Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2017

Lernen ist der Generalnenner von zwei unterschiedlichen Computerbüchern

Tux liest

Ein Buch führt in die Thematik vorausschauender Datenanalysen ein, ein zweites hilft beim Pauken für die Linux-Zertifizierungen des Linux Professional Institute.

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Big Data allerorten. Der Weltmarkt für Künstliche Intelligenz, Cognitive Computing und Machine Learning soll in den nächsten drei Jahren auf über 21 Milliarden Dollar anwachsen. Dieser Hype geht auch am Buchmarkt nicht spurlos vorbei, momentan erscheinen zahlreiche Titel zu diesen Themen. Eines davon ist "Predictive Analytics für Dummies" von dem amerikanischen Autoren-Trio Bar, Chaouchi, Jung – alle ausgewiesene Datenanalyse-Experten.

Und typisch amerikanisch geht es mit einer euphorischen Einführung los, die den europäischen Fachbuchleser ob ihres Überschwangs ein wenig befremdet: "Daten + Predictive Analysis = Licht", das ist in Kurzform die Heilsbotschaft, wörtlich zitiert. Leider verliert sich die definitorische Strenge, wie sie die Formel andeuten mag, im Buch zügig. Zur Erklärung eines so wichtigen Begriffs wie dem des Modells heißt es lapidar: "Ein Modell ist eine mathematische Darstellung eines Objekts oder eines Prozesses."

Damit fallen allerdings viele wesentliche Aspekte unter den Tisch: Etwa dass ein Modell immer vereinfacht und stets nur ausgewählte Züge der Wirklichkeit abbildet, dass es eine Stellvertreterrolle hat, dass es entweder im Maßstab oder in der Struktur einen Bezug zum Abgebildeten haben muss (Skalen- beziehungsweise Analogiemodell wie beim Modellauto oder dem Planetenmodell). Für statistische Modelle im Besonderen wäre darüber hinaus der Begriff der Wahrscheinlichkeit zentral.

Distanzlos

Zu der nicht sonderlich tiefgründigen Darstellung kommt unseligerweise eine vollkommen unkritische Sicht auf die Möglichkeiten und Grenzen einer statistischen Analyse. "Die Bereiche, in denen Predictive Analytics eingesetzt werden kann, sind unbegrenzt. Das Feld ist weit geöffnet und das Spiel freigegeben. Beginnen Sie das Graben." Zum blauäugigen Schwelgen in der Goldgräberstimmung passt auch, dass der Datenschutz an keiner Stelle thematisiert ist, dass die Gefahr gläserner Bürger oder Kunden keine Rolle spielt. Stattdessen preisen die Autoren fortwährend vorgebliche Geschäftsvorteile.

Die folgenden Kapitel stellen einzelne Techniken und Anwendungsbeispiele vor, etwa das kollaborative Filtern als Basis von Empfehlungssystemen. Die Erklärungen sind ohne Vorkenntnisse leicht fasslich und vermitteln einen Eindruck, worum es geht und wie die Dinge im Prinzip funktionieren. Das Graben beginnen kann damit aber niemand. Bestenfalls erarbeitet sich der Leser das nötige Grundverständnis, das ihn dazu befähigt, sich anschließend in die unabdingbaren Details zu vertiefen.

Effektiv pauken

Zertifikate machen sich nicht nur bei Bewerbungen um eine neue Arbeitsstelle gut, auch der Arbeitgeber dokumentiert damit gerne die Qualifikation seines Personals. Ein weithin anerkanntes Zertifikat für Linux-Know-how ist das LPIC vom Linux Professional Institute. Allerdings fällt einem die begehrte Urkunde nicht in den Schoß. Selbst wenn man sich gut mit Linux auskennt, ist es von Vorteil, zu wissen, was die Prüfer fragen.

Bei der gezielten Prüfungsvorbereitung hilft das zweibändige Werk "Das Komplettpaket LPIC-1 & LPIC-2" von Harald Maaßen, zu dem auch eine speziell entwickelte Prüfungssimulation gehört, die der Leser online absolvieren kann. Die Bücher sind genau auf diesen Zweck zugeschnitten, als Nachschlagewerke eignen sie sich also nicht. Stattdessen vermitteln sie genau den Stoff, der Gegenstand der Prüfung ist, und bieten mit Kontrollfragen die Möglichkeit, den Lernfortschritt einzuschätzen.

Der LPIC-1-Band dreht sich um Systemarchitektur, Paketverwaltung, Unix-Kommandos, Geräte und das Filesystem (alles LPIC 101) sowie Shells, Desktop, Aufgaben des Admin, Systemdienste, Netzwerk und Sicherheit (LPIC 102). Im Text finden sich gelegentlich auch besondere Tipps für die Prüfung, zum Beispiel Hinweise auf Fehler, die bei bestimmten Fragen oft gemacht werden.

Der Band zu LPIC-2 behandelt die Themen Kapazitätsplanung, Kernel, Systemstart, Storage, Netzwerkkonfiguration, Systemverwaltung (LPIC 201) sowie DNS, Web, Freigaben, E-Mail und Systemsicherheit (LPIC 202). Für LPIC-Prüflinge empfehlenswert.

Info 1

Bari, Chaouchi, Jung:

Predictive Analytics für Dummies

Wiley Verlag, 2016

350 Seiten

27 Euro

ISBN: 976-3-527-71291-5

Info 2

Harald Maaßen:

Das Komplettpaket LPIC-1 & LPIC-2

Rheinwerk Verlag, 2017

1050 Seiten

60 Euro

ISBN: 978-3836235297

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