Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2017

Ein Nachschlagewerk für Anfänger und ein Praxis-Handbuch für Programmierer

Tux liest

Ein Buch bietet schnelle Hilfe bei den wichtigsten Linux-Kommandos, das zweite eine fundierte Einführung in den Entwurf von APIs.

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Bei einer gedruckten Kommandoreferenz ist per se Skepsis angesagt, denn Linux hält eine solche Referenz in Form der Manpages schon online und kostenlos bereit. Was also soll es bringen, dasselbe in Papierform neben die Tastatur zu legen? Noch dazu verkürzt, wie es im vorliegenden Fall das Büchlein "Linux – kurz & gut" praktiziert.

Ein paar Pro-Argumente stechen mehr oder weniger: Das Buch liegt in Deutsch vor, die Manpages oft nur in Englisch. Es werden nicht alle Kommandos und von denen nicht alle Optionen erklärt, das macht es übersichtlicher. Das Buch verliert zudem ein paar Worte über grundlegende Konzepte wie Dateien oder Benutzer und Rechte. Allerdings sind diese Ausführungen sehr knapp gehalten.

Knappe Infos

Die Auswahl drückt sich oft gerade um jene Themen, die nicht offenkundig, vielleicht auch seltener in Verwendung, gerade deshalb aber erklärungsbedürftig sind. So hat das Kommando »top« über 20 Optionen, von denen der Autor gerade fünf mit je einer Zeile erwähnt.

Die Bedeutung der angezeigten Performance-Messwerte erläutert er nicht, obwohl sie nicht unbedingt auf der Hand liegt. Genauso wenig geht das Buch auf die spannende Möglichkeit ein, Art, Anzahl und Reihenfolge der Spalten der Ergebnistabelle nach eigenem Gusto zu gestalten. Das wäre nichts für den blutigen Anfänger, aber etwas, das alle anderen vermutlich gern nachschlagen.

Kurz: Das Bändchen ist höchstens etwas für den allerersten Einstieg – und da besonders für die Anfänger, die nur die wichtigsten Infos auf Deutsch bekommen möchten. Das englische Original für englische Leser hat noch weniger Daseinsberechtigung. Bereits der etwas Fortgeschrittene ist mit den Manpages besser bedient.

Alles über APIs

Der Autor Kai Spichale geht sein Thema, das API-Design, systematisch an. An eine kurze Einführung in Sinn und Zweck von APIs schließt sich eine Definition der Qualitätskriterien an, denen genügen zu können ja zugleich ein Ziel des ganzen Buches beschreibt. Ein bisschen problematisch an den vorgestellten Kriterien ist, dass sie sich in hohem Maß überschneiden. Ein API ist leicht erlernbar, wenn es gut dokumentiert und intuitiv verständlich ist, und es ist intuitiv verständlich, wenn es konsistent daherkommt.

Konsistenz wiederum lässt sich unter anderem an der Wahl der Namen von Funktionen und Variablen ablesen, die einem Konzept folgt. Solche Namen sind intuitiv verständlich und leicht erlernbar – und damit dreht sich die Argumentation endgültig im Kreis.

Wie kommt man zu einem guten API? Das Buch stellt zunächst ein allgemeines Vorgehen vor, ausgehend von den Anforderungen, dann über Spezifikation, Entwurf und Kodierung bis zur Dokumentation. Danach untersucht es verschiedene Ausprägungen von APIs, hier wie im ganzen Buch am Beispiel Java: Implizites Objekt-API, Bibliothek, Service und Framework.

Praktische Empfehlungen etwa zur Namenswahl für Klassen, Methoden und Parameter, zum Einsatz von Datentypen, zur Sichtbarkeit von Objekten oder zur Vererbung folgen im nächsten Kapitel. Weiter geht es mit fortgeschrittenen Konzepten wie Domain Specific Languages (DSL) oder Wrapper-Interfaces.

Ein großes Problemfeld für APIs ist die Kompatibilität, die auch bei einem Aus- und Umbau gewahrt bleiben muss. Ein eigenes Kapitel untersucht praxisgerecht, welche Änderungen statthaft sind. So kann der Programmierer fast immer neue Methoden hinzufügen, aber fast nie das Interface ändern.

Ein weiterer Teil dreht sich um Web-APIs und hier zuallererst um REST-Schnittstellen auf HTTP-Basis. Ein eigenes Kapitel demonstriert die dafür nötigen Techniken am Beispiel. Ergänzend zu REST diskutiert der Autor auch die Alternative SOAP mit WSDL von Grund auf. Schließlich bespricht er auch Messaging-Produkte, die als Nachrichten-orientierte Middleware an die Stelle von Methodenaufrufen treten, wenn wegen großer Entfernung hohe Latenzen zu erwarten sind.

Alles in allem kann das Buch auch dem erfahrenen API-Designer wertvolle Anregungen bieten. Für den angehenden API-Programmierer hält es eine systematische Einführung parat.

Info 1

Daniel J. Barrett:

Linux – kurz & gut

O'Reilly, 2017

260 Seiten

13 Euro

ISBN: 978-3-96009-034-2

Info 2

Kai Spichale:

API-Design

Dpunkt Verlag, 2017

340 Seiten

35 Euro

ISBN: 978-3-86490-387-8

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