Open Source im professionellen Einsatz

De-Mail im Tal der Ahnungslosen

Mit Unterstützung durch die Telekom soll Dresden Vorbild in Sachen sicherer Kommunikation werden, Bürger, Firmen und Behörden sollen davon in ihrem Alltag profitieren. Ein hehres Ziel und ein Grund mehr, die Bewohner des schönen Elb-Florenz aufrichtig zu beneiden. Ach ja, wie will man das nochmal erreichen?

Mit De-Mail. Nicht lachen, stimmt wirklich. Genau mit diesem behördlich hochgejubelten Produkt, das eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur als vage Option kennt und zudem durch die Paragrafen 112/113 TKG explizit verpflichtet ist, die hinterlegten persönlichen Daten seiner Nutzer einer Vielzahl von Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten ohne richterliche Anordnung zugänglich zu machen.

Genau mit dem Produkt, das die E-Mails zur Virenprüfung zwischendurch entschlüsselt und damit keine durchgehende Sicherheit gewährleisten kann. Genau mit dem Produkt, dem Experten ein verheerendes Zeugnis ausstellen. So etwa Linus Neumann, Sachverständiger des CCC im Rechtsausschuss des Bundestags, der dazu erklärt: "Es ist unerklärlich, wie ein solch offensichtlich untaugliches Werkzeug qua Gesetz die Salbung des Tauglichen erhalten soll. Statt einer qualifizierten elektronischen Signatur soll nun mit De-Mail unqualifizierte elektrische Makulatur staatlich verordnet werden."

In der ehemaligen DDR galt die Dresdner Gegend landläufig als "Tal der Ahnungslosen", weil dort kaum Westfernsehen empfangen werden konnte. Das hat die Telekom inzwischen geändert. Dass der historische Spottname aber seine Berechtigung behält, ist nun ebenfalls ihr Verdienst.

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