Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2017

Zwei Bücher – besonders für Einsteiger beim Basteln und in der IT-Sicherheit

Tux liest

Das erste Buch führt umfassend in das Elektronikbasteln mit dem Raspberry Pi ein, hat aber auch Fortgeschrittenen noch Anregungen zu bieten. Das zweite gewährt Einsteigern Einblicke in die Tricks der Hacker.

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Mit reichlich 1000 Seiten ist das "umfassende Handbuch" zum Raspberry Pi ein ausgemachter Wälzer. Ob der riesige Umfang allerdings immer dem Leser zugutekommt, ist im Einzelfall fraglich. Die Autoren rechnen nämlich mit einem ganz unbedarften Leser, der sich weder mit der Hardware noch mit Linux noch mit Programmieren auskennt. Das alles wollen sie ihm von Grund auf erklären. Entsprechend reichen die Themen von SSH bis Spannungsteiler.

Der erfahrene Linux-Nutzer, der sich auch mit Python-Programmierung auskennt und sein Wissen nun auf dem Raspberry anwenden will, kauft mit dem vorliegenden Werk kiloweise redundante Information. Wer aber wirklich bei null anfängt, muss auf den meisten Gebieten mit Crashkursen vorliebnehmen, wo spezialisierte Einführungen in Linux, Elektronik oder Programmierung ausführlichere Erläuterungen bieten könnten. Das Konzept der eierlegenden Wollmilchsau erzwingt eben Kompromisse.

Der Buchteil für angehende Programmierer stellt Python im Schnelldurchlauf vor, aber auch, wie man mit anderen Sprachen – konkret Java und C – auf die GPIO-Schnittstelle zugreift, streift schließlich noch PHP und sogar die Wolfram Language von Mathematica, die es für den Raspberry kostenlos gibt.

Die Erklärungen sind durchweg gut lesbar und leicht verständlich. Wo es um die Erstinstallation des Raspberry geht, bedienen die Autoren zudem Windows-, Mac-OS- und Linux-Benutzer separat, was die ersten Schritte noch einmal deutlich popularisiert.

Die besten Kapitel sind die, in denen es jenseits der Grundlagenvermittlung um praktische Basteleien mit dem Raspi geht. Das betrifft den ganzen Teil V "Projekte", der spannende Bauvorhaben am Fließband präsentiert, zum Beispiel: Tierbeobachtung und Tor-Router, Mediacenter und Motorensteuerung, Lichtschalter und Luftraumüberwachung. Aber auch frühere Kapitel vermitteln bereits Anregungen, etwa jene, die Beispielschaltungen bei der Vorstellung einzelner Bauelemente erweitern.

Auf ein kleines Manko ist allerdings hinzuweisen: Die Autoren verheddern sich selber bei den Namen, die den Pins der GPIO-Anschlüsse zugeordnet sind. So bezeichnen sie einmal Pin 7 als GPIO7, ein anderes Mal Pin 26. Die Inkonsistenz muss nicht zwangsläufig fatale Konsequenzen haben, weil beide als GPIO7 bezeichneten Pins zu funktional ähnlichen Anschlüssen des SoCs BCM2836 führen, jedenfalls lässt sie den Leser aber verunsichert zurück.

Alles in allem ein sehr umfängliches Buch, das vielen etwas bringt, sich besonders als Allzweckwaffe für Einsteiger lohnt, aber auch gestandenen Bastlern noch Anregungen zu geben vermag.

Einbrechern über die Schulter geschaut

Das Buch von Patrick Engebretson möchte Hacking-Techniken vorstellen, und zwar "allen Personen [...], die sich für Hacking und Penetrationstests interessieren". Damit ist ein Problem schon beschrieben – die sehr weit gefasste Definition der Zielgruppe. Die beinhaltet nämlich auch Leser, die nicht wissen, was ein Netzwerkport oder eine Shell ist, und denen man das Ping-Kommando auf zwei Seiten erklären muss. Jemand mit dieser Vorbildung wird aber auch dann nicht zum Penetrationstester, wenn er sich den Port als Haustür vorstellt, wie es das Buch empfiehlt.

Das Buch gliedert Penetrationstests in vier Phasen: allgemeine Aufklärung, Port- und Schwachstellen-Scans, Eindringen und Nacharbeiten zur Erhaltung des Zugriffs. Jede Phase ist ausführlich, wenn auch nicht immer umfassend erklärt. Im Einzelfall – etwa beim Abschnitt zu Threat Agent Drone – beziehen sich die Erklärungen aber auch schon mal auf Projekte, die es bereits längere Zeit nicht mehr gibt, was sicher dem zeitlichen Vorlauf bei der Buchproduktion geschuldet ist. Häufiger sind die Ratschläge einfach nichtssagend: "Es gibt viele gute Portscanner. Wählen Sie einige davon aus, installieren Sie sie und lernen Sie ihre Funktionen kennen."

Alles in allem vermittelt das Buch dem unbedarften Leser einen guten Eindruck davon, wie ein Hacker prinzipiell vorgeht. Einfache Übungen geben auch eine praktische Anschauung. Zum Penetrationstester macht ihn die Lektüre trotz allem nicht, auch wenn sie immer wieder mit diesem Ziel zu werben versucht.

Info 1

Kofler, Kühnast, Scherbeck: Raspberry Pi

4. Auflage

Rheinwerk Verlag, 2017 1075 Seiten

40 Euro

ISBN: 978-3-8362-5859-3

Info 2

Dr. Patrick Engebretson: Hacking Handbuch

Franzis Verlag, 2017

340 Seiten

40 Euro

ISBN: 978-3-645-60417-8

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