Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2017

Notizen von der Open Source Datacenter Conference

Fundiert, aber vorhersehbar

Mitte Mai trafen sich auch in diesem Jahr Administratoren und Entwickler aus ganz Deutschland und darüber hinaus, um die Zukunft des mit freier Software arbeitenden Rechenzentrums zu diskutieren. 2017 in Berlin warben auffällig viele Firmen für ihre Konzepte.

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In den Kindertagen dieser Konferenz waren die Themen andere: Früher ging es beispielsweise um Replikation und Tuning von Datenbanken, regelmäßig um Rechtsfragen, mehrmals um physische HA-Cluster oder Filesysteme oder Spamfilter – von all dem ist heute keine Rede mehr. Allerdings war auch 2010 schon von Virtualisierung die Rede und von ersten Containerlösungen und von Automatisierung mit Werkzeugen wie Chef und Puppet. Dieser Themenstrang hat sich weiterentwickelt und dominiert nun das Programm, das sich inzwischen fast ausschließlich um Clouds oder Container oder Automation dreht.

Firmen über sich

Aber noch etwas hat sich verändert: Anfangs gab es kaum Vorträge von Herstellern über ihre Produkte. In diesem Jahr startete das Programm in einem Saal gleich mit dreien in Folge: Timo Derstappen, CTO und Co-Founder des Container-Hosters Giant Swarm, sprach über das Hosting von Containern, Seth Vargo, Director of Technical Advocacy bei Hashicorp, über drei Produkte von Hashicorp, Mandi Walls von Chef über dessen Tool Inspec.

Natürlich kennen die Referenten ihr Publikum und verkneifen sich die "Kaufen Sie jetzt!"-Attitüde, aber eine kritische Distanz zu den eigenen Produkten dürfen sie sich ebenso wenig erlauben.

Was auszusterben droht, ist die unbestechliche Wertung, unabhängig von Projekt oder Produkt oder seinem Platin-Partner, sondern von einem nicht voreingenommenen, niemandem verpflichteten Anwender. Das heißt nicht, dass die Vorträge nicht technisch fundiert waren (das waren sie), aber wie sie ihren Gegenstand bewerten würden, stand fest, bevor der Referent den Mund aufmachte.

Mogelpackung

Diese Entwicklung hat außerdem eine unvorteilhafte Nebenwirkung, die sich am Vortrag von Monica Sarbu beispielhaft studieren ließ: Ihr scheinbar neutrales Thema "Collecting the right data to monitor your infrastructure" verlagerte sich unter der Hand von der Frage, was an Daten zweckmäßigerweise zu sammeln wäre, zu der Frage, wie man diese Sammlung bewerkstelligt.

Das hat einen Grund: Auf diese modifizierte Frage hat ihr Arbeitgeber, Elastic Search, eine mögliche Antwort, die so genannten Beats, kleine Module, die aus verschiedenen Quellen Daten aufnehmen können. Nach zwei Sätzen fand sich der Zuhörer in einer Beats-Demo wieder, die man ähnlich von der Referentin auch schon kannte. Hier ging es offenbar weniger um Originalität als um Marketing.

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