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Grafische Benutzerschnittstelle ohne X-Server

Zwergen-Makeup

von Michael Engel
Erschienen im Linux-Magazin 2001/03

Auf PDAs hat sich Linux immer noch nicht so recht durchgesetzt. Zwar läuft der Kernel mittlerweile auf vielen Geräten erfreulich stabil, doch eine Kommandozeile allein macht nicht glücklich. Neben Micro Windows/Nano-X ist auch Qt/Embedded ein interessanter Kandidat, um dem LC-Display Leben einzuhauchen.

Ohne Applikationen bleibt auch der bestausgestattete PDA nur ein schönes Spielzeug für Technikfreaks. Zeitgemäße Anwendungen brauchen jedoch Grafik-Bibliotheken, auf denen sie aufsetzen können. Von den diversen Entwicklungen der letzten Monate hat Qt/Embedded wohl die größte Aufmerksamkeit erregt -- zumal in Europa, wo der Anteil der KDE-Anwender deutlich höher zu sein scheint als in den USA.

Qt/Embedded

Bei Qt/Embedded handelt es sich um eine Entwicklung der norwegischen Firma Trolltech, die mit der bekannten Qt-Library die Grundlage für den KDE-Desktop und die zugehörigen Applikationen geschaffen hat. Qt wurde aber nicht nur einfach für die verschiedenen Prozessorarchitekturen der PDAs (zum Beispiel StrongARM oder MIPS) kompiliert, vielmehr hat man sich in Norwegen einige Gedanken darüber gemacht, wie bei weitgehender Kompatibilität ein Optimum an Leistung bei einem Minimum an verwendeten Ressourcen bei einem Embedded System zu erreichen ist.

Architektur

Im Gegensatz zum großen Qt, das auf vielen X11-Libraries basiert, hat Qt/Embedded reichlich abgespeckt. Die Abhängigkeit von X11 und der Xlib bedingt nämlich einen erheblich gesteigerten Speicherbedarf -- und Speicher ist auf PDAs meist recht knapp. Deshalb setzt Qt/Embedded direkt auf dem seit langem in Linux vorhandenen Framebuffer-Device auf, es hat also direkten Zugriff auf den Bildspeicher.

Die Größe des so gesparten Speicherplatzes ist schon beachtlich -- je nach Prozessorarchitektur sind es 2 bis 4 MByte. Zudem bietet Qt/Embedded die Möglichkeit, nicht benötigte Bestandteile der Library zur Compile-Zeit wegzulassen -- damit kommt eine minimale Qt/Embedded-Library auf einer Größe von etwa 0,6 MByte. Im Schnitt ist mit einem Speicherbedarf von 2 bis 3 MByte für die normalerweise verwendeten Features zu rechnen.

Der Verzicht auf X11 bedeutet aber auch, dass sich Qt/Embedded um Dinge wie Window-Management selbst kümmern muss. Da ein eigener Server-Prozess zur Verwaltung von Fenstern und Grafik in den Augen der Trolltech-Entwickler zu aufwändig ist, kann vielmehr jede Applikation durch Aufruf mit dem Kommandozeilenparameter -qws als Server fungieren. Es dürfen nur nicht zwei Applikationen gleichzeitig Server sein, sonst kommt es zu Problemen mit dem Framebuffer-Zugriff -- wie entsprechende Experimente für diesen Bericht bewiesen.

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