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John Ousterhout, der Vater von Tcl. Mit "Tcl/Tk for Dummies" hat er aber offenbar noch Probleme.
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John Ousterhout, der geistige Vater der Sprache, war auch viele Jahre ihr Hauptentwickler. Er entwarf die Grundlagen als Professor an der Universität von Berkeley, bevor er mit einem Entwicklerteam zu Sun Microsystems wechselte. Dort schuf das Team den Bytecode-Compiler und machte erste Schritte in Richtung Unicode. Bevor mit Tcl 8.1 die Internationalisierung vollendet war, verließ Ousterhout jedoch Sun, um die eigene Firma Scriptics ins Leben zu rufen.
Scriptics hatte das Ziel, Entwicklungswerkzeuge (Tcl Pro) und professionellen Support für Tcl zu verkaufen. Damit sollte auch die Weiterentwicklung der Sprache finanziert werden. Unter der Ägide von Scriptics wurden die Releases 8.1 bis 8.3 entwickelt. Allerdings war der Verkauf von Tcl Pro wohl nicht ausreichend, um damit die hauptberuflichen Tcl-Entwickler zu finanzieren.
Das ist ein klassisches Dilemma von Firmen im Open-Source-Umfeld, ein ähnliches Problem stellte sich vor kurzem bei Python. Scriptics wurde deshalb in Ajuba Solutions umbenannt. Neuer Schwerpunkt war der Verkauf von B2B-Produkten (Business-to-Business), mit denen sich Datenbanken per XML ins Internet integrieren lassen. In der Folge kannten sich die Entwickler bei Ajuba wohl zu gut mit XML aus - die ganze Firma wurde schließlich von Interwoven übernommen, einem großen Hersteller von B2B-Software, der allerdings an der Weiterentwicklung von Tcl kein Interesse hat.
Wie stellt sich die Situation für Tcl etwa ein halbes Jahr später dar? Schon zu Ajubas Zeiten hatte Ousterhout den Stammsitz der Tcl-Quellen zu Sourceforge verlagert. Dort finden sich übrigens neben dem Interpreter etwa 200 weitere Projekte, die Tcl-Werkzeuge oder Erweiterungen entwickeln. Hierzu gehören auch die Werkzeuge der Tcl-Pro-Suite. Da Interwoven die Kronjuwelen von Scriptics nicht vermarkten wollte, wurden sie noblerweise als Open Source veröffentlicht.
Die Lagerung der Quellen ist die eine, auf der anderen Seite galt es, die Leitung aus den Händen eines wohlwollenden Diktators in die der Entwicklergemeinde zu geben. Die Lösung ist das Tcl Core Team (TCT). Die Tcl-Nutzer hatten im Internet bestimmt, wer Mitglied im TCT ist und damit über die Richtung der Weiterentwicklung bestimmt. Vorschläge für Entwicklungen (meist inklusive der Lösung) werden als Tcl Improvement Proposal (TIP) eingereicht. Nach einer Diskussion in der öffentlichen Mailingliste stimmen die TCT-Mitglieder darüber ab.
Mit diesem Verfahren hat die Weiterentwicklung inzwischen ein beachtliches Tempo aufgenommen. Dennoch hätte der Wegfall der von Scriptics bezahlten hauptamtlichen Tcl-Entwickler natürlich eine große Lücke hinterlassen. Doch hier sprang die Firma Active State ein. Sie ist schon bei Perl- und Python-Anwendern für Support und Portierungen bekannt, mit Tcl hat sie nun alle drei großen Skriptsprachen im Angebot. Mit Jeffrey Hobbs und Andreas Kupries sind inzwischen zwei prominente Tcl-Entwickler bei Active State gelandet.
Von Active State wird es in absehbarer Zeit auch die Batteries-included-Distribution geben, mit der das ewige Suchen nach der passenden Erweiterung ein Ende haben soll. Zur Zeit wird gerade an der Tcl-Version 8.4 gearbeitet, eine neue Alpha-Release sollte schon bei Drucklegung dieses Heftes auf Sourceforge bereitstehen. Sowohl in der Mailingliste des TCT wie auch in der Newsgruppe Comp.lang.tcl ist jedoch schon ein erstes Donnergrollen für Tcl 9.0 zu vernehmen. Man kann noch einiges erwarten.
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