Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2017

Deutsche Open Stack Tage

Vom Stapel gelassen

Die Deutschen Open Stack Tage Ende Juni in München erwiesen sich als genau das, was der Name glauben macht. An zwei Tagen berichteten Entwickler von ihren Projekten und Anwender von ihren Erlebnissen. Eine ziemlich runde Sache.

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Ein Hotel im Norden von München war Austragungsort der dritten Open Stack Tage [1]. Vor den rund 300 Besuchern lagen zwei randvoll durchorganisierte Tage mit Vorträgen (Abbildung 1) und einer überschaubaren Ausstellung. Wer bereits am Montag angereist war, konnte sich in Fach-Workshops warmturnen.

Nach einem kurzen Vorglühen des Veranstalters B1 Systems startete das Programm umstandslos wie ein deutscher Diesel mit Holger Urban von Volkswagen und seiner Keynote. Er berichtete über Open-Stack-Einführungsprojekte im gesamten Konzern. Nach seinen dabei gesammelten Erfahrungen gehört nicht alles in die Cloud, selbst wenn das technisch möglich wäre.

Außerdem muss ein multinationaler Konzern beim Hochziehen einer neuen Basistechnologie lokal mit sehr unterschiedlichen Gegebenheiten rechnen. Für die IT-ler von VW hielt laut Urban China die größten Überraschungen parat. So wichtig der Markt für den Autobauer ist, so groß sind offenbar auch die interkulturellen Unterschiede, die selbst bei IT-Projekten zur Herausforderung werden.

Die Wahl haben

Nach dem ersten Vortrag standen am ersten Besuchstag drei und am zweiten Tag zwei parallele Vorträge zur Auswahl. Am ersten Tag stellte der Teilnehmer sein Menü zusammen aus Herstellerpräsentationen (etwa Cisco, Netapp oder VMware), eher technischen Vorträgen, die eine Vorgehensweise oder ein Projekt erklärten, und Tracks, die in die Kategorie "Erfahrungsbericht" gehören.

In Letzteren kamen einige Best-Practice-Vorträge von Cloudanbietern wie der Deutschen Telekom oder Noris Networks ins Programm, aber auch Berichte über die Einführung von Open Stack in Unternehmen wie Volkswagen, dem Metro-Handelskonzern und BMW, die nicht der IT-Welt angehören.

Insbesondere der BMW-Mann Andreas Pöschl machte bei der Zuschauergunst wichtige Saisonpunkte, gefiel mit einen unterhaltsamen Vortragsstil in der Form und überzeugte inhaltlich durch die strategische Herangehensweise seines Unternehmens. Ziel des Autobauers war es, eine Open-Stack-Community ins Rennen zu schicken, bei dem jedes Teammitglied stolz darauf ist, möglichst viele Dienste per Open Stack auf die Straße zu bringen statt sie bei einem Public-Cloud-Provider zu parken.

Viele der Erfahrungen decken sich

Als Credo aus den drei Erfahrungsberichten schälen sich folgende Punkte heraus:

  • Für die IT-Abteilung läuft beim Thema Open Stack vieles anders als mit der klassischen Infrastruktur. VMs, die in der neuen Umgebung laufen, zeigen einen flüchtigen Charakter und sind nicht für den 20-Jahres-Betrieb gedacht. Auch müssen die Admins einige klassische Prozesse und Werkzeuge wie eine CMDB überdenken.
  • Es ist vorteilhaft, nach der Experimentierphase umgehend die Installationsprozesse in Automatisierungstools abzubilden, damit sich das Team direkt daran gewöhnt und später die Skalierbarkeit der Lösung sichergestellt ist. Im Vortrag der Metro Group war die Anekdote zu hören, ein einzelner nicht ausgebildeter Kollege in China habe eine große Open-Stack-Instanz in einem Rechenzentrum vor Ort nur mit einem USB-Stick und ansonsten Remote ohne nennenswerte Probleme hochgezogen.
  • In der Strategie sollte das Thema Hybrid Cloud einen Platz haben.
  • Unternehmen, die den Aufbau richtig angehen, erzeugen geringere Gesamtkosten als solche, die alles bei Public-Cloud-Providern betreiben.

Die meisten technischen Vorträge widmeten sich einzelnen Projekten. Spyros Trigazis vom Cern empfiehlt Administratoren, die mit Docker Swarm, Kubernetes oder Mesos schnell größere Containerumgebungen bereitstellen wollen, das Magnum-Projekt [2]. In seinem Vortrag berichtete er auch, wie das Cern mit seinen ungewöhnlichen Workloads (1000 Container für vier Wochen) kollisionsfrei umgeht. Als der Referent die Folie mit den Gesamtzahlen an Knoten, CPUs und Speicher seines Arbeitgebers auflegte, ging ein anerkennendes, fast neidisches Raunen durch den Saal.

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