Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2017
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Nagelprobe

Die Trainingsphase startet in Zeile 22 mit dem Aufruf von »model.fit()« . Sie definiert 100 Durchgänge (»epochs« ) und erst nach der Batchgröße von 100 Trainingswerten soll das neuronale Netzwerk seine Gewichte mit den gesammelten Informationen anpassen. Ob das Training von Erfolg gekrönt war oder nicht, zeigt sich ab Zeile 25: Für alle möglichen Türkombinationen weist Zeile 30 die Methode »predict()« an, die zu wählende Tür vorzuschlagen. Und siehe da, Abbildung 4 zeigt tatsächlich, dass Kollege Computer jedes Mal die alternative Tür wählt, also den Kandidaten wechseln lässt, um, wie auch der mathematische Beweis zeigt, die Gewinnwahrscheinlichkeit zu maximieren.

Abbildung 4: Das Netzwerk hat gelernt, dass die Alternativ-Tür die lukrativste zum Gewinnen ist.

Das ist bemerkenswert, denn das Netzwerk kennt die mathematischen Zusammenhänge nicht, sondern richtet sich nur nach empirisch ermittelten Daten. Auch sind die Eingabedaten keineswegs eindeutig, denn die Wechselmethode führt nur in zwei Drittel aller Fälle zum Erfolg. Trickst man bei den Eingangsdaten und versteckt den Preis jedes Mal hinter der Wechseltür, misst der interne Erfolgszähler genau 100 Prozent, dann ist sich das Netzwerk absolut sicher.

Sind die Daten nicht eindeutig und verliert der Kandidat mit der Wechselmethode in einem Drittel aller Fälle, optimiert das Netzwerk anscheinend die Strategie, könnte aber auch leicht irren. Variiert man die Parameter des Netzwerks, etwa die Anzahl der Durchgänge oder der Neuronen, kommen teilweise ungenauere Ergebnisse zutage.

Infos

  1. Listings zu diesem Artikel: http://www.linux-magazin.de/static/listings/magazin/2017/11/snapshot/
  2. Michael Schilli, "Eine Ziege, wahrscheinlich": Linux-Magazin 07/14, S. 94, http://www.linux-magazin.de/Ausgaben/2014/07/Perl-Snapshot
  3. Wikipedia, "Ziegenproblem": https://de.wikipedia.org/wiki/Ziegenproblem

Der Autor

Michael Schilli arbeitet als Software-Engineer in der San Francisco Bay Area in Kalifornien. In seiner seit 1997 laufenden Kolumne forscht er jeden Monat nach praktischen Anwendungen verschiedener Programmiersprachen. Unter mailto:mschilli@perlmeister.com beantwortet er gerne Fragen.

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