Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2017

Tuxedo mit eigener Distribution und neuem Notebook-Flaggschiff

Blick unter den Deckel

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Beim Assembling Day von Tuxedo im bayrischen Königsbrunn war das eigene, um Features erweiterte Linux-System schon im Gespräch. Jetzt hat der Linux-Hardware-Spezialist Tuxedo Xubuntu vorgestellt, eine Distribution mit Xfce-Desktop, in die die hauseigenen Erweiterungen einfließen.

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Wer Notebooks mit vorinstallierten Linux-Distributionen verkauft, muss sich um den reibungslosen Betrieb der Hardware kümmern. Bei einem Besuch am Firmensitz von Tuxedo in Königsbrunn beschrieb der für die Hardware-seitigen Anpassungen zuständige Entwickler Andreas Hemmrich die Herausforderungen dieser Aufgabe als eine Art Hase-und-Igel-Rennen. Die Treiberanpassungen, die er für Tuxedo vornimmt, sind kaum abgeschlossen, da erscheinen wieder neue Grafikchips und Prozessoren.

Wenn eine Distribution zur Zufriedenheit von Andreas Hemmrich und seinem Chef Herbert Feiler läuft, gibt es eine neue Version. Nicht selten hat die Community daran etwas geändert, was in der Tuxedo-Welt einiges durcheinanderbringt.

Eigene Distribution

Auf den Notebooks und PCs von Tuxedo ist jeweils Linux installiert, es bestehen auf Wunsch auch Optionen für eine Windows-Installation. Bislang standen Ubuntu-Varianten sowie Elementary OS zur Wahl. Seit Anfang Juli ist die eigene Distribution Tuxedo Xubuntu 16.04 LTS (Abbildung 1) die Empfehlung des Herstellers. Es sei nicht das Ziel, einen weiteren Fork einer Ubuntu-Distribution aufzulegen, teilt Tuxedo mit. Eingeflossen seien aber die ganzen Errungenschaften der hauseigenen Entwickler, zu denen neben Andreas Hemmrich auch Christian Loritz gehört, der das TCC (Tuxedo Control Center) entwickelt, mit dem sich der Nutzer einfacher in den Systemeinstellungen zurechtfinden soll.

© TuxedoAbbildung 1: Der Xfce-Desktop von Tuxedo Xubuntu.

Tuxedos-Linux kommt mit Xfce als Desktop, auch dies sei eine Frage der Anpassbarkeit gewesen, Xfce sei stabil, weit verbreitet und bringe ausreichend Anwendungen und Erweiterungsmöglichkeiten mit. Eigene Icons, ein Bootsplash und Themes zählen zu den grafischen Beigaben, die Tuxedo beisteuert. Die hauseigenen Treiberanpassungen, die neueste Firmware, Konfigurationsanpassungen an Grub sind ebenso enthalten wie ein vorinstallierter Kernel 4.11.

Bei der Installation der Systeme nutzt Tuxedo das FAI-Projekt (Fully Automatic Installation [1]). Die Open-Source-Software ermöglicht – wie der Name vermuten lässt – die automatische Einrichtung des angepassten Systems. FAI erkennt die Hardware und spielt das gewünschte System mit den Anpassungen ein. Weil die Installation keine Images nutzt, kann der Nutzer einen Rechner- und Benutzernamen eingeben. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Image ist die Aktualität des Systems. Sollte es nötig sein, lässt sich mittels FAI auch der Auslieferungszustand wieder herstellen.

Tuning

Tuxedo Xubuntu profitiert von den Beigaben, hat der Hersteller in Tests ermittelt. Gegenüber einer Installation von Linux Mint 18.1, die eine Akkulaufzeit von secheinhalb Stunden ergeben habe, erreiche Tuxedo Xubuntu rund zwölf Stunden. Allerdings ist Mint 18.1 auf einem Linux-Kernel aufgebaut, der die Chips in den getesteten Geräten nicht vollständig unterstützt. Auch die RAM-Belegung nach dem Systemstart sei mit 304 MByte nur rund halb so hoch wie bei einem Ubuntu 16.04 mit Unity-Desktop. Ähnlich Werte erreicht im Tuxedo-Test nur Ubuntu mit Mate-Desktop.

Dass Alleingänge von Herstellern der Community ein Dorn im Auge sind, ist kein Geheimnis. Tuxedo versuche deshalb, eng mit dem Xfce- und dem Xubuntu-Projekt zusammenzuarbeiten und dort bei der Weiterentwicklung zu helfen. Das angepasste Xubuntu stehe auch der Allgemeinheit zur Verfügung und könne über den Installationsdients Web-FAI [2] bezogen werden. Zu beachten ist aber, dass die Anpassungen spezifisch für die Tuxedo-Geräte sind. Die individuelle Hardware des Nutzers profitiert bei Abweichungen also nicht immer davon.

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