Isoliermaterial
Handwerkszeug
von Friedemann Schorer
Erschienen im Linux-Magazin
2001/06
Es war kalt in den letzten Monaten - wohl dem, der seine Wohnung genug isoliert hatte. Wir stellen hier ein paar Dämm-Materialien vor, die nebenbei auch noch den Horizont erweitern.
Der Büchermarkt für Linux wird zusehends voller. Der interessierte Linuxer kann inzwischen aus einer großen Menge spezieller Titel zu einem Thema aussuchen - eine "Bibel" für ein bestimmtes Thema wird seltener. Dafür wächst aber die Zahl der Neuformulierungen von alten Stoffen, was ja manchmal von Vorteil ist.
Locker vom Hocker
Samba wird dem geneigten Leser dieser Zeilen wahrscheinlich ein Begriff sein. Wer sich damit schon einmal näher befasst hat, der hat wohl auch die eine oder andere Hürde bei der Einrichtung nehmen müssen. Die HOWTOs zu diesem Thema sind häufig etwas knapp bemessen und für Anfänger oft nur mäßig verständlich. "Samba für Dummies" möchte hier Abhilfe schaffen.
Wer die erste Seite überblättert, versäumt schon das erste Bonbon: Ein prima Spickzettel zum Ausschneiden mit Erläuterungen zu den wichtigsten Programmen und Dateien, die in dem Buch zur Sprache kommen.
Das sehr ausführliche Inhaltsverzeichnis verrät die Einteilung: Sinnvollerweise beginnen die Autoren mit Vorbereitungen für den Tanz, schreiben dann ein wenig über die Grundkonfiguration, und zwar sowohl unter Linux als auch bei den Windows-Clients (Windows95/98, NT und 2000). Auch die inzwischen verfügbaren Programme für die Administration eines Samba-Servers werden ausgiebig besprochen. Zum Abschluss folgen noch Benutzerverwaltung, Freigaben und Passwörter.
Dann geht's an das Feintuning: Leistungssteigerung, Netzwerk-Topologie und Domänen sind die Stichwörter. Auch dabei wurde auf Verständlichkeit Wert gelegt.
Wer sich schon länger mit Linux beschäftigt, kann ein Lied davon singen: Fehlerbeseitigung ist oft mühsam und langwierig. Umso mehr ist zu begrüßen, dass Anfänger hier eine gute Anleitung zum Eingrenzen der Fehlerquelle finden. Sie fängt bei ifconfig an, tastet sich vor durch Server- und Client-Einstellungen und lässt auch die Logdateien nicht links liegen. Wer immer noch nicht genug hat, findet auch Kapitel über Sicherung und zum Backup des Servers.
Den Abschluss bilden einige Abschnitte, die bei der Fehlersuche helfen und Hinweise zur Administration liefern - kurz als "der Zehnerteil" bezeichnet: Der Anfang behandelt zehn fast gewöhnliche Fehler, denen noch die Samba-Optionen folgen. Abschließend bieten die Anhänge noch Erläuterungen zu Netzwerkhardware, Software-Aktualisierung, Internet-Seiten zum Thema und eine (kurze) Einführung ins Shell-Scripting sowie die Inhaltsangabe der CD. Sie enthält neben sehr aktuellen Samba-Paketen für SuSE, Debian und Red Hat noch Programme wie Swat, Crack, Webmin, Nessus und andere - das ernsthafte Arbeiten und Absichern wird so wirklich erleichtert.
"Samba für Dummies" lädt dazu ein, einfach loszuschmökern und dann auch auszuprobieren. Die Anleitungen sind kurz, prägnant und sinnvoll gegliedert - ein Konzept, das für die gesamte Dummies-Reihe gilt und wohl einen guten Teil zum Erfolg dieser Bücher beiträgt.
Dem Anfänger werden die notwendigen Schritte gut und nur mit dem notwendigen Maß an Fachbegriffen erläutert, der Fortgeschrittene wird die Antworten auf seine Fragen schnell finden. So sollten sich beim Nachvollziehen der Beispiele recht bald Erfolgserlebnisse einstellen, so dass der Spaßfaktor ebenfalls stimmt. Und wenn mal was nicht klappt, steht das Fehlerkapitel mit Rat und Tat zur Seite. Kurzum: ein gelungener Tanzkurs.
Zwergenaufstand
Über das Erscheinen der neuen Versionen von KDE ist das andere freie Desktop-Environment zwar ein wenig in den Hintergrund gerückt, doch das wird kaum so bleiben. Wer sich genauer in Gnome einarbeiten möchte, der findet in "Gnome" von Howard Fuhs und Markus Hasenbein Rat und Hilfe.
Auf 320 Seiten wird ein Rundumschlag von der Installation (dieser Abschnitt geht ausschließlich auf SuSE Linux 7.0 ein) über Konfiguration und Anwendung bis hin zur Erstellung eigener Gtk-Themes angeboten, auf dem der Leser einen guten Gesamteindruck erhält. Bei den drei letzten Themen wird allerdings nur auf den Einsatz unter Red Hat 6.0/6.1 eingegangen, wobei die Kommandozeile keine Erwähnung findet - ob das ausreicht und die Probleme dennoch allesamt lösbar sind, entzieht sich allerdings der Kenntnis des Rezensenten.
Fuhs und Hasenbein liefern mit ihrem Werk eine sehr umfassende Dokumentation über jenen Desktop, der zur Zeit in Amerika stärker verbreitet ist als bei uns. Es wird viel und sehr ausführlich erläutert und nichts ausgelassen, sogar Toys wie das Fish-Applet werden erwähnt.
Was ein wenig fehlt, ist die Spritzigkeit, die nötig ist um Leser für etwas zu begeistern. Wer gute und solide Informationen sucht, wird mit Sicherheit fündig. Leider ist die sonst nur lobenswerte Solidität manchmal etwas erdrückend. Als Online-Dokumentation zum Desktop wäre der Inhalt mit Sicherheit exzellent - aber auch hier gilt: Jeder entscheide selbst.
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