kernel im Allgemeinen besitzen. So halten sich die Autoren auch nur kurz damit auf, Wissen über die Struktur des Kernels an sich und dessen Aktivitäten, etwa Prozess- und Systemaufrufe, Laden von Modulen oder Speicherverwaltung, aufzufrischen. Es folgt gleich eine schon etwas ausführlichere Grundlagendarstellung der Linux-Netzwerkarchitektur, die nacheinander auf die Basiskonzepte von Kommunikationssystemen, die Verarbeitung von Netzwerkpaketen im Kernel sowie die Verwaltung und Benutzung von Netzwerkgeräten und -treibern selbst eingeht.
Unter Kernels Haube
Der Hauptteil des Buches umfasst ungefähr 450 Seiten und behandelt die einzelnen Schichten des ISO/OSI-Basisreferenzmodells und die jeweils bei diesen Schichten angesiedelten Protokolle. Auch wichtige neue Entwicklungen finden hier ihren Platz: So gibt es nicht nur umfangreiche Kapitel über PPP, IP, TCP oder UDP, sondern auch über Bluetooth und IPv6.
An sicherheitsbewusste Leser richtet sich ein Kapitel über Paketfilter und Firewalls, das auf die Gemeinsamkeiten, Vor- und Nachteile der Ipchains- und Netfilter-Architektur im Kernel eingeht. Den oft in sicheren Systemen eingesetzten Techniken Connection Tracking und Network Address Translation widmen sich die Autoren ebenso ausführlich wie der Möglichkeit, den Kernel selber um eigene Module zu erweitern.
Die Unterkapitel beginnen meist mit einer Beschreibung des Protokolls und stellen danach Funktionen aus dessen Implementierung im Kernel vor. Sehr gut gefällt dabei, dass zu jeder Funktion angegeben wird, in welcher Datei sie in den Kernelquellen zu finden ist; so kann man bei Bedarf gleich während des Lesens die passenden Stellen im Quelltext nachschlagen. Für bequeme Leser beschreiben die Autoren im Anhang den beliebten LXR-Quelltext-Browser, der einfaches Navigieren in den Kernelquellen erlaubt. Viele Quelltextbeispiele im Buch helfen dabei, Anwendung und Arbeitsweise der behandelten Funktionen zu verstehen.
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