Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2017

Projektmanagement mit und ohne Agilität

Tux liest

Zwei Bücher über Projektmanagement im weiteren und engeren Sinn: Beide sind von Praktikern verfasst und nützlich für angehende wie fortgeschrittene Projektleiter.

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Das macht Klaus Leopolds Buch bereits in der Einleitung sympathisch: Es hält seinen Gegenstand, die Kanban-Methode, nicht für das Allheilmittel, mit dem man in jedem Fall wie auch immer definierte schwammige Ziele wie "mehr Effizienz" oder "größere Agilität" erreicht.

Stattdessen macht der Autor gleich am Anfang klar, dass sich Erfolg nur dann einstellen kann, wenn der Anwender verstanden hat, was er genau aus welchem Grund verbessern will, und wenn er außerdem messbare Kriterien dafür findet. "Was wollen wir mit Kanban verbessern und wie können wir messen, ob wir das erreichen? Durch diese beharrlich wiederholte Frage zerbricht die leere Begriffshülse der Effizienz recht schnell und weicht handfest quantifizierbaren Messgrößen."

An einem einfachen, aber eindrucksvollen Beispiel, das jeder Leser nachvollziehen kann, demonstriert der Autor, welche schädlichen Auswirkungen die stetige Zufuhr neuer Arbeit in ein System hat, dessen Durchsatz begrenzt ist, und wie wildes Priorisieren alles nur noch schlimmer macht, wie eine lokale Optimierung das Gegenteil des Angestrebten bewirkt und wie stattdessen eine möglichst späte Übernahme von Arbeit Schäden begrenzen würde.

Unter der Hand führt das Gedankenexperiment damit schon einige der Grundprinzipien der Kanban-Methode ein, die einen flussgesteuerten, kontinuierlichen Arbeitsprozess erreichen will. Aus ihnen leiten sich wiederum sechs Praktiken ab, die das Buch im Detail erläutert: "Visualisiere, limitiere den Work in Progress, manage Flow, mache Prozessregeln explizit, implementiere Feedback-Loops, führe Verbesserungen basierend auf Methoden und Modellen durch."

Wie macht man das praktisch? Darauf geht Kapitel zwei ein. Das folgende Kapitel bringt dann noch ein detailliertes Praxisbeispiel aus dem reichen Erfahrungsschatz des Autors. Kapitel vier beschäftigt sich mit dem schwierigen Problem der Voraussage von Aufwand und Zeitbedarf auf der Grundlage von Modellen. Zwei weitere Kapitel gehen Fragen der Priorisierung und des Ticket-Handlings nach.

Alles in allem merkt man dem Buch an vielen Stellen an, dass sich der Autor intensiv und praktisch mit Kanban beschäftigt und dabei viele Probleme erfolgreich bewältigt hat. Jeder, der in Kanban einsteigen möchte, kann davon zweifellos profitieren.

Überleben in Projekten

Wohl jeder kennt ein misslungenes IT-Projekt – angefangen bei Toll Collect bis zu dem kleinen Programmiervorhaben in der eigenen Firma. Matthias Geirhos hat sich nun zum Ziel gesetzt, Projektverantwortlichen einen Leitfaden an die Hand zu geben, der ihnen dabei helfen soll, die gefährlichsten Klippen eines IT-Projekts zu umschiffen.

Das schmale Bändchen geht systematisch vor und beleuchtet Personalfragen, Projektplanung und -durchführung, das Controlling und agile Methoden im Projektmanagement aus der Perspektive des Praktikers. Es gibt viele direkt verwertbare Tipps und macht auf mögliche Probleme vorausschauend aufmerksam. Das alles mit einer Prise Humor, in verständlicher Sprache und gewürzt mit anschaulichen Vergleichen.

Hin und wieder vergaloppiert sich der Autor jedoch im Bemühen um einen lockeren Tonfall und bilderreichen Ausdruck. Beispiel: Fünf Kontra-Argumente zu E-Mails, darunter das Argument, der Autor könne 700 Anschläge in der Minute tippen. "Da lässt sich schon in wenigen Sekunden viel Unsinn schreiben." Nun werden die meisten Menschen schneller sprechen als schreiben können, dasselbe Argument würde dort also erst recht gelten. Ist deshalb Schweigen Gold?

Oder: "E-Mails transportieren keine Emotionen, oder schlimmer noch, die Emotion entsteht erst beim Empfänger, sozusagen in dessen Kopf." Ja, wo und wann sollen sie denn sonst entstehen? Oder: Die E-Mails verschwinden angeblich in einer hoffnungslos überfüllten In-Box. Spricht das gegen E-Mails oder für das individuelle Unvermögen, sie sinnvoll zu sortieren? Passend zur unlogischen Argumentation sind dann etliche der zugehörigen Ratschläge eher banal.

Insgesamt ist das Büchlein aber eine empfehlenswerte Lektüre für Projektleiter, weil es sich darüm bemüht, konkrete Fragen zu stellen und Vorschläge zu unterbreiten, statt nur zu theoretisieren.

Info 1

Klaus Leopold:

Kanban in der Praxis

Hanser Verlag, 2017

225 Seiten

36 Euro

ISBN: 978-3-446-44343-3

Info 2

Matthias Geirhos:

IT-Projektmanagement

Rheinwerk-Verlag, 2016

230 Seiten

13 Euro

ISBN: 978-3-8362-4098-7

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