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Linux-Magazin 09/2017
© Harry Huber, 123RF

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Kernel 4.13: Mehr Dateien in Ext 4, Stereoskopie in Nouveau

Viele Files fürs Volk

Zwar ist auch diesmal wieder der meiste Code in der Grafikabteilung gelandet, von den Verbesserungen an Kernel 4.13 profitieren aber auch Dateisysteme und die Energieverwaltung.

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Im ersten Release Candidate von Linux 4.13 dominieren einmal mehr die Headerdateien des AMDGPU-Treibers. Ansonsten sieht Kernel-Chef Linus Torvalds "zwei Drittel Treiber und ein Drittel der Rest" [1]. Ungewöhnlich sei höchstens, dass die Dokumentation einen Großteil dieses Rests einnehme.

Mehr unterbringen

Das schon in Linux 4.11 integrierte Statx, das neue Systemaufrufe für Datei-Informationen bereitstellt, unterstützen ab sofort auch Btr-FS sowie die für Flashspeicher konzipierten Dateisysteme Ubi-FS (Unsorted Block Image Filesystem) und F2FS. Letzteres beherrscht nun zudem Benutzer- und Gruppen-Quotas.

Am Dateisystem Ext 4 hat sich diesmal einiges getan (Abbildung 1). Die Obergrenze für Einträge in einem einzelnen Verzeichnis stieg von etwa zehn Millionen auf etwa zwei Milliarden. Das ist besonders für verteilte Dateisysteme wichtig. Der Code für die als Largedir bezeichnete Erweiterung kam von den Lustre-Entwicklern. Wer tatsächlich so viele Dateien in einem Ordner unterbringt, muss laut den Ext-4-Hackern aber mit Leistungseinbrüchen rechnen [2].

Abbildung 1: Für große Dateien baut Ext 4 eine Baumstruktur auf, die Obergrenze für Dateien pro Verzeichnis ist nun deutlich gestiegen.

Erweiterte Attribute (Extended Attributs) speichert Ext 4 künftig in einem eigenen Inode von bis zu 64 KByte. Zusätzlich lassen sich identische Attribute deduplizieren. Die Zusammenlegung spart Speicherplatz und erhöht auch die Leistung, da Ext 4 weniger Daten puffern muss.

Länger leben

Auch wer SSDs mit der Discard-Option einbindet, darf sich über mehr Leistung freuen, denn Ext 4 arbeitet Discard-Aktionen künftig parallel ab. Die bei dem Vorgang freigeräumten Blöcke meldet Ext 4 dem System deutlich schneller.

F2FS und Ext 4 nutzen nun nicht mehr nur eine 256-Bit-AES-Verschlüsselung, sondern dank einer Fscrypt-Neuerung bei Bedarf auch 128-Bit-AES, um mit weniger leistungsfähigen Prozessoren – etwa auf eingebetteten Systemen – effizienter zu chiffrieren.

Für mehr Geschwindigkeit sorgen auch die Lifetime Hints des Blocklayer-Treibers. Anwendungen informieren den Kernel darüber, wie lange ihre zu speichernden Dateien voraussichtlich auf NVMe-Datenträgern verbleiben. Der Blocklayer-Treiber sucht dann auf dem Datenträger einen möglichst günstigen Platz für diese Dateien.

Künftig soll sich der Treiber auch darum kümmern, dass Datenträger anstelle der bisherigen IO-Fehler verständlichere Fehlermeldungen an Dateisysteme oder Anwendungen schicken. Für präzisere Fehlercodes hat sich Entwickler Christoph Hellwig an anderen üblichen Codes orientiert. Ein LWN-Artikel [3] erläutert die Hintergründe.

Ansonsten haben die Kernelentwickler die Vergabe von Universally Unique Identifiers (UUIDs) auf zwei Typen konsolidiert, viele Funktionen zusammengefasst und diverse Subsysteme an das neue API angepasst. Anwendern bleiben diese Änderungen aber meist verborgen.

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